Nein, zum Titel hat es damals nicht ganz gereicht. Gefeiert wurde die deutsche Nationalelf 2006 trotzdem wie ein Weltmeister. Denn die Mannschaft hatte in nur wenigen Wochen bei der Heim-WM eine Euphorie entfacht, für die schnell der Begriff „Sommermärchen“ gefunden wurde.
Gestartet war Deutschland als Außenseiter. Kaum jemand hatte dem unerfahrenen Team eine ernsthafte Chance eingeräumt. Doch der Juni 2006 brachte eine Überraschung: Cheftrainer Jürgen Klinsmann hatte die Spieler auf den Punkt motiviert und ihnen Zuversicht eingeimpft. Sein Assistent Jogi Löw hatte die entsprechende Taktik ausgetüftelt.
Jürgen Klinsmann entfachte das „Sommermärchen“
Das Resultat war erstaunlich: Die bis dato für ihren Rumpelfußball bekannte deutsche Mannschaft kickte sich mit erfrischendem Offensivspiel in die Herzen der Nation. Der 4:2-Erfolg im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica entfachte eine Euphorie, die das Team im weiteren Turnierverlauf zu weiteren Erfolgen gegen Polen, Ecuador und Schweden beflügelte. Im Viertelfinale konnte sogar Favorit Argentinien in einem dramatischen Elfmeterschießen ausgeschaltet werden.
Erst im Halbfinale mussten sich die Klinsmänner dem späteren Weltmeister Italien geschlagen geben – nach Verlängerung. Der bitteren Niederlage zum Trotz wurden die Spieler gefeiert wie Helden. Zu Recht. Das Team um Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm weckte Gefühle, die in Deutschland äußerst selten auftreten: Freude, Leidenschaft, Euphorie.
Das sind die Spieler von 2006
20 Jahre nach dem unvergessenen Turnier sind die Helden dieses Erfolges zusammengetroffen. Auch wenn seither viel Zeit vergangen ist, haben sich die Helden dieses goldenen Sommers gut gehalten: In der hinteren Reihe strahlen Thomas Hitzelsberger, Gerald Asamoah, Abwehrrecke Per Mertesacker, Arne Friedrich und Marcell Jansen (v.l.). In der mittleren Reihe stehen Jens Nowotny, Teammanager Oliver Bierhoff, „Capitano“ Michael Ballack, Co-Trainer Joachim Löw, Torwarttrainer Andreas Köpke und Chefcoach Jürgen Klinsmann. Ganz vorne: Torwart Jens Lehmann, Flügelflitzer David Odonkor, Bernd Schneider, Philipp Lahm und Torwart Timo Hildebrand. Einige der Protagonisten fehlen, darunter die Stürmer Miro Klose, Oliver Neuville und Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger, Torsten Frings, Tim Borowski und Ersatz-Keeper Oliver Kahn.
Der Anlass für das Treffen im fränkischen Herzogenaurach war die dreiteilige ZDF-Doku „Mission Sommermärchen“. Darin schildern die Filmemacher Simone Schillinger und Florian Nöthe die zwei Jahre vor dem Turnier, beginnend mit dem Amtsantritt von Jürgen Klinsmann als Bundestrainer. Am 30. Mai wird die Serie im ZDF ausgestrahlt, ab dem 20. Mai ist sie in der ZDF-Mediathek abrufbar.