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AF Chapecoense: Brasilianisches Fußballteam mit Flugzeug abgestürzt - mehr als 70 Tote

Auf dem Weg zum Finale des Südamerika-Cups in Kolumbien stürzt eine Maschine mit einer brasilianischen Erstligamannschaft ab. Es sollte der größte Triumph ihrer Vereinsgeschichte werden - am Ende steht eine Tragödie.

Die Absturzstelle mit dem Wrack am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión

Die Absturzstelle am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión. Die Piloten sollen technische Probleme gemeldet haben, bevor die Maschine vom Radar verschwand.

Beim Absturz eines Passagierflugzeugs mit den Fußballern des brasilianischen Erstligisten AF Chapecoense an Bord sind in Kolumbien mehr als 70 Menschen getötet worden. Die Anzahl der Überlebenden ist noch unklar. In den Medien ist von fünf oder sechs die Rede. Laut dem Leiter der Polizei Medellín wurden zunächst sechs Menschen lebend aus dem Wrack geborgen. Eine Person sei aber auf dem Weg in ein Krankenhaus gestorben.

Das Flugzeug mit 81 Menschen an Bord stürzte im Nordwesten Kolumbiens ab. Nach einem Flug von São Paulo nach Santa Cruz in Bolivien war die verunglückte Maschine dort in Richtung Medellín gestartet.

Piloten meldeten Elektronikprobleme

Chapecoense sollte am Mittwoch in der Millionenstadt das Hinspiel im Finale des Vereinswettbewerbs Copa Sudamericana gegen Atlético Nacional aus Medellín bestreiten. Der Wettbewerb ist nach der Copa Libertadores der zweitwichtigste Clubwettbewerb in Südamerika. Das Erreichen des Finales gegen die Kolumbianer war der bisher größte Erfolg des 1973 gegründeten Teams aus dem südbrasilianischen Bundesstaat Santa Catarina, bei dem vor mehr als 20 Jahren auch der spätere Bundesligaprofi Paulo Rink spielte.

Wie die Luftfahrtbehörde mitteilte, verunglückte die Maschine vom Typ Avro RJ85 der bolivianischen Gesellschaft Lamia am Berg El Gordo in der Nähe der Ortschaft La Unión. Bevor das vierstrahlige Flugzeug gegen 22 Uhr Ortszeit am Montagabend vom Radar verschwunden sei, hätten die Piloten Probleme mit der Elektronik gemeldet, hieß es unter Berufung auf den Kontrollturm des Flughafens von Medellín.

Abwehrspieler und Torhüter offenbar lebend geborgen

An Bord waren 72 Passagiere sowie neun Besatzungsmitglieder. Von den Passagieren gehörten brasilianischen Medienberichten zufolge 48 zum AF Chapocoense, darunter Spieler, Trainer, Manager und weitere Betreuer. Außerdem seien 21 brasilianische Journalisten und drei Gäste mitgeflogen. Unter den Überlebenden sind laut der brasilianischen Nachtichtenseite "O Globo" die Fußballspieler Alan Ruschel, Jackson Follman und Hélio Zampier Neto; außerdem der Journalist Rafael Henzel und die Besatzungsmitglieder Ximena Suárez und Erwin Tumiri. Der Torhüter Marcos Danilo Padilha soll ebenfalls lebend geborgen worden sein, er sei aber später im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen erlegen, hieß es. Auf Bildern war zu sehen, wie Ruschel auf einer Trage ins Krankenhaus San Juan de Dios in La Ceja gebracht wurde.

Polizisten seien als erste zu der schwer zugänglichen Unglücksstelle gelangt, teilte die Luftfahrtbehörde mit. Die Gegend sei wegen Nebels nur auf dem Landweg zu erreichen, nicht aus der Luft.

Die Google-Maps-Luftaufnahme zeigt die Region um die Stadt La Unión in Kolumbien, wo das Flugzeug abstürzte

Die Google-Maps-Luftaufnahme zeigt die Region um die Stadt La Unión in Kolumbien, wo das Flugzeug abstürzte

Der südamerikanische Fußballverband Conmebol sagte das Finale nach dem Unglück ab. "Es ist ein trauriger Tag für den Fußball", sagte der Präsident des kolumbianischen Vereins Atlético, Juan Carlos de la Cuesta. Chapecoense war erst 2014 in die Erste Liga Brasiliens aufgestiegen.

Der Absturz des Flugzeugs mit dem Team löste große Anteilnahme aus. Trauerschleifen, die das Wappen des Clubs umgeben, wurden über Twitter veröffentlicht. Der türkische Club Fenerbahce Istanbul schrieb: "Wir sind mit Euch." Anhänger des Clubs twitterten: "Betet für uns". Auf dem Account des Clubs hieß es, man warte auf aktuelle Informationen der Behörden.

mad/nik/DPA
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