Bayern und Ribéry Wird die Diva zum Problem?


Bayern und Franck Ribéry - eine verhängnisvolle Affäre. Zum einen ist er für den Erfolg entscheidend, zum anderen bringt er Unruhe in den Verein. Ribéry fordert neue Spieler, streut Gerüchte über Vereinswechsel und fällt auf mit Arroganz. Die Bayern-Bosse suchen nach einem Weg, mit Ribéry umzugehen. Eine schwierige Aufgabe.
Von Jens Fischer

Es war eine Szene mit Symbolcharakter. Der FC Bayern München hatte den VfB Stuttgart im DFB-Pokal nach einer eindrucksvollen Leistung gerade mit 5:1 aus dem Wettbewerb gefegt, als Franck Ribéry gewohnt entspannt aus der Kabine schlenderte. Wieder einmal warteten die vielen Journalisten eingepfercht in den Katakomben der Mercedes-Benz-Arena auf das Genie aus Frankreich. Sie wollten wissen, weswegen er sich für seine gewagte Elfmetervariante entschieden hat und wollten Ribéry mit seiner Arroganz konfrontieren.

Aber Ribéry hatte keine Lust zu antworten. Zumindest nicht den deutschen Medienvertretern. Er schlenderte an ihnen vorbei und fand schnell ein anderes Zuhause. Bei seinen französischen Landsleuten der Sportzeitung "L’Équipe" fühlte er sich wohl, umarmte sie, Küsschen links, Küsschen rechts – und am Ende schenkte er ihnen noch einige Sätze, die am Donnerstag den deutschen Medien ausreichend Futter boten. "Ribéry fordert Verstärkungen bei den Bayern" – mal wieder ein verbaler Vorstoß Ribérys, der den Bayern-Verantwortlichen nicht recht sein kann. Wie schon so oft in letzter Zeit.

Zeit für Titel

Ribéry entwickelt sich bei den Bayern immer mehr zum Zentrum des Geschehens, zur unverzichtbaren Diva, zu einem Spieler, auf den alles zugeschnitten ist. Ohne Ribéry läuft nicht mehr viel bei den Bayern und seine Äußerungen in der Öffentlichkeit ähneln mittlerweile nicht selten kleinen Erpressungsversuchen. Zu oft spricht der Franzose davon, dass er sich nicht sicher sei, wie seine sportliche Zukunft auszusehen habe. "Unser Abschneiden in der Champions League wird eine entscheidende Rolle spielen. Ich habe sehr große Lust, diesen Wettbewerb zu gewinnen", sagt Ribéry.

Ob ihm dies mit den Bayern gelingt, scheint fraglich. Noch wirken Gegner wie der FC Barcelona oder Manchester United zu übermächtig. Das weiß auch Ribéry – und blickt zu den europäischen Top-Klubs. Er will, dass die Bayern-Bosse mehr auf seine Wünsche eingehen, will sicher sein, dass er in den nächsten Jahren um die europäische Krone mitspielen wird. Dem Franzosen fehlen bislang wichtige, große Titel – für ihn ein unerträglicher Zustand.

Ribéry sorgt für Wirbel

Die Bayern stecken in einer schwierigen Situation. Sie befinden sich im Zwiespalt – wegen Ribéry. Auf der einen Seite ist das Genie für den Erfolg der Mannschaft maßgeblich, auf der anderen Seite war es noch nie Manier der Bayern, einem Spieler eine exklusive Sonderrolle zuzuteilen. Das aber müssen sie bei Ribéry, denn der weiß um seinen Stellenwert – und kostet diesen genüsslich aus.

Egal ob er mit seinem Gehalt kokettiert, mögliche Interessenten in Umlauf bringt, sein Berater-Chaos im Boulevard breit getreten wird oder er mit seinen teils merkwürdigen Späßchen wie zuletzt dem Busunfall im Dubai-Trainingslager für Aufsehen sorgt – Ribéry fühlt sich als Star und lässt sich nicht in Schemata pressen. Er ist Individualist und will das auch bleiben. Auf Kosten des Vereins.

Schwieriges Verhältnis

Selbst vor einem Franz Beckenbauer schreckt er nicht zurück. Als der ihn wegen seines verschossenen Stuttgart-Elfmeters heftig kritisierte ("So etwas darf er sich nicht erlauben"), schoss Ribéry umgehend zurück: "Wenn ich Lust habe, einen Elfmeter wieder so zu versuchen, werde ich das auch machen." Klare Worte, die eines ausdrücken: Ich mache, was ich will.

Bayern und Ribéry – eine brisante Beziehung. Irgendwie ist es ein wenig so, als hätten es Eltern mit einem schwer erziehbaren Kind zu tun. Gleichzeitig sind sie sich im Klaren, dass so viel Talent in ihrem Nachwuchs steckt. Die Bayern müssen sich entscheiden, ob sie Ribéry unendlich Freiraum lassen oder eine kompromisslose Linie wählen. Keine leichte Entscheidung, sie brauchen den perfekten Kompromiss.

Brisanter Bundesliga-Auftakt

Und dann sind da noch die eigenen Kollegen. Auf der Heimfahrt aus Stuttgart flimmerte im Mannschaftsbus noch einmal Ribérys Strafstoß auf dem Bildschirm. Nicht wenige Bayern-Spieler sollen sich über die Fehlleistung köstlich amüsiert haben. Zu oft hatte Ribéry seine Späße mit ihnen getrieben, jetzt war es an der Zeit zurückzuschlagen. Ob Ribéry das auch so lustig fand, bleibt fraglich. Nicht selten wurde ein Star auch schnell einmal zum Außenseiter. Folge: Der Teamgeist bleibt auf der Strecke, der Erfolg bleibt aus. Siehe aktuell das Beispiel Werder Bremen und Diego.

Zumal Ribéry keiner ist, der zurückweichen wird. Zumindest hat er schon einmal angekündigt, wer am Freitagabend einen möglichen Bayern-Elfer beim Hamburger SV schießen wird: natürlich er. Auch das werden sicher nicht alle Bayern gut finden.


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