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TV-Gelder Die kühle Machtdemonstration des FC Bayern und seiner Verbündeten gegenüber kleineren Klubs

Corona-Krise, TV Gelder: Es gibt viel zu besprechen, wenn der FC Bayern zu Klub-Treffen lädt
Corona-Krise, TV Gelder: Es gibt viel zu besprechen, wenn der FC Bayern zu Klub-Treffen lädt
© Leo Kügeler / AFP
In Frankfurt findet am Mittwoch ein Treffen von 15 Bundesliga-Klubs statt. Es geht unter anderem um die künftige Verteilung der TV-Gelder. Merkwürdig ist, dass die vier Vereine nicht eingeladen wurden, die einen anderen Verteilungsschlüssel verlangen.

Der Airport Club im Frankfurter Flughafen ist ein gediegenes Tagungszentrum. Im kühl-eleganten Ambiente schließen Manager Geschäfte ab oder bahnen welche an. Wer von den harten Verhandlungen erschöpft ist, kann sich eine Badesuite mieten, um gepflegt zu duschen und zu entspannen. Für die Vertreter der deutschen Fußball-Klubs ist es also der passende Ort, um grundlegene Absprachen über die Zukunft der Bundesliga zu treffen.

Dass das "Geheimtreffen" in dieser Form überhaupt stattfindet, ist dem FC Bayern zu verdanken. Der größte und erfolgreichste Verein in Deutschland hat die Zusammenkunft initiiert, aus der möglicherweise eine feste Institution werden soll. Es gibt viel zu besprechen. Neben der Nachfolge von DFL-Chef Christian Seifert geht es um die Corona-Krise, die Konflikte innerhalb des DFB und um die Verteilung der TV-Gelder ab der nächsten Saison – etwa 1,1 Milliarden Euro pro Jahr.

Es geht nur ums liebe Geld

Bemerkenswert an diesem Treffen ist, dass einige Vereine aus der 1. Liga schlicht ausgebootet wurden (die 2. Liga sowieso): Der FC Augsburg, Arminia Bielefeld, der FSV Mainz 05 und der VfB Stuttgart. Aus der 2. Liga ist nur der HSV dabei. In Anlehnung an die Politik wird deshalb von der G15 gesprochen. Die ausgebooteten Klubs zeigten sich ziemlich irritiert. Es sei "legitim, dass man sich austauscht", aber ein "merkwürdiges Verhalten wenn Teile der Liga ausgeschlossen" würden, sagte der kaufmännische Vorstand der Mainzer, Jan Lehmann, der "Frankfurter Rundschau".

Aber was ist der Grund für die Ausbootung? Vermutlich liegt es daran, dass die Klubs eine andere Vorstellung von der Verteilung der TV-Gelder haben. Das Quartett hatte mit einem Positionspapier zur Debatte besonders die größeren Klubs verärgert. Sie schlagen vor, das an den Tabellenersten der Bundesliga höchstens doppelt so viel ausgeschüttet wird wie an den Tabellenletzten. Bislang verteilte sich das Geld so: In der Saison 2019/20 erhielt der FC Bayern 68 Millionen Euro, der SC Paderborn als Aufsteiger 26 Millionen Euro. In der laufenden Saison steigern die Bayern ihren Anteil auf 70,64 Millionen Euro, Borussia Dortmund kommt auf 69,73 Millionen Euro vor Bayer Leverkusen (67,47) und RB Leipzig (65,96).

Kritik von Werder Bremen

Das Treffen kam zwar auf Initiative von Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge zustande, er erhielt aber viel Unterstützung von den kleineren Platzhirschen der Liga. Borussia Dortmund, Borussia Mönchengladbach, RB Leipzig oder Bayern Leverkusen stehen in Sachen TV-Gelder fest an der Seite des übermächtigen Branchenführers. So hat diese Gruppe mit ihrer Einladungspolitik vorsorglich deutlich gemacht, wohin die Reise in Zukunft gehen soll. Einen grundlegend neuen Verteilerschlüssel wird es vermutlich nicht geben, auch wenn Werder Bremen oder der 1. FC Köln gern etwas mehr vom Kuchen hätten. Ihre Verhandlungsposition ist schwach.

Auch in der Frage, wie weit die finanzielle Solidarität in der Corona-Krise reicht, sind die Positionen verhärtet. Notleidende Vereine sollten sich nicht zu sehr auf die Hilfsbereitschaft der anderen verlassen. Kritisch äußerte sich Werder-Chef Frank Baumann: "In Anbetracht der aktuellen Herausforderungen und im Sinne der Solidarität hätten wir uns gewünscht, dass alle Bundesligisten eingeladen werden." Trotz der Kritik werden die Bremer aber vermutlich mit dabei sein im Airport Club in Frankfurt.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung", "Kicker", "Frankfurter Rundschau", "ran"


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