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Borussia Dortmund: Realist Rauball löst Visionär Niebaum ab

Reinhard Rauball soll Borussia Dortmund aus der größten Krise der Vereinsgeschichte helfen. Er wurde auf der Jahreshauptversammlung fast einstimmig zum Präsidenten des Fußball-Bundesligisten gewählt.

Die Liebe zum Verein war größer als der Respekt vor der schwierigen Aufgabe. Dem Hilferuf von Borussia Dortmund konnte Reinhard Rauball nicht widerstehen. Trotz der bedrohlichen finanziellen und sportlichen Lage der Borussia ließ sich der 57 Jahre alte Jurist nach nur kurzem Zögern auf das Himmelfahrtskommando ein. Zum dritten Mal nach 1979 (bis 1982) und 1984 (bis 1986) soll er dem Revierclub als Präsident aus der Krise helfen. "Es wird kein einfacher Weg, aber wir werden Stein auf Stein wegräumen", sagte Rauball am Sonntag auf der Jahreshauptversammlung des Vereins.

Der Nachfolger und Vorgänger von Gerd Niebaum genießt in der Westfalenmetropole einen guten Ruf: Im Alter von nur 32 Jahren verhalf er der Borussia als jüngster Bundesliga-Präsident erstmals aus der Bredouille. Nur zwei Jahre nach seinem beruflich bedingten Rückzug waren seine Qualitäten erneut gefragt: Zusammen mit seinem damaligen Vize Gerd Niebaum wies er dem BVB den Weg aus dem drohenden Chaos.

Längst überfällige Trennung von Geschäfts- und Vereinsführung

Anders als sein Vorgänger Niebaum ist Rauball mehr Realist als Visionär. Die mit seinem Amtsantritt eingeleitete Trennung von Geschäftsführung der KGaA und Vereinsführung hielt er ohnehin für längst überfällig. Deutliche Worte der Kritik an der verschwenderischen Investitionspolitik seines Vorgängers kommen ihm nicht über die Lippen. Dringlicher als die Aufarbeitung von Vergangenem sei die Suche nach Lösungskonzepten.

Dabei ist der Schulterschluss aller Beteiligten für ihn von zentraler Bedeutung. Nicht zuletzt deshalb bemüht er sich um ein gutes Verhältnis zu Florian Homm. Dessen Versuche, bei der Borussia mehr Einfluss zu gewinnen, könnten die von Rauball angestrebte Harmonie jedoch gefährden.

Der Rechtsanwalt und Notar gilt als vielseitiger Jurist. Er ist Co-Autor eines Grundgesetzkommentars zu Verfassungsfragen und hat sich im Sportrecht einen Namen u.a. im "Dopingfall" Katrin Krabbe gemacht. Anfang 1999 berief ihn der damalige Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Wolfgang Clement, zum Justizminister. Rauball amtierte eine Woche lang, trat aber einen Tag vor seiner Vereidigung zurück. Als Notar habe er 1994 nicht die Genehmigung der Bundesnotarkammer dafür eingeholt, einen Posten beim amerikanischen Unternehmen Eurogas zu übernehmen.

Heinz Büse/DPA / DPA
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