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Bayern München feuert van Gaal: Hoeneß zerrupft das Feierbiest a.D.

Märchen, Zwangsjacke, Angst, Scheiße: Bayern-Präsident Uli Hoeneß hat seinen Trainer Louis van Gaal nicht nur entlassen - er hat ihn verbal vernichtet.

Von Tim Schulze

Es gibt diesen einen Albtraum in München. Unter besten Bedingungen findet im Mai 2012 das Finale der Champions League in der Münchner Allianz-Arena statt. Scharen von Fans feiern in der bayerischen Hauptstadt ein rauschendes Fest, die Welt schaut auf dieses Endspiel, die besten Fußballer der Welt kämpfen um die begehrteste Club-Trophäe der Welt. Und der FC Bayern schaut zu, weil er in der zweitklassigen Europa League seine Zeit vergeudete. Nicht auszudenken.

Nach dem leichtfertig hergeschenkten Sieg gegen den 1. FC Nürnberg und dem Rückfall auf den vierten Tabellenplatz reagierte der Vorstand des FC Bayern und beendete die Ära Louis van Gaal vorzeitig noch am Samstagabend. Für den Rest der Saison übernimmt sein Assistent Andries Jonker die Leitung der Mannschaft. Und der hat nur die eine Aufgabe, das Minimalziel Champions-League-Qualifikation zu schaffen und den "Albtraum" Europa League zu verhindern. Als Assistenten stehen ihm Hermann Gerland, Marcel Bout und als Torwarttrainer Walter Junghans zur Seite.

Van Gaal ist beratungsresistent


Nicht nur die verpassten Punkte, sondern auch die Art und Weise, wie sie verspielt wurden, gaben den Bayer-Bossen höchsten Anlass zur Besorgnis. Präsident Uli Hoeneß, van Gaals größter Kritiker, fand deutliche Worte: "Louis van Gaal hat Fehler gemacht, die völlig unnötig waren. Wir haben ihn schon in der Winterpause darauf hingewiesen, aber er hat nicht daraus gelernt. Mit dem Torwartwechsel von Butt zu Kraft fing die ganze Scheiße doch an." Auch aus der Mannschaft, die bislang voll hinter van Gaal stand, soll es Signale gegeben haben zu handeln.

Hoeneß kriegte sich gar nicht wieder ein. Es sei "ein Märchen", dass die Mannschaft hinter van Gaal gestanden hätte. Man habe dem Team die "pure Angst" angesehen. Jetzt gebe es die Möglichkeit, die Zwangsjacke abzustreifen. "Erfolg ist etwas - Spaß machen ist das andere. Der Spaß hat hier schon lange gefehlt", ätzte Hoeneß hinter seinem soeben entlassenen Topangestellten her.

In München kreiden sie dem niederländischen Coach an, vollkommen beratungsresistent gewesen zu sein. Der laut Hoeneß überflüssige Torwartwechsel mitten in der Saison, das ärgerliche Aus in der Champions League gegen Inter Mailand und die enttäuschenden Leistungen in der Bundesliga – all das ließ den Verantwortlichen an der Säbener Straße keine andere Wahl mehr. Außerdem baute van Gaal die Mannschaft immer wieder um, bis von einer funktionierenden Defensive keine Rede mehr sein konnte. Van Gaal bekam dieses Problem nicht in den Griff und hielt starrsinnig an seinen Vorstellungen fest.

Nur der Erfolg hielt sie zusammen


Seine Erfolge in der vergangenen Saison zählten da nicht mehr. Der Gewinn des nationalen Doubles und das Erreichen des Champions-League-Finales nützen im Endspurt der aktuellen Saison nichts, und auch die Vertragsverlängerung mit van Gaal im Januar half nichts. Nach einer schwachen Hinrunde sah es nach der Winterpause so aus, als würde die Mannschaft die alte Sicherheit wiedergewinnen. Aber das selbsternannte Feierbiest, das mit Mannschaft, Vorstand und Fans im vergangenen Sommer euphorisch auf dem Rathaus-Balkon gefeiert hatte, wischte jede Einmischung in seine Arbeit zur Seite. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Parteien war von Anfang an schwierig. Der eigenwillige Niederländer auf der einen Seite, der kompromisslos seine Vorstellungen von Fußball umsetzte. Auf der anderen Seite Uli Hoeneß und sein FC Bayern, die eine andere Philosophie pflegen und in sportlichen Belangen mitreden wollen. Nur der Erfolg hielt diese Beziehung zusammen.

Van Gaal stand schon nach den ersten Monaten kurz vor der Entlassung, als der Erfolg zunächst ausblieb und die Mannschaft Schwierigkeiten mit der neu verordneten Spielphilosophie des Niederländers hatte. Nun hat die Beziehung mit den deutlichen und harschen Worten von Uli Hoeneß ein unrühmliches Ende gefunden. Jetzt können die Bayern nur hoffen, dass sie mit Andries Jonker das Minimalziel erreichen. In der nächsten Saison übernimmt Jupp Heynckes den Trainerjob beim anspruchsvollen Rekordmeister, ein enger Freund von Uli Hoeneß. Das ist zumindest eine bessere Voraussetzung für gutes Teamwork. Hoeneß und Heynckes pflegen nicht nur ähnliche Vorstellungen von Fußball, sondern können dann alle Probleme beim Rotwein besprechen.

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