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1:1 zwischen Dortmund und Bayern Heißlaufen für das große Finale


Sportlich war das Spiel zwischen Dortmund und Bayern bedeutungslos, psychologisch nicht. Phasenweise kochten die Emotionen auf dem Rasen über. Der Countdown für das große Finale hat begonnen.
Von Tim Schulze

Vor dem Anpfiff hatten alle Beteiligten versucht, die Bedeutung der Partie im Hinblick auf das Champions-League-Finale in drei Wochen im Londoner Wembleystadion herunter zu spielen. Nach dem Spiel war klar: Die Anspannung war auf beiden Seiten bedeutend größer als vorgeben, das große Endspiel warf seine Schatten voraus. Verlieren war für beide Mannschaften verboten trotz der B-Formationen, die Jürgen Klopp und Jupp Heynckes auf das Feld schickten. Ein Beweis: Allein die Bayern kassierten fünf gelbe und einen gelb-roten Karton. Das ist bemerkenswert für ein Team, dass bis dahin mit 31 Karten die wenigsten in der Liga kassiert hatte. Die Bayern wollten dem Liga-Rivalen keinen Erfolg gönnen, die Dortmunder andersherum auch nicht. Die Gastgeber kamen mit einer gelben Karte über die Runden, waren aber nicht weniger verbissen. "Es war eine sehr intensive Partie, in der sich beide Mannschaften nichts geschenkt haben", urteilte Heynckes.

Dabei war das sportliche Niveau der Akteure eher durchschnittlich. Wie erwartet verzichteten beide Trainer auf diverse Leistungsträger. Allerdings fiel die Rotation beim BVB geringer aus als beim Rekordmeister. Im Vergleich zu den Startformationen in den Halbfinalrückspielen der europäischen Königsklasse pausierten fünf Borussen, beim FC Bayern kamen acht andere Profis zum Einsatz. In der ersten Halbzeit dominierten die Gäste das Spiel mit mehr Ballbesitz, Torchancen gab es aber auf beiden Seiten nur wenige.

Rafinha fährt den Ellenbogen aus

Die Führung für den BVB kam denn auch etwas überraschend. Eine mustergültige Flanke von Jakub Blaszczykowski beförderte Großkreutz mit einem Volleyschuss aus zehn Metern ins Netz. Doch die Antwort der Bayern ließ nicht lange auf sich warten. Der von Rafinha freigespielte Gomez nutzte gleich seine erste Möglichkeit. Der platzierte Kopfball des Torjägers ins lange Eck zum 1:1. Erschwerend kam für den BVB hinzu, dass der auf der Spielmacherposition eingesetzte Ilkay Gündogan bereits in der 14. Minute angeschlagen ausgewechselt wurde.

In der zweiten Halbzeit nahm das sportliche Niveau ab. Die Bayern schossen exakt ein Mal auf das Dortmunder Tor ab, doch der Versuch von Anatoli Timoschtschuk aus der Distanz ging weit daneben. Die Bayern setzten alles daran, das Unentschieden mit zehn Mann über die Runden zu bringen – sehr oft mit unfairen Mitteln. In der 65. Minute war die Situation nämlich für einen kurzen Moment außer Kontrolle geraten. Bayern-Verteidiger Rafinha hatte seinen Gegenspieler Jakub Blaszczykowski mit einem Ellenbogencheck brutal gefällt. Die Dortmunder Bank sprang kollektiv wie von der Tarantel gestochen auf und empörte sich über das harte Foul. Auf dem Spielfeld entstand ein gelb-rotes Rudel, die Emotionen kochten in diesem Augenblick über.

Schiedsrichter Peter Gagelmann, der die gesamte Partie sehr souverän leitete, zückte die gelbe Karte für den Delinquenten. Rafinha schimpfte zwar wie ein Rohrspatz und piekste Blaszczykowski sogar noch seinen Zeigerfinger ins Gesicht, doch es nützte nichts. Der brasilianische Verteidiger musste den Platz verlassen, es war seine zweite gelbe Karte.

Verbal-Gefecht zwischen Sammer und Klopp

Anschließend fand die hitzige Diskussion außerhalb des Rasens eine Fortsetzung, als BVB-Coach Jürgen Klopp und Matthias Sammer sich ein heftiges Wortgefecht lieferten. Doch auch hier reagierte Gagelmann stilsicher. Die beiden Streithähne mussten sich anschließend die Hand geben. Immerhin das funktionierte. "Wer gedacht hatte, dass das heute ein Freundschaftsspiel wird, kennt zumindest Borussia Dortmund nicht und den Ehrgeiz der Bayern auch nicht. Dass es heute zur Sache ging, war doch klar", fasste BVB-Boss Hans-Joachim Watzke das Geschehen zusammen.

Dann ging es mit Fußball weiter. Klopp wechselte Marco Reus ein, um die Offensive zu stärken, doch am Stand von 1:1 änderte sich nichts mehr. Bayern-Trainer Jupp Heynckes reagierte ebenfalls, nahm Mario Gomez raus und stärkte mit Emre Can die Defensive. Es galt, dass Unentschieden, über die Runden zu bringen. In der Folge verteidigten die Bayern engagiert. Das ging gut, auch weil die Dortmunder Angriffe weitgehend fruchtlos blieben. Da schmerzte es die Gastgeber besonders, dass Robert Lewandowski in der 60. mit einem Elfmeter am glänzend parierenden Manuel Neuer gescheitert war. "Ich glaube, dass er im Champions-League-Finale ein bisschen anders geschossen hätte", sagte Neuer.


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