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2. Bundesliga: Duisburg verliert auch gegen Cottbus

Nach einem giftigen Zweitligaspiel, das von der schweren Verletzung des Cottbusers Markus Brzenska überschattet wurde, bleibt der MSV Duisburg mit null Punkten erfolglos in dieser Saison, während Energie Cottbus sich an die Tabellenspitze setzt.

Nach einem giftigen Zweitligaspiel, das von der schweren Verletzung des Cottbusers Markus Brzenska überschattet wurde, bleibt der MSV Duisburg mit null Punkten erfolglos in dieser Saison, während Energie Cottbus sich an die Tabellenspitze setzt.

Schon nach einer Viertelstunde war der 1:2-Endstand erreicht, nachdem Dimitar Rangelov und Leonardo Bittencourt die Gäste in Führung gebracht und Ex-Energie-Profi Jiayi Shao verkürzt hatte. Eine aggressiv geführte Partie, die von Fouls gespickt war, fand ihren traurigen Höhepunkt in der schweren Verletzung von Brzenska, der sich die Achillessehne riss - in der tragischen Szene allerdings ohne gegnerische Einwirkung.

Nach dem enttäuschenden Saisonauftakt beim 2:3 in Karlsruhe änderte Milan Sasic seine MSV-Elf auf vier Positionen. Für den gesperrten Vasilios Pliatsikas verteidigte Benjamin Kern rechts hinten. Branimir Bajic verdrängte in der Abwehrzentrale Markus Bollmann. Auch Daniel Brosinski und Andre Hoffmann mussten auf die Bank, Valeri Domovchiyski und der Ex-Cottbusser Jiayi Shao kamen ins Team.

Duisburg: Schon vier Saisongegentore in den ersten zehn Minuten

Bei Energie brachte Claus-Dieter Wollitz Daniel Ziebig für Adam Straith, Alexander Ludwig vertrat den verletzten Rok Kronaveter und der aus Bielefeld zurück nach Cottbus gekommene Christian Müller erhielt den Zuschlag auf der rechten Seite an Stelle von Jules Reimerink.

In Karlsruhe hatte der MSV nach sechs Minuten schon zwei Gegentore kassiert. Beim Heimdebüt dauerte es immerhin bis zur zehnten Minute, ehe Florian Fromlowitz zum zweiten Mal den Ball aus dem Netz holen musste. Als Fortschritt wird das aber kein Duisburger verbuchen, am allerwenigsten Benjamin Kern, der bei beiden Gegentreffern nicht den besten Eindruck machte.

Der erste Treffer wurde über rechts eingeleitet, von Daniel Adlung dann in der Mitte mit einem klugen Hackentrick weitergeleitet auf Dimitar Rangelov, und der Bulgare entwischte Kern, ehe er mit einem sehr schönen Außenristheber Fromlowitz überwand.

17 Jahr, schwarzes Haar

Vier Minuten später reklamierte Kern auf Abseits, womit er im Fall von Emil Jula, der in der Mitte gerade zurückkam, auch Recht hatte - nicht aber mit Leonardo Bittencourt, der in Kerns Rücken in einen Steilpass von Adlung gelaufen war und ebenso cool abschloss wie Rangelov, auch wenn er mehr als zehn Jahre jünger als sein Teamkollege ist. Er ist nämlich erst 17 Jahre alt.

Das muntere Scheibenschießen setzte sich in der 16. Minute auf der Gegenseite fort, wo Shao seinen Ex-Teamkollegen Thorsten Kirschbaum zum Anschlusstreffer bezwang. Nach einer unkontrollierten Kopfballabwehr von Daniel Bittroff war Shao der Ball im Rückraum bei der Annahme sogar erst versprungen, und es gingen zwei Gästespieler auf den Chinesen, aber dennoch schaffte er es irgendwie, aus 20 Metern neben den rechten Pfosten zu treffen. Der Ball war für Kirschbaum zwar spät zu sehen, aber wohl nicht unhaltbar.

So hätte es eigentlich weitergehen können, doch unter die bei den Toren ausgeschütteten Endorphine hatten sich wohl auch einige Stresshormone gemischt. Denn fortan wurde vor allem gefoult, geschubst und lamentiert. Selbst der vierte Offizielle hatte alle Hände voll zu tun, um Handgreiflichkeiten vor der Coachingzone zu vermeiden. Mit theatralischen Stürzen und lauten Schmerzensschreien machten die Aktiven es Schiedsrichter Günter Perl nicht einfacher.

Brzenskas Verletzung dämpfte die Stimmung

Als sich dann tatsächlich ein Spieler schwer verletzte, gab es jedoch keine Theatralik. Schnell war klar geworden, dass Markus Brzenska, der im Mittelfeld ohne gegnerische Einwirkung zu Fall gekommen war, sich ernsthaft weh getan hatte. Seine Blessur stellte sich im Nachhinein als Achillessehnenriss heraus, der Ex-Duisburger wurde sofort ins Krankenhaus verbracht, wo er noch am Abend operiert werden sollte. Dass einige Zuschauer ihren Ex-Spieler, der nach minutenlanger Behandlung per Trage vom Platz gebracht wurde, allen Ernstes noch mit Spottgesängen verabschiedeten, wirft ein sehr dunkles Licht auf Teile der MSV-Fanszene.

Immerhin hatte Brzenskas Verletzung zur Folge, dass die vielen giftigen Rangeleien unter dem Schock dieses Vorfalls stark nachließen, und die Mannschaften sich nach der Pause wieder auf die sportlichen Aufgaben besannen. Duisburg berannte die Cottbuser Hälfte, Energie konterte. Tore aber sprangen nicht dabei heraus.

Eine der größten Chancen dazu hatte noch Goran Sukalo, dessen blutbefleckter Kopfverband einen eindrucksvollen visuellen Kommentar zum Spiel abgab. Der Kroate sprang nach einem Freistoß des zur Pause eingewechselten Jürgen Gjasula am langen Winkel haarscharf am Ball vorbei, Kirschbaum wäre ohne Chance gewesen.

Spätes Eigentor gerade noch vereitelt

Bitter kam es für die Gäste fünf Minuten vor dem Ende, als Bajic an der Strafraumgrenze Rangelov von den Beinen holte. Der Bulgare war in hohem Tempo auf dem Weg zum Tor, so dass man die Szene durchaus als Notbremse hätte werten können. Günter Perl aber entschied nicht einmal auf Foulspiel.

Auf der Gegenseite hätte dann fast Daniel Ziebig mit einem Eigentor Duisburg doch noch zum ersten Saisonpunkt verholfen. Eine Brustrückgabe des Außenverteidigers erwischte Kirschbaum auf dem falschen Fuß und war auf dem Weg Richtung Torlinie, bevor der Keeper den Ball mit einem heroischen Hechtsprung noch dem einschussbereiten Bruno Soares vom Stiefel schlug.

So blieb es beim Auswärtssieg des FC Energie, der nun im DFB-Pokal bei Holstein Kiel antreten muss, zuvor aber zumindest für einen Tag Tabellenführer der 2. Bundesliga ist. Duisburg beginnt seine erste Pokalsaison nach dem Finaleinzug gegen Schalke in Babelsberg, steht aber nach null Punkten schon nach zwei Spieltagen unter Druck.

Daniel Raecke

sportal.de / sportal

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