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Champions-League-Viertelfinale Raus mit Rot - der unrühmliche Abgang des Gianluigi Buffon

Gianluigi Buffon Rot Karte Real Madrid
War's das? Gianluigi Buffon nach seiner Roten Karte im Viertelfinale gegen Real Madrid
© DPA
Gianluigi Buffon ist 40 Jahre alt und wird wohl nicht mehr lange auf dem Platz stehen. Umso bitterer, wie der Italiener seine internationale Karriere beendet: mit einer Roten Karte in der 97. Minute - und einem vermasselten Fußballwunder.

Auf dem Titelbild seines Twitterprofils wirkt Gianluigi Buffon leicht verzweifelt, so wie er da sein Gesicht an den Ball schmiegt - wobei das Bild wohl eher Leidenschaft ausdrücken soll. Aber als Italiener und Fußballprofi weiß er natürlich, wie nah beieinander Leidenschaft und Verzweiflung manchmal liegen. Eine Binsenweisheit, die den daraus resultierenden Schmerz aber keinen Deut lindert, wie die Torhüterlegende nun wieder erleben musste.

Elfmeter und Gianluigi Buffon sieht Rot

Schon 97 Minuten waren am Mittwochabend in Madrid gespielt, da hatten Buffons Mannschaftskollegen aus Turin das unglaubliche noch geschafft und den 3:0-Rückstand gegen Real aus dem Hinspiel egalisiert - eigentlich war also alles für eine Verlängerung vorbereitet, als Juves Medhi Benatia ungeschickt Lucas Vazquez umnietete. Schiedsrichter Michael Oliver zeigte zu Recht auf den Punkt - was Buffon in die erwähnte leidenschaftliche Verzweiflung trieb. Verständlich, angesichts des zum Greifen nahen Fußball-Wunders.

Es wäre ja nicht nur das erste Mal gewesen, dass in der Champions League ein Team trotz einer 0:3-Niederlage im Heimspiel noch eine echte Chance aufs Weiterkommen gehabt hätte, nein, für Buffon kann jedes Champions-League-Spiel zudem das Letzte sein. Und das ist es nun wohl auch gewesen. Nachdem Michael Oliver auf Elfmeter entschieden hatte, ging Buffon, voller Adrenalin, auf den Schiri los und sprach Sätze, die Oliver offenbar nicht als schmeichelhaft empfunden hat. Resultat: Rot für den Italiener - und ein unrühmliches Ende in der Königsklasse, die nun der einzige Profi-Wettbewerb bleibt, den der vielfache Welttorhüter nicht gewinnen konnte.

Was genau hatte Buffon dem Schiri gesagt?

Was genau Buffon dem englischen Referee sagte, ist nur zum Teil überliefert, aber es kamen darin wohl die Worte "Tier", "Killer", "Müll" und "herzlos" vor. Buffon, der Routinier, der fast alles gewonnen hat, was man als Fußballer gewinnen kann, ist nicht der einzige gestandene Profi, dem so ein Missgeschick passiert. Ein unnötiges dazu, denn Benatias Einsteigen gegen Lucas Vazquez war ein klares Foul.

Kenner fühlten sich spontan an Stürmer-Legende Zinedine Zidane erinnert. Dessen letztes Spiel endete ebenfalls mit einer Roten Karte, 2006 im WM-Finale Frankreich gegen Italien. Da gerieten Marco Materazzi und Zizou derart aneinander, dass der Franzose dem Italiener seinen Kopf in den Bauch rammte. Schmachvoller Abgang einer Legende. Zidane, jetzt Trainer von Real, stand am Mittwochabend übrigens an der Seitenlinie.

Das traurige Aus des italienischen Torwarts ließ auch den siegreichen Gegner nicht kalt. Nach dem Spiel stand Buffon vor den Kameras, als Cristiano Ronaldo, Madrids einziger Torschütze an diesem Abend, vorbeilief und den Rotsünder noch einmal kräftig herzte und küsste. Sicher ist sicher. Denn ob die beiden sich jemals als Spieler wieder auf oder neben dem Platz begegnen werden – eher unwahrscheinlich. Bei der anstehenden Fußball-Weltmeisterschaft sicher nicht, denn Italien ist nicht dabei. Und ob der 40-Jährige mit Juventus in die nächste Saison geht, ist noch nicht entschieden.

Oliver Kahn ohne Mitleid

Im ZDF philosophierten derweil die beiden Oliver-Moderatoren Welke und Kahn über Buffons Abgang: Ob der vielleicht den richtigen Zeitpunkt für sein Karriereende verpasst habe, wollte Welke wissen. Kahn, früher selbst Welttorhüter, antwortet mitleidlos: "Er hat doch alles erreicht. Muss er ewig weiterspielen? Jetzt beendet er seine Karriere mit so einem letzten Spiel. Sein Ehrgeiz ist ja verständlich, aber man sollte auch ab und zu mal nachdenken." Die Zeiten als Kahn Leidenschaft und Verzweiflung empfunden hat, scheinen lange vorbei zu sein.

dho

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