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Bundesliga-Check: 1. FC Nürnberg: Ausverkauf, na und?!

Bei den Wettanbietern gilt der 1. FC Nürnberg als heißer Abstiegskandidat. Hochkarätige Spieler verließen den Club, der sechste Platz der vergangenen Saison scheint vergessen – nur in Nürnberg nicht. Da setzt man auf neue Talente.

Von Tim Schulze

Stell' Dir vor, Du erringst einen großen, sportlichen Erfolg und keinen interessiert's. So lässt sich die Situation des 1. FC Nürnberg zum Ende der vergangenen Saison beschreiben. Der FCN stand nach 34. Spieltagen auf dem sechsten Rang - für einen notorischen Abstiegskandidaten mit kleinem Etat eine außergewöhnliche Leistung. Ein bisschen gewurmt hat es Trainer Dieter Hecking schon, dass ihm und seiner Arbeit nicht die gleiche Anerkennung zu Teil wurde wie den Kollegen Robin Dutt, Thomas Tuchel oder Mirko Slomka, die gefeierten Trainer der Überraschungsmannschaften aus Freiburg, Mainz und Hannover.

Nürnbergs Erfolg war kein Zufall. Manager Martin Bader und Hecking verfolgen eine Philosophie. Sie haben den Club konsequent zu einem effektiven, aber vor allem solide geführten Ausbildungsverein geformt - der einzige Weg, um eine Mannschaft mit einem der kleinsten Etats der Liga dauerhaft in der Bundesliga zu etablieren. Für aufstrebende Talente gehört der Nürnberg mittlerweile zu den besten Adressen Deutschlands.

Was ist neu?

Die Neuen sollen es richten, vor allem im Angriff und im Mittelfeld. Für das Sturmzentrum holte der FCN den jungen Tschechen Tomas Pekhart von Sparta Prag und das auch von vielen anderen Vereinen umworbene Talent Alexander Esswein (aus Dresden). Im Mittelfeld erwartet Hecking sich einiges vom 21-jährigen Daniel Didavi (vom VfB Stuttgart ausgeliehen) und von Markus Feulner. Der erfahrende Mittelfeldspieler kam in seinen zwei Jahren bei Borussia Dortmund kaum zum Einsatz, überzeugte aber im Pokalspiel gegen Bielefeld mit drei Treffern - ein glänzender Einstand. Auch Manuel Zeitz aus Saarbrücken trauen die Nürnberger eine große Entwicklung zu. Für die Abwehr wurde das Schweizer Talent Timm Klose verpflichtet.

Was ist gut?

Dieter Hecking hat bewiesen, dass er junge Spieler formen kann. Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Mit dem neuen Kapitän im Tor, Raphael Schäfer, Javier Pinola und Per Nilsson (beide Abwehr), Timmy Simmons und Jens Hegeler (Mittelfeld) sowie Christian Eigler (Angriff) gibt es in der Mannschaft erfahrende Spieler, die im Umbruch ein gewisses Maß an Stabilität garantieren. Die Vorbereitung lief sehr erfolgreich, die Nürnberger gewannen alle Testspiele, darunter 2:0 gegen Ajax Amsterdam. Positiv aufgefallen sind auch die beiden Talente Robert Mak und Markus Mendler. Das Duo hat sich weiterentwickelt und könnte in der neuen Saison richtig durchstarten.

Was ist schlecht?

Ein Aderlass an hochtalentierten Spielern, die maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben, ist immer riskant. Niemand kann garantieren, dass die Neuen vergleichbare Leistungen wie Gündogan, Ekici oder Schieber bieten. Die verbliebenen Talente (Chandler, Wollscheid) müssen erst beweisen, dass die vergangene Saison keine Ausnahme, sondern die Regel war. Der Trainer muss eine neue Einheit formen, Hierarchien brechen auf und müssen sich wieder neu finden. Im Sturm hängt vieles von Neuzugang Tomas Pekhart ab. Schlägt er ein, ist alles gut. Wenn nicht, fehlt ein zweiter Knipser.

Was ist möglich?

Es ist das alte Spiel: Die meisten Experten zählen die Nürnberger wieder zu den Abstiegskandidaten. Das sehen sie beim Club nicht viel anders. Das Ziel lautet 40 Punkte. Nur hegen die handelnden Personen vor Ort die (berechtigte) Hoffnung, dass die neue Saison ähnlich störungsfrei verläuft wie die alte - es muss ja nicht immer Platz sechs sein.

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