Brasilien Leichtgewichte statt Moppeltruppe


Nach dem schandvollen WM-Aus soll eine "Gang der Leichtgewichte" den Ruf der brasilianischen Fußball- Nationalelf wiederherstellen. Anders als das "Wunderquartet" Ronaldo-Kaka-Ronaldinho-Adriano handelt es sich um "dürre Gestelle".

Die neuen Hoffnungsträger der 180 Millionen fußballverrückten Brasileiros sind fast alle in jeder Hinsicht wahre Leichtgewichte. Zum einen sind viele von ihnen sogar bei den Fans daheim wenig bekannt, weil sie ihre Profi-Karriere erst begonnen haben. Außerdem sind sie, wie die Zeitung "Folha de Sao Paulo" schrieb, im Gegensatz zu den Mitgliedern des vorerst ausgebooteten "Wunderquartetts" Ronaldo-Kaka-Ronaldinho-Adriano zumeist "dürre Gestelle".

Neben dem eher schmächtigen, aber weltbekannten Dribbelkönig Robinho von Real Madrid, der unter 70 Kilo wiegt, können in Oslo Spieler wie Morais von Vasco da Gama Rio de Janeiro (1,70 Meter, 64 Kilogramm) oder Wagner von Cruzeiro Belo Horizonte (1,75, 65 Kilogramm) zum Einsatz kommen. Von den neun berufenen offensiven Spielern sind nur zwei (Julio Baptista und Fred) über 1,80 groß.

Keine Schonzeit

Eine Schonzeit dürfen die Neuen ebenso wenig erwarten wie die Deutschland-Legionäre Lucio (Bayern München), Juan (Bayer Leverkusen) und Gilberto (Hertha BSC Berlin), die Dungas Großreinemachen überstanden. "Wir müssen von nun an alles gewinnen, sogar alle Freundschaftsspiele", fordert der Coach.

Gegen Norwegen wird das alles andere als leicht sein. Die "Seleção" besteht nun aus einem zusammengewürfelten Haufen, das bis Dienstag weder zusammen gespielt noch trainiert hatte. Und das Brasilienspiel scheint den Norwegern zu bekommen. In bislang drei Spielen schafften die Skandinavier, die nur Platz 52 der FIFA- Weltrangliste belegen, gegen den fünffachen Weltmeister aus Südamerika zwei Siege und ein Unentschieden.

Dass gegen Norwegen vor allem schmächtige Spieler das kanariengelbe Trikot der Brasilianer tragen werden, kommt nicht von ungefähr. Bei der WM enttäuschten vor allem die schweren und größeren Spieler. Neben Ronaldo hatte sich auch Adriano vor der WM mit Übergewicht präsentiert. Eine Konsequenz des Desasters: Ab sofort werden alle Nationalspieler ein Heftchen mit "körperlichen Hausaufgaben" bekommen. Die Entschuldigung, der Verein in Europa lasse zu wenig trainieren, werde nicht mehr ziehen, sagte ein Konditionstrainer des Nationalverbandes CBF.

Unglaubliches Arbeitspensum

Um den brasilianischen Ruf zu reparieren, will der CBF-Verband bis November 2007 in 15 Monaten mindestens 13 Länderspiele machen. Unter Dungas Vorgänger Carlos Parreira wurde diese Zahl erst nach 26 Monaten erreicht. Im September stehen bereits Tests gegen den südamerikanischen Erzrivalen Argentinien in London sowie gegen Wales auf dem Programm. Im Oktober folgt dann Kuwait.

Im nächsten Jahr stehen neben acht Freundschaftsspielen noch der Amerika-Pokal in Venezuela sowie vier Spiele um die Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika auf dem Programm. Die Marschroute von Dunga ist klar: "Bei mir ist die Mannschaft der Superstar, nicht einzelne Spieler."

Emilio Rappold/DPA


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