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100 Tage Daniel Farke: Ein erstes Zwischenzeugnis für den Gladbach-Coach

Daniel Farke
Daniel Farke
© Getty Images
Der neue Fohlen-Coach Daniel Farke liegt mit Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga und im DFB-Pokal absolut auf Kurs

Borussia Mönchengladbach möchte nach einer enttäuschenden Vorsaison, die man auf Rang zehn abschloss, wieder einen Sprung nach vorne machen und um die internationalen Plätze mitspielen. Für Trainer Daniel Farke galt es seit seinem Amtsantritt vor 100 Tagen Team-interne und einige weitere Themen zu klären. Derzeit sieht es danach aus, als würde es bei den Fohlen wieder harmonisch zugehen und die sportlichen Leistungen stabiler werden. Wir stellen dem Gladbach-Coach demnach ein gutes erstes Zwischenzeugnis aus.

Der Transfer-Sommer in Gladbach versprach früh, äußerst turbulent zu werden. Einige rechneten damit, dass nach Matthias Ginter auch andere Stars wie Alassane Pléa, Marcus Thuram, Jonas Hofmann oder Yann Sommer das Weite suchen. Passiert ist jedoch letztlich wenig: Vom erweiterten Stammspieler-Kreis hat lediglich Embolo das Team verlassen. Hingegen konnte man mit Weigl, Itakura und Ngoumou vielversprechende Transfers landen.

Farke hat es früh geschafft, Aufbruchsstimmung herzustellen und vor allem das Klima innerhalb der Mannschaft zu verbessern. Unter anderem gelang es ihm, den zuletzt lustlosen Marcus Thuram mitzuziehen, der es ihm nun mit guten Leistungen zurückzahlt.

Rang acht nach sechs Spielen: Gladbach bislang im Soll

Aktuell belegen die Fohlen mit zwei Siegen, drei Unentschieden und einer Niederlage Rang acht in der Bundesliga, womit man insgesamt im Soll ist. Zudem hat das Team die zweite Runde im DFB-Pokal mit einem 9:1-Sieg erreicht. Ein fußballerisches Feuerwerk konnte das Farke-Team ansonsten noch nicht abfackeln, jedoch in Summe sehr konstante Leistungen zeigen. Der Spielstil der Fohlenelf erinnert wieder deutlich mehr an vergangene Tage: mit viel Ballbesitz sollen die Spiele kontrolliert werden.

Ganz einfach war das Auftakt-Program der Fohlen auch nicht. Immerhin musste man schon gegen Freiburg, Bayern und Hoffenheim ran, die in der Bundesliga an Position 2,3 und 4 liegen. Dabei konnten - wenn zum Teil auch etwas glücklich - fünf Punkte mitgenommen werden. Dafür war in anderen Spielen auch ein wenig Pech dabei. Auf Schalke lag man lange in Führung, ehe Bülter in der Nachspielzeit zum 2:2 traf. Gegen Mainz 05 geriet das Team zudem schon kurz nach dem Seitenwechsel in Unterzahl und verlor konsequenterweise mit 0:1. Die Hertha bezwang man zu Hause eher glanzlos mit 1:0.

Die Abwehr steht: Verletzungsgebeutelte Offensive schwächelt noch

Verbesserungspotenzial gibt es derzeit vor allem in der Offensive. Während die Abwehr ohne den langjährigen Leader Matthias Ginter schon eine gute Figur macht und Sommer überragend hält, sind sieben eigene Tore eher enttäuschend, wenn man bedenkt, dass fünf davon aus den ersten beiden Spielen stammen.

Die Offensive ist aktuell sehr abhängig von Marcus Thuram der in der Liga mit drei Toren und einer Vorlage der Top-Scorer ist, aber gelegentlich auch zu egoistisch agiert. Pléa konnte immerhin noch drei Scorer liefern, während alle anderen Spieler maximal einen Scorer-Punkt vorweisen. Klar ist aber eben auch, dass Gladbach offensiv nicht so viele Optionen hat. Wenn ein Lars Stindl wochenlang fehlt und aktuell Pléa verletzt ausfällt, mangelt es schnell an Breite und individueller Klasse. Jonas Hofmann agierte bislang eher enttäuschend, während Ngoumou noch Zeit braucht und Herrmann und Wolf wohl nicht mehr zu großen Faktoren werden können.

Nachdem sich nun auch noch Florian Neuhaus tragischerweise wohl schwer verletzt hat, hängt alles am Quartett Stindl, Hofmann, Pleá und Thuram. Prinzipiell ergänzen sich die Spieler sehr gut. So sind Stindl und Hofmann spielstark, Pleá und Thuram körperlich robust, Hoffmann und Thuram schnell auf den Beinen sowie alle Akteure mit einem starken Schuss ausgestattet. Gelingt es Farke, dass diese vier Spieler harmonieren, ist mit einer wesentlich bessere Torausbeute zu rechnen. Bislang konnte dies - auch wegen Verletzungen - noch nicht gelingen. Ein Vorwurf ist Farke demnach nicht zu machen, jedoch wird er sich an dieser Aufgabe messen lassen müssen.

Farke hat Gladbach stabilisiert: Kann er die Fohlen auch modifizieren?

Der Coach hat es bislang geschafft, der Mannschaft Stabilität zu verleihen, was eine wichtige Grundlage ist. Dabei spielt sicherlich auch Christoph Kramer eine Rolle, der wieder weitaus mehr Spielezeit bekommt. Auch ein Julian Weigl wird diesbezüglich noch sehr wichtig sein. Mit Koné steht zudem der passende dynamische Nebenmann zur Verfügung. Demnach muss sich Farke trotz der Neuhaus-Verletzung keine akuten Sorgen darüber machen, ein funktionierendes Mittelfeld-Zentrum aufbieten zu können. Dies ist ebenso elementar wie die Mentalität innerhalb der Mannschaft. Da diese beiden Faktoren gegeben ist, darf man in Gladbach sehr optimistisch sein.

Nun gilt es, den nächsten Step zu gehen und auf dem Weg nach vorne freier, kreativer und spielfreudiger zu agieren. Dies kann funktionieren, zumal Farke wichtige Grundlagenarbeit geleistet hat und sich nun auf solche Dinge konzentrieren kann. Es gilt Automatismen und Ideen zu kreieren, wie man offensiv unberechenbarer und gefährlicher werden kann. Wir sind gespannt, wann Farke und Gladbach diesen Schritt gehen können.

Bis jetzt kann man mit er Arbeit des neuen Coaches absolut zufrieden sein. Farke hat in 100 Tagen ein Grundgerüst erschaffen, mit dem man arbeiten kann. Nicht mehr und nicht weniger musste man von diesem erwarten. Die Hoffnung auf eine gute Gladbach-Saison lebt und sollte es Farke gelingen, an den weiteren Stellschrauben erfolgreich zu drehen, ist das internationale Geschäft definitiv möglich. Dies sollte mit dem Team aber auch der Anspruch sein.

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Dieser Artikel wurde ursprünglich auf 90min.com/de als 100 Tage Daniel Farke: Ein erstes Zwischenzeugnis für den Gladbach-Coach veröffentlicht.

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