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1. FC Köln: Latour gefeuert, kommt Daum?

Der 1. FC Köln hat aus der Talfahrt der letzten Wochen die Konsequenzen gezogen und Trainer Hanspeter Latour entlassen. Bei der Nachfolge bahnt sich ein Überraschungscoup an: Der Vorstand führt Gespräche mit Christoph Daum.

Der 1. FC Köln hat die Notbremse gezogen und Chefcoach Hanspeter Latour entlassen. "Wir müssen uns den Realitäten stellen und die Sache im Auge behalten. Und die Sache ist der FC und der Wiederaufstieg in die Bundesliga", erklärte Kölns Manager Michael Meier am Donnerstag. Bei der Suche nach einem Nachfolger für den Schweizer bahnt sich ein Überraschungscoup an. Stunden vor der Verkündigung der Trennung hatte Meier ein Gespräch mit Christoph Daum geführt, der nach einer Halsoperation noch in einem Krankenhaus behandelt wird. Daum war bereits von 1986 bis 1990 Trainer in Köln, hat aber nach der Entlassung bei Bayer.04 Leverkusen im Oktober 2000 wegen einer Kokain-Affäre nicht mehr in der Bundesliga gearbeitet.

Suche nach Interimslösung

"Ich habe ihm dargestellt, welche Möglichkeiten wir haben und ihm eine Bedenkzeit gegeben", berichtete Meier von seinem Besuch bei Daum. Der 53-jährige Coach habe auf Grund der Operation aber kaum sprechen können. Für die Partie am Sonntag beim SC Freiburg suchen die "Geißböcke" nun noch nach einer Interimslösung und zugleich nach weiteren Alternativen, falls Daum absagen sollte. Denkbar wäre, dass Chefscout Stephan Engels, der in der Saison 1995/96 für kurze Zeit das Training übernommen hatte, und Vizepräsident Jürgen Glowacz auf der Bank sitzen.

Den Ausschlag für die Trennung von Latour, der am 3. Januar von Grasshoppers Zürich für Uwe Rapolder gekommen war, gaben die letzten Niederlagen beim TuS Koblenz (1:3) und am Mittwoch gegen Erzgebirge Aue (0:1). "Die Ergebnisse haben uns rechts überholt", sagte Meier zur Entscheidung, die am Ende einer Nacht- und Krisensitzung nach dem Aue-Spiel um zwei Uhr einstimmig gefällt wurde.

"Das schmerzt sehr. Denn ich bin überzeugt, dass wir das Schiff noch auf Kurs und die Kurve nach oben bekommen hätten", sagte Latour. Nach sechs Pflichtpartien ohne Sieg, nur vier Erfolgen aus elf Spielen und das Abrutschen auf Tabellenrang acht akzeptierte er aber auch die Gesetze des Geschäfts. "Nach den letzten Auftritten habe ich auch Verständnis für die Entlassung durch den Vorstand und dem FC nichts vorzuwerfen", sagte der 59 Jahre alte Eidgenosse.

In der laufenden Zweitliga-Saison ist es der vierte Trainerwechsel. Zuvor mussten bereits Jos Luhukay (SC Paderborn), Michael Krüger (Eintracht Braunschweig) und Uwe Neuhaus (Rot-Weiß Essen) vorzeitig gehen.

Sechs Trainer in vier Jahren bei Köln

Latour war im Januar vom Schweizer Erstligisten Grasshoppers Zürich überraschend nach Köln geholt worden, um den Traditionsverein wieder auf Erfolgskurs zu steuern, konnte den vierten Abstieg in Liga zwei aber nicht verhindern. Nach Marcel Koller (2003/04) ist er der zweite Schweizer gewesen, der am Rhein tätig war. Insgesamt kamen und gingen beim 1. FC Köln in den vergangenen vier Jahren sechs Trainer.

Entschuldigungen nach dem Aue-Spiel wollte Meier nicht gelten lassen. "Die Leistung war unerklärlich", kritisierte er. Aufgebracht und wütend waren die Fans. "Ihr macht den Verein kaputt", sang ein Teil der 34.000 Zuschauer im RheinEnergieStadion erbost.

Thomas Herbst/DPA / DPA

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