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Bundesliga-Check: Hannover 96: Die Diagnose heißt Stagnation

Der Cup der Verlierer? Nicht, wenn man Hannover 96 heißt. Das internationale Abenteuer der Roten könnte sogar noch zu einem Spiel gegen Manchester United oder City führen. Vernachlässigen Mirko Slomka und seine Spieler darüber den Ligaalltag?

Der Einzug in die KO-Runden der Europa League sorgt dafür, dass man in Hannover nicht von einer schlechten Hinrunde sprechen kann. Gemessen am langjährigen Erwartungsmittel ist der aktuelle Tabellenplatz sieben ohnehin im Bereich des Erwartbaren.

Über den internationalen Teilerfolgen hat 96 allerdings das Bundesligaalltagsgeschäft etwas vernachlässigt. Seit Ende August wurden noch drei Ligaspiele gewonnen: gegen Dortmund, Bremen und Bayern. Nach dem Bayernsieg gelang in sieben Spielen überhaupt kein dreifacher Punktgewinn mehr.

Aktuell wird der Club auch noch von einer bitteren Verletzungsserie heimgesucht, der neben Christian Schulz auch noch Mohammed Abdellaoue zum Opfer zu fallen droht. Gewiss kein Grund zur Panik, aber Anlass zur Frage, wohin die weitere Entwicklung von Hannover 96 geht.

So schön die internationalen Spiele für Spieler und Fans sind, so sehr viel wichtiger für die Enwicklung des Clubs wäre das erneute Erreichen der Europa League. Liegt man irgendwo im Niemandsland der Bundesligatabelle, wird es aber allen Beteiligten schwer fallen, tatsächlich diese Priorität zu setzen, wenn etwa ein Spiel gegen Manchester United oder Atlético Madrid vor der Tür stehen sollte und man zuvor noch gegen Kaiserslautern spielen muss. 

Falschester Satz aus dem Sommer-Check

(räusper). Mal ehrlich: Da war kein falscher Satz drin. In der Geschichte des deutschen Sportjournalismus hat es wenige falschere Einschätzungen gegeben als unsere Prognose vor der LETZTEN Saison. Aber vor DIESER Saison? Wir haben Platz zehn vorhergesagt. Momentan liegt Hannover von diesem Rang nur zwei Punkte entfernt. Bingo.

Größte Enttäuschung

Es wäre vielleicht zu billig, Didier Ya Konan alleine zum Gesicht der Hannoveraner Offensivschwäche zu machen. Der Stürmer eignet sich, rein statistisch gesehen, aber schon dafür. Nach 14 Toren in 28 Spielen der Vorsaison und einer Quote von 0,5 Treffern pro Spiel rangiert der Ivorer in der laufenden Spielzeit bei nur einem Tor aus 15 Spielen in der Gegend von 0,067 Treffern je Einsatz, wobei man berücksichtigen muss, dass Ya Konan oft nur eingewechselt wurde.

Das lag an der Stärke von Mo Abdellaoue, der neun von 20 Toren der Roten allein erzielte. Jan Schlaudraff war mit zwei Toren der einzige weitere Profi, der überhaupt mehr als einmal knipste. Moritz Stoppelkamps 25 Tore in der Sommervorbereitung versprachen viel, ebenso wie seine zwei Treffer im Pokal bei Anker Wismar. Doch in der Bundesliga liest sich die Bilanz des ehemaligen Oberhauseners inzwischen so: 35 Spiele, 0 Tore.

Bei nur 20 Toren insgesamt in der Liga (weniger als Schlusslicht Freiburg), kombiniert mit der extremen Abhängigkeit von Abdellaoue müssten jedenfalls eigentlich klar sein, in welchem Bereich bei Hannover Optimierungspotenzial besteht.

Hoffnungsträger

Eine wirklich schlechte Hinrunde hat Lars Stindl nicht gespielt. Seine sportal.de-Durchschnittsnote ist mit 3,47 im durchschnittlichen Bereich zu finden. Aber der Mittelfeldmann kann sicher mehr, als er bei seiner kläglich vergebenen Großchance in Augsburg im September zeigte. Seine Spielintelligenz und Flexibilität kann Mirko Slomka gut gebrauchen.

Stindl, Konstantin Rausch und Manuel Schmiedebach sind in ihrer Entwicklung leicht stagniert, ohne dabei (wie gesagt) enttäuscht zu haben. Von ihnen hat Stindl unserer Meinung nach am ehesten das Zeug dazu, in der Rückserie wieder durchzustarten und Hannover wieder neuen Drive zu geben, den das Team unter fortgesetzter Doppelbelastung zu brauchen scheint.

Prognose

Bei zehn Punkten Rückstand auf Platz vier muss man über die Champions League ohnehin nicht reden. Die Europa League ist nur drei Zähler entfernt, aber über Hannover rangiert momentan eigentlich kein Club, der schwächer als 96 einzuschätzen ist - zumal etwa Bremen keine Doppelbelastung zu verkraften hat. Blicken wir also nach unten: Der Relegationsplatz ist sieben Punkte entfernt. Keine Welt, aber unsere Diagnose lautet ja eher "Stagnation" als "Absturz". Mit anderen Worten: Der Patient wird wohl im Mittelfeld der Tabelle landen.

Daniel Raecke 

sportal.de / sportal

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