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Thesen zum nahenden Vidal-Wechsel Die Bayern verraten ihre Vereins-Kultur


Arturo Vidal steht kurz vor einem Wechsel zum FC Bayern. Der Transfer würde viel aussagen über die neue Kultur beim FC Bayern. Mit Verhältnismäßigkeit auf dem Transfermarkt hat sie längst nichts mehr zu tun.
Fünf Gedanken zum nahenden Wechsel

Arturo Vidal ist vieles. Ein Treter, ein Schlitzohr, hin und wieder ein undisziplinierter Rüpel, ein Frisuren-Prolet. Eines ist Vidal aber vor allem: ein wahnsinnig guter Fußballer. Von daher scheint es zunächst einmal logisch, dass sich der FC Bayern München ein zweites Mal um den Chilenen bemüht. 2011 hatten die Münchner offenbar schon eine mündliche Vereinbarung mit Vidal über einen Wechsel von Bayer Leverkusen. Doch Vidal ging nach Turin, und die Bayern-Bosse waren stinksauer. Karl-Heinz Rummenigge polterte: "Einen wie Vidal möchte ich nicht bei Bayern haben." Nun kommt es wohl doch zu dem Transfer. Nur noch Kleinigkeiten müssen erledigt werden, heißt es. Deshalb hier einige Gedanken zum wahrscheinlichen Wechsel.

1. Eine Ohrfeige für Schweinsteiger

Clublegende Bastian Schweinsteiger ist keine Woche weg, da kommt wohl für die gleiche Position ein neuer Spieler. Arturo Vidal ist zwar mehr als zweieinhalb Jahre jünger als Schweinsteiger. Doch er soll dem Vernehmen nach einen Fünfjahresvertrag bekommen. Für Bastian Schweinsteiger wäre das ein Schlag ins Gesicht. Schließlich ist Schweinsteiger 30 Jahre alt. Doch man hat ihm in den vergangenen Monaten nie vermittelt, noch unbedingt auf ihn zu setzen bis er 33 Jahre alt ist. Vidal bekommt dieses Signal nun durch einen fetten Vertrag.

2. Schlecht für Kimmich und Co.

Der FC Bayern hat U-21-Spieler Joshua Kimmich für 8,5 Millionen Euro verpflichtet. Auch er ist defensiver Mittelfeldspieler. Nun setzt man ihm wieder einen gestandenen Profi vor die Nase. Wozu dann der Transfer? Dazu noch für diese Summe? Kimmich dürfte nur geringe Einsatzzeiten bekommen. Schließlich stehen im Mittelfeld mit Sebastian Rode und Pierre-Emil Höjbjerg zwei weitere Jungspunde vor ihm, die längst angedeutet haben, wertvoll sein zu können. Nach einem Vidal-Transfer hätten es allerdings all diese hoffnungsvollen Spieler im Bayern-Kader schwer.

3. Erneutes Überangebot an Mittelfeld-Stars

Thiago, Xabi Alonso, Philipp Lahm - diese drei Stars sind im Mittelfeld gesetzt. Dazu stehen in Bayerns Zentrum je nach Formation noch David Alaba, Javi Martinez, Juan Bernat, Mario Götze, Pierre-Emil Höjbejerg, Joshua Kimmich, Sebastian Rode und Nachwuchsakteur Gianluca Gaudino zur Verfügung. Sollten alle einmal gleichzeitig fit sein, wird es Ärger und Problemfälle geben.

4. Bayern verraten Club-Kultur

Der FC Bayern hat sich stets gerühmt, ein Verein zu sein, der für die Spieler mehr ist als nur ein Club - eher ein Zuhause. Er hat sich um Brandstifter wie Breno oder die Familie von Franck Ribéry gekümmert. Uli Hoeneß war dabei immer das emotionale Zentrum. Seit Hoeneß weg ist, driftet der Club merklich in eine andere Richtung. Tradition scheint nicht mehr so viel zu zählen. Der FC Bayern ist noch mehr als zuvor auf maximalen Erfolg gepolt.

Klar, auch beim FC Bayern können Club-Legenden wie Müller-Wohlfahrt oder Bastian Schweinsteiger mal den Verein verlassen. Wechsel und Veränderungen passieren, müssen in Proficlubs sogar (jedes Jahr) sein. Es geht allerdings um das Wie. Eskalation und unwürdige Verabschiedungen häufen sich. Auf dem Transfermarkt das gleiche Bild: Der FC Bayern hat sich stets gerühmt, keine unverantwortlichen Transfers zu tätigen. Mittlerweile investieren die Münchner regelmäßig zwischen 30 und 40 Millionen Euro für einen einzelnen Spieler. Vidal mag das sogar wert sein. Doch, wie oben beschrieben: Wenn man bereits einen Alonso, Martinez, Thiago, Lahm und Alaba für die ähnliche Position im Mittelfeld im Kader hat, dann wird es irgendwann unverhältnismäßig. Erst recht, wenn man gerade einen Schweinsteiger durch zu wenig Wertschätzung vergrault hat. 

5. Vidals Wortbruch

Was wollen die Bayern mit einem Spieler, den sie schon einmal verflucht haben? Und das auch noch als Ersatz für eine Clublegende? Es war ja so: Als der FC Bayern Arturo Vidal 2011 verpflichten wollte, soll Vidal bereits seine mündliche Zusage gegeben haben. Am Ende wechselte Vidal nach Turin. Beim FC Bayern stieß das übel auf. Es hieß, Vidal habe sein Wort gebrochen. Einen solchen Spieler wolle man ohnehin nicht im Kader haben. Mittlerweile ist klar, wie die Situation zu Stande kam. Bayerns-Chefscout Michael Reschke klärte unlängst auf: Er war damals noch bei Bayer Leverkusen beschäftigt und Bayer wollte partout nicht, dass Vidal zu den Bayern wechselt. So hat Vidal den Münchnern zwar zugesagt, Leverkusen den Wechsel allerdings verhindert. Fazit: An dieser Stelle kann man Vidal nur bedingt einen Wortbruch vorwerfen. Die Bayern dürften ihre drastischen Worte über Vidal mittlerweile bereuen. Man täte im Umkehrschluss allerdings auch den Münchnern unrecht, wenn man die Worte von damals zu hoch hängen würde.


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