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Transfers von Xabi Alonso und Benatia: Pep übernimmt die Macht beim FC Bayern

Der bevorstehende Transfer von Xabi Alonso zum FC Bayern verdeutlicht einmal mehr: Trainer Pep Guardiola hat in München das Sagen. Der Club hat sich abgewandt von seiner jahrelangen Transferpolitik.

Von Nils Kemter

Trainer Pep Guardiola bastelt seit seinem Amtsantritt im Sommer 2013 in München an seinem Kader - und hat damit die Transferpolitik des FC Bayern verändert

Trainer Pep Guardiola bastelt seit seinem Amtsantritt im Sommer 2013 in München an seinem Kader - und hat damit die Transferpolitik des FC Bayern verändert

Was heißt eigentlich "Mia san mia" auf Spanisch? Man würde dieser Tage zu gerne einmal an der Säbener Straße nachfragen. Trainer Pep Guardiola, Javi Martinez, Thiago, Pepe Reina, Juan Bernat - und nun auch noch Xabi Alonso. Mit der bevorstehenden Verpflichtung des Welt- und Europameisters von Real Madrid wächst die spanischsprachige Fraktion beim FC Bayern München weiter an. Nur einen Tag nach dem Transfer des marokkanischen Verteidigers Mehdi Benatia für 26 Millionen Euro öffnet der deutsche Rekordmeister erneut das Festgeldkonto und will sich mit einem weiteren großen Namen schmücken. Alonso in München - es ist ein echter Coup.

Pep hat das Sagen

Doch verwundert blickt die Bundesliga-Konkurrenz dieser Tage gen München. Fünf Monate nach der Verurteilung von Ex-Manager und Ex-Präsident Uli Hoeneß scheint der FC Bayern wahllos Topstars aus ganz Europa zu verpflichten, während mit Toni Kroos ein deutscher Weltmeister an Real Madrid verkauft wurde. Sportlich mag der Transfer des erfahrenen Alonso nach den Verletzungen von Bastian Schweinsteiger, Thiago und Martinez Sinn ergeben, kann er doch das defensive Mittelfeld ohne große Anlaufzeit führen. Doch die jüngsten Verpflichtungen lassen erahnen: Der FC Bayern unterwirft sich den Vorstellungen seines Starcoachs Guardiola.

Weder Sportdirektor Matthias Sammer, der öffentlich lautstark bajuwarische Kampfansagen verbreitet, noch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der jüngst öffentlich über Vertragsdetails von Dortmund-Star Marco Reus spekulierte, scheinen in der aktuellen Transferpolitik das Sagen zu haben. Längst regiert allein König Pep an der Säbener Straße. Für die Bayern bedeutet dies nicht weniger als die Abkehr eines unter Hoeneß jahrelang entwickelten Prinzips.

Die Abkehr von der alten Philosophie

Respekt und Anerkennung in Europa, ja der ganzen Welt, erwarben sich die Münchner mit dem Image eines homogenen und familiär geführten Clubs. In der jüngeren Vergangenheit verpflichtete man vor allem Profis, die sowohl sportliches Potenzial mitbrachten, aber auch zur Vereinsphilosophie passten. Manuel Neuer, Toni Kroos oder Jerome Boateng sollten die Werte des FC Bayern leben und somit das Gerüst aus Eigengewächsen wie Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller oder Philipp Lahm ergänzen. Internationale Stars wie Franck Ribery, Arjen Robben oder Javier Martinez machten Bayern zu der Mannschaft, die 2013 die Champions League gewann.

Von jener Philosophie ist im Sommer 2014 wenig übrig geblieben. Bernat, Benatia oder auch Alonso dürften wohl vor allem wegen Trainer Guardiola nach München wechseln, die Verpflichtung von Thiago ("Thiago oder nix") hatte Guardiola gar ultimativ gefordert. Diese Spieler garantieren sportlich höchstes Niveau, haben mit dem "Mia san mia"-Gefühl aber nichts gemein. Nicht mehr für die Strategie des Clubs, sondern allein um des Trainers Willen scheint der FC Bayern Transfers zu tätigen.

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