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Allianz Arena: Ungleiche Herren im gleichen Haus

Mittwochs Champions League und sonntags Zweitliga-Fußball: Der FC Bayern und der TSV 1860 München beziehen ihr neues Wohnzimmer. Mit der Eröffnung der gemeinsam erbauten Allianz Arena verbinden beide Vereine große Hoffnungen.

"Wir wollten das modernste Stadion der Welt. Mit diesem Stadion ergeben sich für uns neue Möglichkeiten. Es ist schon jetzt eine Top-Adresse in ganz Europa", sagte Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.

Während der FC Bayern in der Weltmeisterschafts-Arena im Münchner Norden auf neue internationale Meriten hofft und einen Angriff in der Champions League plant, geht es für den TSV 1860 in der neuen Heimat zunächst um die Rückkehr ins nationale Fußball-Oberhaus. "Wir werden den Bundesliga-Aufstieg in der Allianz Arena im nächsten Jahr schaffen", versprach "Löwen"-Trainer Reiner Maurer.

Mehr Last als Lust?

Mit den drei Eröffnungsspielen zwischen 1860 München und dem 1. FC Nürnberg (30. Mai), dem FC Bayern und der Nationalmannschaft (31. Mai) sowie dem ersten Münchner Derby (2. Juni) in der Allianz Arena beginnt für beide Clubs die Zeit der Eingewöhnung im neuen "Wohnzimmer". Bei aller Euphorie über das 66.000 Zuschauer fassende Stadion schwingt im roten wie im blauen Lager jedoch stets ein wenig Sorge mit, dass das Mammutbauwerk mit seinen sieben Stockwerken wegen der hohen Erwartungen kurzfristig mehr Last als Lust bringen wird.

"Wir müssen schnell heimisch werden", sagte Maurer. Negativserien der Konkurrenz vom FC Schalke 04, Hamburger SV oder VfL Wolfsburg beim Umzug in deren neue Stadien lassen auch Rummenigge mahnen. "Die Gefahr besteht. Aber wir werden alles dran setzen, dass wir gleich erfolgreich durchstarten", sagte er.

Angesichts von nur 7,50 Metern Abstand zu den Fans ist sich Oliver Kahn bewusst: "Das wird einen neuen Druck auf die Spieler ausüben. Vielleicht wirkt sich das dann auch auf unser Spiel aus", sagte der Bayern-Kapitän, der im alten Olympiastadion noch mehr als 40 Meter von den Anhängern entfernt im Tor stand. Noch vor dem Startschuss in die nächste Bundesliga-Saison (5. August) steht für die Bayern mit dem Ligapokal-Halbfinale (26. Juli) auch das erste Pflichtspiel in der Arena als Härtetest an.

Schuldenfrei bis 2027

So optimistisch beide Vereine die sportliche Zukunft im neuen Zuhause sehen, so zuversichtlich geben sie sich auch bei der Frage nach der Bewältigung der finanziellen Belastungen. "Das Konzept steht", sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß. Spätestens im Jahr 2027 soll das Stadion schuldenfrei sein. "Wir müssen pro Jahr etwa 30 Millionen Euro für Zins und Tilgung erwirtschaften", so Hoeneß.

40 Spiele mit durchschnittlich 40.000 Zuschauern sind hierfür kalkuliert. Die Bayern rechnen mit 60.000, die "Löwen" mit mindestens 20.000 Besuchern pro Partie. Tief in die Tasche griff zudem die Allianz AG für die Namensrechte an dem wegen seiner Plastikfassade "Schlauchboot" genannten Fußball-Oval. Wichtigste Einnahmequelle sind die 106 Logen zum Mindestpreis von 90.000 Euro pro Saison, die schon jetzt alle verkauft sind.

"Ihr seid hier niemals zu Hause"

Die von der ersten Planungsphase durchgehaltene Kooperation der Lokalrivalen konnte nicht einmal vom Schmiergeldskandal um Stadion- und 1860-Geschäftsführer Karl-Heinz Wildmoser junior im März 2004 ernstlich erschüttert werden. Die Bayern übernahmen mit dem neuen Geschäftsführer Bernd Rauch das Kommando, waren aber wegen der finanziellen Belastung weiterhin auf eine Zusammenarbeit angewiesen. Nur bei den Fans stößt das Miteinander weiterhin auf Abneigung. "Ihr seid hier niemals zu Hause", sangen die Bayern-Anhänger kürzlich bei der Generalprobe im Spiel zwischen den Traditionsmannschaften beider Clubs in Richtung 1860-Fans.

Arne Richter/DPA / DPA

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