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1. Bundesliga: Sieg für Hannover nach drei Monaten

Wie gewinnt man in Hannover? Tief stehen und selbst kontern. Auf dem Papier machte Nürnberg alles richtig. Entscheidend ist aber auf dem Platz, und da machte der Club zu viele Fehler - beim Gegentor in der 18. Minute und bei der größten Torchance in der 88. Minute. Die Niederlage war verdient, der Sieg nicht.

In einem unterdurchschnittlichen Bundesligaspiel gewann Hannover 96 gegen Nürnberg erstmals nach mehr als drei Monaten wieder drei Punkte. Das 1:0 zur Pause nach Mo Abdellaoues Tor war verdient. Nach der Pause aber ließen die Roten den Gast immer mehr ins Spiel kommen und durften sich am Ende bei der clownesken Unzulänglichkeit der Clubspieler bedanken, dass es nicht noch ein 1:1 wurde.

Und bei Schiedsrichter Marco Fritz, der eine Tätlichkeit von Emanuel Pogatetz an Philipp Wollscheid im Strafraum weder mit Platzverweis noch mit Elfmeter ahndete, so dass der Mad Dog bis zum Spielende auf dem Rasen bleiben durfte.

Mirko Slomka konnte nach dem 0:0 von Hoffenheim wieder auf zwei wichtige Stammkräfte zurückgreifen, nämlich Sergio Pinto und Jan Schlaudraff. Dafür mussten Daniel Royer und Moritz Stoppelkamp wieder auf die Bank. Die Roten liefen im gewohnten 4-4-2-System auf, mit Lars Stindl wieder auf der rechten Seite für Royer, Pinto neben Manuel Schmiedebach im zentralen Mittelfeld und Schlaudraff vorne knapp hinter Mo Abdellaoue.

Nürnbergs Aufstellung - gut gedacht, schlecht gemacht

Interessanter die Aufstellung des Club. Dieter Hecking änderte seine Startelf gegenüber dem Hertha-Spiel nur in einer Personalie, aber die hatte weitreichende Umstellungen zur Folge. Der gegen die Berliner noch gesperrte Markus Feulner kehrte in die Mannschaft zurück - auf die Rechtsverteidigerposition. Markus Hegeler spielte dafür im linken Mittelfeld, Alexander Esswein rückte nach vorne, wo er die einzige echte Spitze gab. Klingt nach Konterfußball, zumal Tomas Pekhart auf die Bank verbannt wurde.

Das war im Prinzip keine schlechte Idee von Dieter Hecking, denn wenn Hannover eines nicht mag, dann selbst das Spiel machen zu müssen. Doch die Taktik der Franken sah auf dem Papier besser aus als auf dem bräunlich-grünen Rasen des ehemaligen Niedersachsenstadions.

Dabei stimmten die Parameter eigentlich. 96 war deutlich mehr im Ballbesitz als die Gäste, und wenn der Gegner den Ball hat, dann kann er ja nicht schnell umschalten, mag sich Hecking gedacht haben. Stimmt grundsätzlich ebenso wie die Tatsache, dass Hannovers Stürmer nicht gerade an dem Schöpfungstag erschaffen wurden, an dem Gott die Belagerung von Strafräumen mit hohen Flanken plante. Auch gewann der FCN viele seiner bissig geführten Zweikämpfe - war aber über weite Strecken des Spiels klar unterlegen.

Erster Sieg Hannovers gegen einen defensiveren Gegner

Seit dem Hinspielsieg in Nürnberg im August hatte Hannover von 16 Bundesligaspielen nur drei gewonnen: gegen Dortmund, Bremen und Bayern. Das zeigt die Kragenweite, die den Roten normalerweise liegt. Doch wenn der Gegner in entscheidenden Situationen keinen Zugriff auf die Gegenspieler hat, wie der Fußballvolksmund heute sagt, dann sind all diese Statistiken Makulatur.

Exemplarisch verdeutlichen lässt sich das an drei Szenen in der ersten Halbzeit. Nach sieben Minuten kam Abdellaoue nach einer Stindl-Ecke von links aus vier Metern zum Abschluss, setzte den Ball aber über die Latte. Wenig später griff niemand Pinto vor dem Strafraum an, und nur eine tolle Parade von Raphael Schäfer verhinderte Schlimmeres. Nach 18 Minuten aber trafen die Roten dann.

Auf der rechten Seite ging Stindl mit dem Ball am Fuß nach vorne, "Linksverteidiger" Adam Hlousek, eigentlich ein Angreifer, hielt beim Rückwärtslaufen den konstanten Sicherheitsabstand zum Hannoveraner, vielleicht auch, weil Steve Cherundolo in Stindls Rücken kreuzte. So aber konnte Stindl fast wie im Training aus dem Halbfeld flanken, in der Mitte hatte sich Abdellaoue von Philipp Wollscheid gelöst und lief in die Hereingabe, Dominic Maroh kam zu spät, um den Stürmer noch am Abschluss zu hindern.

Einstellung statt Aufstellung

Zwei Innenverteidiger gegen einen Stürmer, dass hier ein Gegentor fiel, war also eher ein Problem der Einstellung als der Aufstellung, wenn man so will. Oder dann doch des in dieser Phase schnellen Umschaltens der Roten, obgleich der Ball sieben Hannoveraner berührte, bevor er im Tor landete: Pogatetz, Ron-Robert Zieler, Christian Pander, Konstantin Rausch, Pinto, Stindl und Abdellaoue.

In der Pause stellte Hecking um und brachte Pekhart für Almog Cohen. Das klappte nun deutlich besser, weil es gegen etwas tiefer stehende Hannoveraner nun eine echte Anspielstation gab, wie etwa in der 55. Minute, als Feulners Flanke Pekhart fand, der mit seinem Flugkopfball aus sechs Metern an Zieler scheiterte - die bis dahin beste Gelegenheit der Gäste.

Hannover ließ in der vermeintlich einfacher zu handhabenden Spielsituation nun viel mehr zu als vor der Pause und konnte von Glück (oder eher: von Nürnberger Hast) sagen, dass nicht noch der Ausgleich fiel. Selbst die späte Einwechslung von Albert Bunjaku verhalf den Gästen aber nicht mehr zum Torerfolg, so dass Hannover 96 erstmals seit mehr als drei Monaten wieder ein Bundesligaspiel gewann - und erstmals überhaupt in dieser Saison gegen einen Kontrahenten, der weniger Ballbesitz hatte als die Roten selbst.

Wie sehr der Club sich selbst im Weg stand, demonstrierten kurz vor Schluss aber noch mal Hegeler und Daniel Didavi. Nach einem von Hlousek getretenen Freistoß von rechts kam Hegeler an der Fünfmeterraumgrenze zum Abschluss, traf aber den hinter ihm ebenfalls in den Ball gestarteten Didavi, von dessen Knie der Ball ins Toraus sprang. 

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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