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Bundesliga: Bayern stümpern, Schalke und Stuttgart patzen

Dem deutschen Rekordmeister gelang nur ein 0:0 gegen Hertha BSC. Damit konnte der FC Bayern seine Tabellenführung aber um einen Punkt ausbauen, da die "Bayern-Jäger" herbe Rückschläge hinnehmen mussten.

Im Schatten des Schiedsrichter-Wettskandals hat der FC Bayern München die Gunst der Stunde nur bedingt genutzt. Einen Tag nach den Patzern der Verfolger aus Gelsenkirchen und Stuttgart musste sich der deutsche Rekordmeister mit einem 0:0 bei Hertha BSC begnügen, konnte seine Tabellenführung aber um einen Punkt ausbauen. Bei klirrender Kälte sahen die 74 500 Zuschauer im erstmals seit dem Umbau bei einem Hertha-Heimspiel ausverkauften Olympiastadion über weite Strecken eine unansehnliche Partie, in der die Abwehrreihen den Ton angaben.

Herbe sportliche Rückschläge mussten dagegen die vermeintlichen Bayern-Jäger hinnehmen. Der Tabellen-Zweite FC Schalke 04 kassierte am 19. Spieltag der Fußball-Bundesliga eine überraschende 0:2- Niederlage beim 1. FC Kaiserslautern und bot dabei eine wenig meisterliche Leistung. "Mir hat nicht nur das Ergebnis nicht gefallen, auch unsere Spielweise nicht. Die Entschlossenheit hat gefehlt", kritisierte Trainer Ralf Rangnick nach der zweiten Niederlage der "Knappen" im 13. Bundesligaspiel unter seiner Regie.

"Charaktertest" nicht bestanden

Nicht minder enttäuschend endete am Samstag das erste Heimspiel der Jahres für den VfB Stuttgart. Die schwäbischen Profis bestanden den von Trainer Matthias Sammer zuvor ausgerufenen "wichtigen Charaktertest" nicht und müssen nach dem 2:4 gegen Angstgegner 1. FC Nürnberg gar um ihren Champions-League-Platz fürchten. "Die von hinten kommen mächtig ran", warnte Silvio Meißner vor der lauernden Konkurrenz.

Damit dürfte er vor allem die Teams aus Leverkusen und Bremen gemeint haben: Werder kehrte mit einem 3:2 (2:1)-Sieg am Sonntag über Hansa Rostock auf die UEFA-Cup-Ränge zurück. Mehr noch als über die Tore der Bremer Ivan Klasnic (5./62.) und Miroslav Klose (32.) sowie der Rostocker David Rasmussen (45.) und Thomas Rasmussen (64.) wurde über die kurzfristige Absetzung von Schiedsrichter Jürgen Jansen diskutiert, der im Zuge der Schiedsrichter-Affäre durch Lutz Wagner ersetzt worden war.

Untergangsstimmung in Bochum

Noch vor Bremen rangiert Leverkusen: Eine Woche nach dem 3:0 in Hannover bestätigten die Rheinländer mit dem 4:0 gegen den VfL Bochum ihre glänzende Form und verschärften die Krise beim Revierclub. Dort macht sich angesichts der desolaten Leistung in der 2. Spielhälfte und des auf sechs Punkte gewachsenen Rückstands auf einen Nicht- Abstiegs-Platz allmählich Untergangsstimmung breit. Zudem gerät der in der Vorsaison gefeierte VfL-Coach Peter Neururer immer stärker unter Druck. "Es wird ernster, das ist eine ganz schwierige Situation", gestand Clubchef Werner Altegoer. Den fünften Abstieg ihrer Lieblinge vor Augen machten die VfL-Fans ihrem Frust kräftig Luft. "Hau ab!", brüllten sie Neururer entgegen. Wie lange das Treuebekenntnis der Vereinsführung zum Trainer hält, hängt entscheidend vom Heimspiel gegen Arminia Bielfeld am Samstag ab.

Der nächste Bochumer Gegner hat auch schon bessere Tage erlebt. Nach fünf sieglosen Spielen in Serie droht der in der Hinrunde auftrumpfenden Arminia aus Bielefeld der Absturz. "Jetzt müssen wir aufpassen. Das kann eine ganz schwierige Zeit werden", warnte Trainer Uwe Rapolder nach der 0:1-Heimpleite gegen Hannover 96. Der komfortable Vorsprung auf die Abstiegsränge schmilzt wie Schnee in der Frühlingssonne. Gleiches gilt für Mit-Aufsteiger FSV Mainz 05. Durch das 1:2 beim Hamburger SV verloren die Mainzer weiteren Boden und sind als Tabellen-14. endgültig im Abstiegskampf angekommen. Dennoch gibt sich Trainer Jürgen Klopp gelassen: "Nichts von dem, was passiert ist, überrascht uns."

Magerkost im Westfalenstadion

Längst nicht aller Sorgen ledig sind auch Borussia Dortmund und Borussia Mönchengladbach. Trotz fußallerischer Magerkost machten die Westclubs mit dem 1:1 im Westfalenstadion jedoch sogar einen Punkt gut gegenüber der kriselnden Konkurrenz. So gaben sich die beiden niederländischen Trainer Bert van Marwijk (Dortmund) und Dick Advocaat (Gladbach) nach dem gerechten Remis recht zufrieden.

Advocaat hatte am Sonntag noch mehr Grund zur Freude. Denn die Borussen-Clubführung schlug im Winterschlussverkauf noch einmal spektakulär zu und bescherte ihrem Coach in dem Brasilianer Giovane Elber den siebten Neuzugang. Der 32 Jahre alte Ex-Torschützenkönig der Bundesliga, der vor eineinhalb Jahren von Bayern München zu Olympique Lyon gewechselt war, ist sicher eine Bereicherung für die Eliteliga. "Wenn so ein Mann wie Elber ablösefrei zu haben ist, muss man zugreifen", sagte Sportdirektor Christian Hochstätter stolz.

Neue Hoffnung schöpft der SC Freiburg nach dem ersten Sieg seit drei Monaten. Das 1:0 über den Favoriten VfL Wolfsburg dürfte der von vielen schon abgeschriebenen Elf von Trainer Volker Finke Selbstvertrauen für die kommenden Wochen geben. Völlig aus dem Häuschen war der lange verletzte Zlatan Bajramovic nach seinem Siegtor. "Von dem Tor träume ich jetzt."

Von Ulli Brünger/DPA

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