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Nach 17 Jahren Zäsur bei der DFL: Boss Seifert hört 2022 auf

Sehen Sie im Video: DFL-Chef Seifert – "Wir spielen auf Bewährung".


O-TÖNE VON CHRISTIAN SEIFERT (DFL), GESCHÄFTSFÜHRER:
"Die DFL plant, die am 13. März unterbrochene Saison wie folgt fortzusetzen. Am Samstag, dem 16. Mai 2020, sollen die Spiele stattfinden: Borussia Dortmund gegen Schalke 04, RB Leipzig gegen den SC Freiburg, TSG Hoffenheim gegen Hertha BSC, Fortuna Düsseldorf gegen Paderborn, FC Augsburg gegen den VfL Wolfsburg. Um 18:30 Uhr, das Spiel Eintracht Frankfurt gegen Borussia Mönchengladbach. Am Sonntag, dem 17.05., um 15:30 Uhr, das Spiel 1. FC Köln gegen Mainz 05 und um 18 Uhr das Spiel Union Berlin gegen den FC Bayern. Am Montag um 20.30 Uhr ist das Spiel angesetzt: Werder Bremen gegen Bayer Leverkusen."
"Ich kann nach wie vor nachvollziehen, dass kritisch hinterfragt wurde, ob die Bundesliga vermutlich gesunde Spieler überhaupt testen sollte. Wir sehen zum einen, dass das Testvolumen, und das haben wir immer betont, in Deutschland solche Tests zulässt. Und sollte sich dies ändern, wird die Bundesliga selbstverständlich zurückstehen."
"Dann bliebe aber nur, auf einen Impfstoff zu warten, was Experten zufolge noch viele Monate, wenn nicht Jahre, dauern kann. Das aber übersteht kein Klub, keine Liga, keine professionell betriebene Sportart weltweit."
"Die Verwaltungsberufsgenossenschaft VBG teilte uns mit, dass mit den vorgesehenen Maßnahmen inklusive der Testungen die Eintrittswahrscheinlichkeit einer Infektion nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft extrem niedrig ist und gegenüber anderen Arbeitsfeldern nicht erhöht ist. "
"Jedem in der Liga muss klar sein Wir spielen auf Bewährung, und jeder Spieltag ist eine Chance zu beweisen, dass wir den nächsten verdient haben. Der erste und ganz wichtige Schritt, sich nämlich in seinem ganz normalen Lebensalltag nicht anzustecken mit dem Coronavirus, liegt in der Verantwortung jedes Einzelnen."
"Die Reaktionen darauf sind sehr, sehr interessiert weltweit. Was ich sehe, ist von Los Angeles über London bis Tokio wird darüber berichtet, dass die Bundesliga oder als eine der ersten Ligen, als die erste große und weltbekannte Liga wieder plant, in den Spielbetrieb einzusteigen. Das gelingt uns aber nur und das kann ich gar nicht oft genug betonen, weil wir in diesem Land spielen, weil wir das Privileg haben, in einem der modernsten Gesundheitssysteme der Welt zu leben. Alle Sie, ich, Herr Pfennig, die Kollegen hier im Raum, aber eben auch die Spieler der Bundesliga und zweiten Bundesliga und alle Betreuer und Mitarbeiter der Klubs."
"Was die Relegation angeht, sehen wir selbstverständlich vor, eine Relegation zu spielen zwischen Bundesliga und zweiter Bundesliga. Die Relegation zwischen Liga und dritter Liga hängt ja immer auch noch ab, wie es in der dritten Liga weitergeht."
"Das Saisonfinale soll tatsächlich noch Ende Juni stattfinden."
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Am Sonntag erklärte Christian Seifert noch Millionen TV-Zuschauern, wie Bundesliga in Corona-Zeiten geht. Nur einen Tag später verkündet er seinen Abschied. In seiner Amtszeit wurde die Liga zum Milliardenbusiness. Jetzt steht ein Umbruch bevor.

Seinen Platz im Bundesliga-Geschichtsbuch hat Christian Seifert sicher. Als gewiefter Corona-Krisenmanager erlangte der 51-Jährige noch in diesem Frühjahr nationale Bekanntheit, nun kündigte er auf dem Zenit seines Schaffens bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) seinen Rückzug für den Sommer 2022 an. "Dies sind anspruchsvolle Zeiten, die danach verlangen, Klarheit und Verlässlichkeit zu schaffen", begründete Seifert den sehr frühzeitig verkündeten Entschluss, der zu seinem stringenten Handeln in 17 Jahren DFL passt. Im deutschen Fußball wird damit noch vor der WM 2022 in Katar eine Ära zu Ende gehen, die dem Profigeschäft lange einen wirtschaftlichen Boom bescherte.

Als die Corona-Pandemie das kickende Personal in eine Zwangspause schickte, war der DFL-Geschäftsführer quasi über Nacht zum Gesicht des deutschen Fußballs geworden. Mit großer Eloquenz, kluger Strategie und einer gehörigen Prise Demut gegenüber der Politik trug Seifert fortan bei den regelmäßigen Pressekonferenzen vor, was die 36 Proficlubs zuvor unter seiner Leitung beraten hatten.

Christian Seifert hinterlässt riesige Lücke

Wer auf Seifert folgt, war zunächst völlig unklar. Der DFL-Aufsichtsrat kündigte an, die Neubesetzung "ohne Zeitdruck professionell anzugehen". Bis Sommer 2022 wird Seifert wie gewohnt weiterarbeiten, daran ließ der Familienvater keinen Zweifel.

Welch extrem exponierte Stellung der Topmanager in den turbulenten Tagen im März hatte, sahen am Sonntagabend Millionen TV-Zuschauer in der Sportschau-Doku "Weiter, immer weiter" zum Restart der Bundesliga in Corona-Zeiten. Nur wenige Stunden später verkündete Seifert, dass er seinen noch gut eineinhalb Jahre gültigen Vertrag nicht mehr verlängern wird. Für den Profifußball wird es eine große Zäsur.

Mit seiner Ankündigung, in zwei Jahren "ein neues berufliches Kapitel aufschlagen" zu wollen, wird der DFL-Boss eine riesige Lücke beim Ligaverband entstehen lassen. Während der krisengebeutelte Deutsche Fußball-Bund (DFB) seit Seiferts Amtsantritt 2005 alleine fünf Präsidenten und zahlreiche weitere Top-Funktionäre beschäftigte, war bei der DFL über einen langen Zeitraum immer nur - Seifert. 

Wenn Fußballbosse wie Bayerns Karl-Heinz Rummenigge und Dortmunds Hans-Joachim Watzke, die sich selbst in absehbarer Zeit aus dem Bundesliga-Business verabschieden, der DFL für neue Milliardenerlöse aus Fernsehverträgen oder das später im Ausland häufig kopierte  Hygienekonzept in Corona-Zeiten dankten, galt dies stets "Christian Seifert und seinem Team".

In seiner Amtszeit stieg der Erlös aus TV-Einnahmen von 300 Millionen Euro auf inzwischen knapp 1,5 Milliarden Euro pro Saison. Auch der DFL-Aufsichtsrat bezeichnete den bevorstehenden Personalwechsel an der Spitze als "Einschnitt". Watzke sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Der Ausstieg von Christian Seifert wird im Jahr 2022 ein herber Verlust für die Bundesliga sein. Ich kann nur mit höchstem Respekt von seiner Arbeit sprechen."

Für Seifert, der auch nach Corona-Pause und gelungenem Neustart quasi pausenlos im Krisenmodus agiert, war es ein zentrales Anliegen, den Verband frühzeitig über seinen Abschied zu informieren. "Diese Entscheidung ist bereits jetzt wichtig, damit der Aufsichtsrat frühzeitig die Möglichkeit erhält, diese Tatsache in Überlegungen zur künftigen Organisation der DFL GmbH einfließen zu lassen", sagte er.

Die große mediale Präsenz, mit der Seifert während der Corona-Pause um Verständnis für den Fußball warb, kannte man so vorher nicht von ihm. Wenn bei der alljährlichen Bundesliga-Siegerehrung der neue deutsche Meister zu küren war, übergab Seifert zwar pflichtbewusst die Schale, entschwand dann aber schnell wieder aus dem Bild. 

Von KarstadtQuelle in die Bundesliga

Seine größten Auftritte hatte der Manager nicht in TV-Studios oder auf der großen Fußball-Bühne, sondern bei der Verkündung der stetig wachsenden Zahlen des DFL-Finanzreports oder beim Neujahrsempfang, wo er immer wieder mit klaren Aussagen anprangerte, woran es im deutschen Fußball gerade fehlt. Auch die teilweise irrsinnig hohen Fernsehgelder, die Seiferts Team im Vierjahreszyklus mit den Medienanstalten aushandelte, machten ihn bei den Clubs unangreifbar.

Der gebürtige Badener kam 2005 von der KarstadtQuelle New Media AG und wollte in der Bundesliga den Beweis antreten, das Business auch ohne eigene Fußballerlaufbahn verstehen zu können. Mit seiner großen wirtschaftlichen Kompetenz und seinen Antennen für Stimmungen erwarb er sich als DFL-Boss schnell Respekt, später wurde er auch DFB-Vizepräsident und übernahm nach dem Abgang von Reinhard  Rauball die Funktion als Sprecher des DFL-Präsidiums. Dass er beim Kicken nie über den Amateurbereich hinauskam, war längst kein Thema mehr.

Doch die Krisenphase, die er einmal mit einem "Science-Fiction-Film" verglich, ist auch an Seifert nicht spurlos vorübergegangen. Der DFL-Boss weiß, dass die durch den schnellen Neustart verhinderten Insolvenzen von mehreren Proficlubs auch in den kommenden Jahren ein reales Szenario sind. Und dass Corona und seine Nachwehen selbst im Sommer 2022, wenn an der Spitze der DFL der Wechsel ansteht, noch ein Thema sein werden.

In einem sehr persönlichen Interview im stern erzählte Seifert jüngst, wie ihn die schwierige Phase selbst veränderte. "Ich hatte einige Nächte mit wenig Schlaf. Die Fülle an Fragen, die aufkamen, war so groß, dass ich mitten in der Nacht aufgestanden bin und alles niederschreiben musste." Als die Bundesliga im Mai den weltweit beachteten Restart wagte, verzichtete er an jenem Tag auf einen Familienbesuch und mähte lieber zu Hause den Rasen. Was er aus der Krise mitnimmt? "Dass ich meinen Instinkten vertrauen kann. Ich arbeite in hohem Maß mit Instinkt und nach meinem Gefühl." Wohl auch bei der Entscheidung, sich 2022 beruflich neu zu orientieren.

Patrick Reichardt und Ulrike John/DPA

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