HOME

Champions League: Leverkusen verliert in 90 Sekunden, Bayern feiern Schützenfest

Bis zur 80. Minute lag Bayer Leverkusen im Camp Nou in Führung. Doch dann reichten den eigentlich schwachen FC Barcelona weniger als zwei Minuten für zwei Tore. Der FC Bayern siegte gegen Dinamo Zagreb standesgemäß.

Javier Hernández von Bayer Leverkusen wirft enttäuscht den Kopf in den Nacken

Bayer Leverkusens Javier Hernández ärgert sich über eine vergebene Chance. Doch es sollte noch schlimmer kommen

Bayer Leverkusen hat innerhalb von zwei Minuten die eine mögliche Sensation beim großen FC Barcelona leichtfertig verspielt. Die Werkself kassierte nach späten Toren von Sergi Roberto (80.) und Luis Suarez (82.) eine unglückliche 1:2 (1:0)-Niederlage beim lange Zeit desorientierten Titelverteidiger und verpasste damit die Revanche für die historische Schmach von 2012. Damit bleibt in der Champions-League-Gruppe E weiter alles offen. Die Leverkusener, die an gleicher Stelle im Achtelfinale mit 1:7 sang- und klanglos untergangen waren, weisen drei Punkte auf. Barcelona steht bei vier Zählern.

"Wir waren nah dran, für eine kleine Sensation zu sorgen. Wir sind es zum Teil selbst Schuld. Die Konter hätten wir seriöser durchspielen müssen. Barcelona hat eine enorme Qualität, alles lässt sich nicht vermeiden. Es ist bitter, in so kurzer Zeit zwei Tore zu kassieren", sagte Bayer-Kapitän Lars Bender und Weltmeister Christoph Kramer ergänzte: "Heute hätten wir Barcelona schlagen müssen. Es ist bitter, dass wir jetzt mit leeren Händen dastehen."

Duell auf Augenhöhe

Trotz der Niederlage war es diesmal aber ein Duell auf Augenhöhe. Das lag einerseits an der couragierten Vorstellung der Mannschaft von Roger Schmidt, die immer wieder gefährliche Konter setzte. Beim Führungstor durch Kyriakos Papadopoulos (22.) half Barca aber auch kräftig mit. Nach einer Ecke von Hakan Calhanoglu gingen Jérémy Mathieu und Luis Suárez nicht zum Kopfball, der frühere Gladbacher Keeper Marc-André ter Stegen blieb wie angewurzelt auf der Linie, sodass der Grieche problemlos einköpfen konnte. Lang lag sogar die erste Heimniederlage des spanischen Meisters in der Königsklasse seit dem 1. Mai 2013 beim 0:3 gegen den FC Bayern in der Luft. Doch die Schlussoffensive der Gastgeber zerstörte alle Leverkusener Hoffnungen. Bayer ist nun am 20. Oktober im Heimspiel gegen den italienischen Vizemeister AS Rom gefordert, soll das Achtelfinale nicht aus den Augen verloren gehen.

Die Katalanen waren vor 65.000 Zuschauern indes ohne ihren verletzten Genius Messi (Innenbandriss im Knie) nicht wiederzuerkennen. "Es ist ein kleiner Vorteil, wenn der beste Spieler der Welt nicht dabei ist. Gott sei Dank bleiben wir heute von ihm verschont", hatte Bayer-Sportchef Rudi Völler schon vor dem Spiel gesagt. Bei der höchsten Europacup-Pleite der Clubgeschichte im März 2012 hatte Messi einst mit fünf Toren Bayer gedemütigt.

Mutig nach vorne

Hatten sich die Leverkusener damals ängstlich ihrem Schicksal ergeben, spielten sie diesmal von Beginn an mutig nach vorne. Schon nach 67 Sekunden hatte der mexikanische Neuzugang Javier "Chicharito" Hernandez die erste Chance, aber ter Stegen war zur Stelle. Die Gastgeber, die sich ungewöhnliche viele Ballverluste leisteten, kamen nur schwer ins Spiel. Ein Kopfball von Ivan Rakitic (6.) und ein Schuss von Sandro (10.) wurden von Bayer-Keeper Bernd Leno entschärft.

Danach kam Leverkusen immer besser ins Spiel. Kevin Kampl hatte noch vor dem Tor von Papadopoulos zwei gute Chancen (19.), dazu zwang Karim Bellarabi den deutschen Nationalkeeper ter Stegen aus kurzer Entfernung zu einer Parade (36.). Für den Schlussmann, der zuvor in sieben Pflichtspielen 16 Gegentore kassiert hatte, war das Spiel die letzte Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Am Wochenende soll der von einer Verletzung genesene Claudio Bravo in der Liga wieder zwischen die Pfosten rücken.

Barca lange schwach

So richtig brenzlig wurde es für Leverkusen im ersten Durchgang nur einmal, als Neymar den Pfosten traf und Papadopoulos anschließend den Schuss von Sandro auf der Linie klärte (37.). Von Neymar, der wegen einer Schwalbe auch die Gelbe Karte sah, ging noch die größte Gefahr aus.

Wer dachte, die Pfiffe der spanischen Fans würden der Mannschaft von Luis Enrique im zweiten Durchgang Beine machen, sah sich getäuscht. Die erste Chance gehörte wieder Bayer, als Hernandez frei vor ter Stegen den Ball über das Tor setzte (50.).

Und Barcelona? Die Spanier hatten weiter ihre besten Aktionen, wenn Neymar beteiligt war. Der Brasilianer verfehlte zweimal knapp das Ziel (57. und 64.). Erschwerend kam hinzu, dass Mittelfeldmotor Andres Iniesta nach gut einer Stunde verletzt vom Platz musste. Doch mit einer starken Schlussoffensive gelang doch die Wende.

FC Bayern München - Dinamo Zagreb 5:0

Der FC Bayern hat mit Dauertorschütze Robert Lewandowski vor dem Liga-Gipfel gegen Borussia Dortmund die Weichen auf den Gruppensieg in der Champions League gestellt. Beim 5:0 (4:0)-Schützenfest gegen Dinamo Zagreb schossen sich die Münchner am Dienstagabend nicht nur für das Spitzenspiel warm, sondern konnten in der früh entschiedenen Partie auch noch Kräfte sparen. Lewandowski (22./28./55. Minute), Douglas Costa (13.) und Mario Götze (25.) machten vor 70.000 Zuschauern mit ihren Toren den Klassenunterschied. Der lockere Heimsieg gegen völlig überforderte Kroaten hätte sogar noch höher ausfallen können.

"Wenn man von Anfang an konzentriert spielt und und seine Torchancen auch noch macht - dann ist das Spiel nach einer halben Stunde gegessen", meinte Kapitän Philipp Lahm nach der Tor-Gala. "Wir haben uns viele Torchancen erarbeitet, das Spiel kontrolliert und auch die Konter im Griff gehabt." Und zur nächsten Lewandowski-Show meinte der Weltmeister schmunzelnd: "Den brauchst du nicht zu kitzeln. Eine unglaubliche Woche!"

Spielpraxis für Martinez

Nach dem Seitenwechsel gönnte Trainer Pep Guardiola dem lange verletzten Javi Martínez weitere Spielpraxis. Zudem konnte er Costa und Jérôme Boateng vorzeitig vom Feld nehmen. Mit dem zweiten Sieg im zweiten Gruppenspiel hat der deutsche Fußball-Rekordmeister nach dem verlorenen Supercup-Finale in zehn Pflichtspielen zehn Siege geholt. Für den Oktoberfest-Besuch der Mannschaft am Mittwoch war das die perfekte Einstimmung. Der kroatische Serienmeister kassierte nach 45 Pflichtspielen die erste Niederlage - und gleich eine Klatsche.

Innerhalb einer Viertelstunde war die Partie in der ausverkauften Allianz Arena entschieden. Einige Bayern-Fans werden sich wohl noch an das Spiel gegen Lille am 7. November 2012 erinnert haben, als es nach 28 Minuten ebenfalls 4:0 und am Ende 6:1 stand.

In allen Belangen überlegen

Knapp zwei Wochen nach dem 3:0-Auftakt in Piräus überzeugten die in allen Belangen überlegenen Bayern erneut. Dabei ließ Guardiola Weltmeister Thomas Müller, der erst nach 58 Minuten für Costa kam, und Xabi Alonso auf der Bank. Fünf Tage vor dem Bundesliga-Kracher gegen den BVB wollte der Coach so die Belastung bei dezimiertem Kader verteilen. U21-Nationalspieler Joshua Kimmich stand in seinem zweiten Königsklassen-Spiel erstmals in der Startelf. Im 4-1-4-1-System agierte der Youngster auf der Alonso-Position vor der Abwehr.

Die Bayern spielten die tief gestaffelte Kroaten vor der Pause regelrecht an die Wand. Zagreb, das zum Auftakt noch mit 2:1 gegen den FC Arsenal überrascht hatte, blieb diesmal alles schuldig. Beim deutschen Rekordmeister kam es knüppeldick für die Mannschaft von Dinamo-Trainer Zoran Mamic - drei der fünf Bayern-Tore durften allerdings unter "Gastgeschenk" abgebucht werden.

Dinamo-Spieler patzen

Schon beim 1:0 patzte Dinamo-Keeper Eduardo: Der stark spielende Costa überrumpelte den Portugiesen mit einem satten Schuss genau ins kurze Eck, das eigentlich dem Torwart gehört. Initiator des Führungstors war Juan Bernat mit seinem Ballgewinn im Mittelfeld.

Vor dem 2:0 machte Zagrebs junger Innenverteidiger Filip Benkovic keine gute Figur und rutschte auch noch aus: Thiago nahm das Geschenk gerne mit und legte auch noch auf Lewandowski ab. Bei seinem zweiten Treffer hämmerte der Pole den Ball an die Unterseite der Latte, die Kugel landete hinter der Linie, der weißrussische Schiedsrichter Alexj Kulbakow gab das Tor.

Das 5:0 nach einem coolen Heber war Lewandowskis 26. Champions-League-Treffer in seinem 42. Spiel. Götze traf in der 74. Minute noch den Außenpfosten. Abwehrchef Boateng bildete nach der Pause mit dem eingewechselten Martinez die Innenverteidigung - das könnte auch am Sonntag gegen den BVB so sein.

tkr/Christian Kunz und Klaus Bergmann, Andreas Schirmer/DPA

Wissenscommunity