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FC Bayern und der Benatia-Wechsel: Stoppt den Transferwahnsinn!

Der FC Bayern verpflichtet Mehdi Benatia vom AS Rom und gibt 30 Millionen Euro aus. Mal eben so. Der Transferwahnsinn ist auch in der Bundesliga angekommen. Das ist fatal.

Ein Kommentar von Felix Haas

Mehdi Benatia wechselt für 30 Millionen Euro zum FC Bayern

Mehdi Benatia wechselt für 30 Millionen Euro zum FC Bayern

Der FC Bayern hat sich einen neuen Spieler gegönnt. Mal eben so, weil Javi Martinez mit einem Kreuzbandriss ausfällt. Mehdi Benatia heißt er, kommt vom AS Rom und ist Verteidiger. Manche Zeitungen vermelden den Transfer in der Spalte der Kurzmeldungen. Hallo? Benatia, dieser Mal-eben-so-Transfer, ist der drittteuerste Transfer der Bayern-Vereinsgeschichte. 30 Millionen Euro!

So viel hat damals Mario Gomez gekostet. Selbst Superstar Arjen Robben war sechs Millionen Euro günstiger. Und um beide Transfers gab es große Diskussionen und viele Schlagzeilen. Im Jahr 2014 scheint ein 30-Millionen-Transfer der Bayern Normalität zu sein. Was für ein Wahnsinn.

Der Markt ist kaputt

Okay, ich gebe es zu: Ich bin Fan einer Mittelkasse-Mannschaft der Bundesliga. Natürlich schielt man da auch ein wenig neidisch auf das Festgeldkonto der Münchener. Doch auch wenn mein Team nur 1,5 Millionen Euro für Transfers zu neuen Saison ausgab - mal ehrlich: 30 Millionen Euro liebe Bayern? Nichts gegen Benatia, aber der ist 27 Jahre alt und hat noch nie Champions League gespielt. Und jetzt haut ihr 30 Millionen Euro raus. Ich glaube: Der Markt ist kaputt.

Früher schielte man ungläubig nach Madrid, wo Beckham, Zidane oder Ronaldo für aberwitzige Summen eingekauft wurden. Man dachte: Die verschuldeten Madrilenen wieder. Irgendwann kommt das Financial Fairplay, und dann geht bei denen nix mehr. Heute weiß man: weit gefehlt! Für Real ist es mittlerweile Standard, mehr als 50 Millionen Euro auszugeben. In diesem Sommer legte Club-Boss Florentino Perez 80 Millionen Euro für WM-Superstar James Rodriguez hin.

Real Madrid ist nicht mehr alleine

Das Schlimme ist aber, dass Real im Jahr 2014 nicht mehr alleine ist. Alle großen Top-Clubs stemmen regelmäßig Transfers jenseits der 25-Millionen-Euro-Marke. Für die Scheichs von Paris St. Germain und Manchester City sind das eh Peanuts. Arsenal und Manchester United müssen in der Premier League mithalten, und gehen ebenfalls an die Reserven. Mesut Özil, 50 Millionen Euro. Angel Di Maria, gerade erst von United für 75 Millionen Euro verpflichtet.

Seit einigen Jahren ist der Trend auch in der Bundesliga angekommen. Bayern darf ja nicht zurückfallen im internationalen Wettbewerb. Und Dortmund will sich international in der Spitze etablieren. Investitionen in den Kader sind da von entscheidender Bedeutung - ohne sie droht schnell wieder der Bedeutungsverlust.

Ronaldo-Transfer hat sich rentiert

Ich verstehe sogar, dass es betriebswirtschaftlich sinnvoll sein kann, viel Geld in Spieler zu investieren. Ronaldo hat Real 100 Millionen Euro gekostet. Allein durch die Trikotverkäufe der vergangenen Jahre ist das Geld aber längst wieder reingekommen. Ronaldos wichtige Tore in allen Wettbewerben und die damit verbunden höheren Ausschüttung von Prämien und TV-Geldern sind da noch nicht mit eingerechnet.

Keiner will das Trikot von Fernandinho

Trotzdem habe ich ein ungutes Gefühl. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Manchester City so viele Trikots von - sagen wir mal Fernandinho - verkauft, dass die Ablöse von 35 Millionen Euro im Jahr 2013 wieder reingekommen ist. Wie man bei der WM sehen konnte, ist der Typ kein schlechter Fußballer. Aber eben auch nicht annähernd ein Weltklasse-Kicker. Und trotzdem hat er viel Geld gekostet.

Das Resultat der übertriebenen und unverhältnismäßigen Ablösesummen ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. In der englischen Premier League gibt es sie schon seit Jahren, nur dass dort die obere Klasse aus sechs bis sieben Teams besteht. In Spanien dominieren zwei bis drei Teams an der Spitze.

Fatale Symbolik

In Deutschland gibt es die Diskepranz zwischen Top-Clubs und dem Mittelfeld der Liga erst seit wenigen Jahren. Bis vor vier, fünf Jahren waren die Bayern zwar auch Serienchampion, doch sie konnten von jedem geschlagen werden. Jetzt wird es zunehmend langweilig an der Bundesliga-Spitze.

Und nun der Benatia-Transfer. Er passt in die Zeit, denn er vermittelt eine fatale Symbolik: Wir Bayern kaufen einen - bestimmt auch ganz guten - Neuen, weil wir eben noch einen Spieler brauchen. Und wir geben 30 Millionen Euro aus. Ob er es wert ist? Ist uns egal. Wir können 30 Millionen locker ausgeben. Und ihr nicht.

Was für ein Wahnsinn.

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