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1:1 gegen Schalke: Bayern erst brillant, dann ausgelaugt und ideenlos

Ein umstrittenes Gegentor bringt die Bayern um den Sieg gegen Schalke. Doch die Entscheidung war nicht Schuld am Punktverlust. Die Bayern sind noch nicht in Form - trotz der Millionen-Transfers.

Von Tim Schulze

Aufregendes Debüt: Xabi Alonso (l.) zeigt gegen Schalke sofort seine Qualitäten

Aufregendes Debüt: Xabi Alonso (l.) zeigt gegen Schalke sofort seine Qualitäten

Auch wenn man kein Bayern-Anhänger ist, muss man zugeben: Der FC Bayern ist immer wieder ein zuverlässiger Lieferant spannender Geschichten. Erst am Donnerstag trudelte Real-Star Xabi Alonso in München zum Medizincheck ein, Freitag wurde die Verpflichtung offiziell bekanntgegeben (für 8 Millionen Euro) und am Samstagabend führte der Spanier schon Regie im Mittelfeld der Bayern. So betreibt man eine umsichtige Last-Minute-Kaderplanung, wenn das Festgeldkonto prall gefüllt ist.

Es war allerdings eine kleine Überraschung, dass Bayern-Trainer Pep Guardiola den 32-Jährigen sofort in die Startelf gegen Schalke berief, auch wenn die Personalnot groß ist. Bastian Schweinsteiger, Thiago und Javier Martínez fehlen noch längere Zeit. Also warf Guardiola seinen neuen Star ins kalte Wasser und machte damit viel richtig. Der Spanier erwies sich als ein Profi, der ohne große Eingewöhnungszeit sofort seinen Mann auf der Sechserposition steht. Alonso spielte gut, in der ersten Halbzeit phasenweise sogar herausragend, und das die Bayern am Ende eine 1:0-Führung gegen Schalke aus der Hand gaben, war nicht ihm anzulasten.

Die Gründe sind vielfältig. Zu den bereits genannten Ausfällen gesellten sich außerdem Arjen Robben, Franck Ribery und Medhi Benatia (noch so eine aus dem Hut gezauberte Neuverpflichtung) mit leichten Blessuren, und so stand eine Bayern-Elf in der Arena auf Schalke auf dem Platz, die in dieser Form wohl nicht allzu oft auflaufen wird. Hinzu kommt eine neue taktische Ausrichtung, die je nach Spielsituation mit einer Dreier- oder Viererkette in der Abwehr agiert – das muss man zusammen mit den Ausfällen auch als Bayern-Spieler erstmal verarbeiten. Alles braucht seine Zeit. Von der WM, die den Nationalspielern noch in den Knochen steckt, müssen wir nicht mehr reden.

Trotz der Probleme hatten die Bayern das Spiel gegen Schalke im Griff. In den ersten 20 Minuten wirkten die Schalker nur wie Sparringspartner – so geölt lief die Bayern-Maschine. Robert Lewandowski erzielte nach zehn Minuten den Führungstreffer. Doch Schalke kämpfte sich zurück ins Spiel. Als Benedikt Höwedes in der zweiten Halbzeit zum Ausgleich mit dem Ellenbogen traf, waren die Bayern stocksauer auf Schiedsrichter Marco Fritz. Allerdings hatten sie zu diesem Zeitpunkt längst die Dominanz verloren. Sie agierten ideenlos und ausgelaugt. Alonso wurde mit Wadenkrämpfen in der 68. Minute ausgewechselt. Schalke war mit viel Herz ebenbürtig. So gesehen geht das Unentschieden in Ordnung.

Wir dürfen gespannt sein, wie der Rekordmeister die nächsten Wochen bewältigt. Alle, die nichts sehnlicher als ein Ende der Bayern-Dominanz in der Liga herbeisehnen, werden vielleicht kleine Glücksmomente erleben so wie die Schalker Fans am Samstagabend. Doch am Ende werden die Münchner wieder ganz oben stehen. Die Blaupause dafür lieferten die ersten 20 Minuten gegen die Königsblauen. Und das ist dann nicht mehr spannend.

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