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Bayern in der Champions League: Auch Arsenal scheitert am System Pep

Verschossene Elfmeter, zwei Tore und ein überragender Toni Kroos: Dank einer starken zweiten Halbzeit gewinnt der FC Bayern das Achtelfinal-Hinspiel mit 2:0 und nimmt Kurs aufs Viertelfinale.

Von Carina Braun

Es war ein spektakuläres Spiel mit vielen tragischen Momenten, das am Ende doch wieder den bekannten Sieger sah: Der FC Bayern hat wie im vergangenen Jahr das Achtelfinal-Hinspiel in London gegen den FC Arsenal gewonnen. Nach einer starken ersten Hälfte der Gunners setzten sich die Bayern nach dem Wechsel dank ihrer Überzahl durch. Erkenntnisse des Abends: Das System Pep ist zu knacken, Toni Kroos vielleicht unersetzlich. Und für Özil wird's schwer.

Vor dem Spiel waren sich die meisten Beobachter einig: Endlich mal wieder eine richtige Herausforderung für den FC Bayern, endlich mal wieder ein Gradmesser, wo die Münchner eigentlich so stehen in Europa. Inzwischen wird es ja selbst eingefleischten Fans in der heimischen Liga ein bissel fad. Da kam der FC Arsenal gerade richtig. Die Londoner sind mit nur einem Punkt Rückstand auf den Stadtrivalen Chelsea Tabellenzweiter in der Premier League, sie spielen eine so starke Saison wie schon lange nicht mehr.

Vor allem aber war es auch der FC Arsenal, der die Münchner in der vergangenen Saison auf ihrem Weg ins Finale der Königsklasse einem Aus so nah gebracht hatte wie kein anderer Verein. Hätten die Gunners vor einem Jahr in einem der beiden Achtelfinal-Spiele nur ein Tor mehr erzielt, hätten die Bayern sich schon früh vom Titeltraum verabschieden müssen. Sie wären nicht Champions League-Sieger geworden und nicht mit der Leichtigkeit an Juventus Turin und Barcelona vorbeispaziert, die einen großen Teil ihres heutigen Rufs begründet hat. Entsprechend selbstbewusst waren die Londoner im Vorfeld der Partie aufgetreten.

Manuel Neuer hält sein Team im Spiel

Das Spiel selbst brachte von Anfang an Überraschungen. Bayern-Trainer Pep Guardiola verzichtete in der Startelf auf Rafinha, zog stattdessen Philipp Lahm zurück in die Rechtsverteidigerposition und brachte mit Martinez und Thiago ein spanisches Duo vor der Abwehr. Auf der Gegenseite stürmte mit dem jungen Franzosen Yaya Sanogo ein Spieler mit bisher fast unbekanntem Namen, Stürmerstar Olivier Giroud und Lukas Podolski saßen auf der Bank.

Von dort sahen sie in der dritten Minute einen ersten Warnschuss von Toni Kroos, den Arsenals Torwart Wojciech Szczęsny gerade noch aus der Ecke fischte. Die größeren Chancen hatte aber zunächst der Club aus London. Die Gunners waren mutig, das Umschaltspiel mit hohen Bällen zeigte Wirkung. Gleich mehrmals scheiterten Angriffe am starken deutschen Nationaltorwart. Ausgerechnet Mesut Özil, der nach all der Kritik der letzten Wochen ein Erfolgserlebnis gut hätte gebrauchen können, entschied sich nach einem Foul von Boateng in der 8. Minute, den Elfmeter selbst zu schießen - und schob den Ball so zahm in Richtung Tormitte, dass Neuer ihn mit der Hand parieren konnte.

Schon früh hätten die Bayern mit einem oder sogar zwei Toren zurückliegen können, doch mit einem weiteren Foul in der 37. Minute wendete sich das Blatt. Szczęsny holte nach einem Pass von Kroos den heranstürmenden Robben im Strafraum von den Beinen. Für Arsenal gab es die Doppelbestrafung, Szczęsny sah Rot, Strafstoß für die Bayern, Ersatztorwart Lukasz Fabianski kam für den offensiven Santi Cazorla ins Spiel. Den Elfmeter schoss David Alaba - und traf den linken Pfosten. Doch die dezimierten Londoner verloren von nun an ihr Spiel.

Gute Ausgangslage fürs Rückspiel

In der zweiten Halbzeit reagierte Guardiola auf die durchwachsene erste Hälfte und kehrte zu bewährten Maßnahmen zurück. Er brachte Rafinha für den rotgefährdeten Boateng, Lahm rückte ins Mittelfeld, den Rest erledigten die Überzahl und Toni Kroos. Mit Traumpässen am laufenden Band lieferte der 24-Jährige Argumente für einen möglichen Vertragspoker mit seinem Verein. In der 54. Minute brachte er die Bayern mit einem 18-Meter-Schuss in Führung. Die Münchner dominierten das Spiel nun klar und schnürten den Gegner ein, der fast nur noch den eigenen Strafraum verteidigte. Thomas Müller, gekommen für den blassen Mario Mandzukic, vollendete in der 88. Minute per Kopf zum Endstand.

Von Özil war während des Spiels derweil immer weniger zu sehen. Nicht nur auf der Insel, auch für die Nationalmanschaft könnte das Folgen haben. Bundestrainer Jogi Löw hat die Partie live mitverfolgt. Und wird registriert haben, wer im Duell der deutschen Nationalspieler auf beiden Seiten die Nase vorne hatte.

Für Bayern ist die Ausgangslage vor dem Rückspiel gut. Aber sie ist eben auch nicht besser als im vergangenen Jahr. Nur konsequent, dass Manuel Neuer die unnötige Reporterfrage "Kann jetzt noch was schiefgehen?" nach dem Spiel mit einem knappen "Na klar!" quittierte.

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