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Aktion gegen Schmählieder: US-Fußballfans bekommen Geld für gutes Benehmen

Die Fans des US-Fußballclubs Red Bull New York sind berüchtigt für ihre politisch unkorrekten Gesänge. Nun hat der Verein die Nase voll - und bietet 500 Euro für jedes Spiel ohne Beleidigungen.

Fußballfans gelten nicht gerade als zimperlich - das gilt auch für ihre Gesangskünste. Von den eigenen Vereinsliedern einmal abgesehen, kommt kaum ein Fangesang ohne Schmähungen über Gegner oder Schiedsrichter aus. Auch das deutsche "Arschloch, Wichser, H********" gehört nicht unbedingt zu den jugendfreien Parolen, dafür ist es eines der beliebtesten Lieder in hiesigen Stadien.

In den USA indes ist Fußball zwar längst nicht so beliebt wie in Deutschland, doch den Rang eines Nischensports hat "Soccer" auch dort verlassen - und mit dem Aufstieg in der Popularität verbreitet sich ein Schmählied, das dem besagten deutschen Vorbild verblüffend ähnelt. "You suck asshole" beschimpfen dort die Fans ihre Gegner und bringen so moderate Zuschauer gegen sich auf. Vor allem die Anhänger von Red Bull New York scheinen den Spruch zu mögen, dort jedenfalls schallt "YSA" auffällig oft von den Rängen.

500 Euro Schweigegeld je Spiel ohne Beleidigung

Den Verantwortlichen von Red Bull New York geht das zu weit: Sie wollen die beleidigenden Fangesänge aus dem Stadion verbannen. Laut dem Fußballmagazin "11 Freunde" haben die Clubchefs die drei großen Fangruppen "Empire Supporters Club", "Garden State Ultras" und "Viking Army" zu einem Gespräch eingeladen und ihnen ein unzweideutiges Angebot unterbreitet: 500 Euro für jedes Spiel ohne ein einziges "YSA", überwiesen werde der Betrag jedem Club nach vier schmähfreien Partien. Und "11 Freunde" zufolge belässt es der Club nicht bei einer freundlichen Bitte, sondern droht gleich mit Konsequenzen für den Fall der Missachtung. Sollten sich die Fangruppen nicht an die Regel halten, werde man ihnen den Gebrauch von Fahnen, Trommeln, Bannern und sogar speziellen Parktickets verbieten.

Der Deal, den deutsche Fans wahrscheinlich als pure Erpressung und dreisten Eingriff in die Fußballkultur bezeichnen würden, stößt laut dem Fußballmagazin bislang keinesfalls auf Widerstand - im Gegenteil. Mit dem "Empire Supporters Club" habe bereits die erste der drei Fangruppen die Regelung begrüßt: "Wir können das Geld gut gebrauchen. Zum Beispiel für neue Megaphon-Batterien oder Reisekosten auf Auswärtsfahrten".

Eine andere Wahl hatten sie allerdings auch nicht.

AS

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