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Bundesliga-Check HSV: Alles ist möglich - in beide Richtungen

Wer war immer erstklassig? "Nur der HSV". Im Spätsommer 2011 sah es so aus, als sollte diese Parole nicht mehr lange gelten. Inzwischen steht es besser um die Rothosen. Geht da noch was in der Rückserie?

Dem schlechtesten Saisonstart in der Clubgeschichte folgten die üblichen Rituale in der Hansestadt. Anstatt zu versuchen, die konkreten Ursachen der schlimmen Bilanz (ein Punkt aus sechs Spielen) zu identifizieren, wurde von vielen Fans und Medien alles rund um den Club nach dem Gießkannenprinzip verdammt.

Der Sportdirektor kenne den deutschen Fußball gar nicht (so Uwe Seeler und Jens Lehmann), die wenigen im Kader verbliebenen Profis sollten schnellstmöglich auch verkauft werden, die Neuzugänge seien alle nicht gut genug, Jaroslav Drobny der schlechteste Keeper der Liga, und so weiter.

Als Frank Arnesen dann seinen Fehler in der Cheftrainerfrage korrigiert hatte, wurden die Versuche des Dänen erst kritisiert (er hatte Michael Oenning zunächst noch sein Vertrauen ausgesprochen, ihn dann aber doch gefeuert), später ins Lächerliche gezogen (die geplante Verpflichtung von Thorsten Fink nach einer Übergangsphase mache alles inzwischen nur noch schlimmer).

Doch der HSV, der unter Oenning fünf von sechs Spielen verloren hatte, unterlag in den restlichen elf Hinrundenspielen nur noch ein einziges Mal. Anscheinend war nicht alles katastrophal. Gemessen an den extremen Umbaumaßnahmen auf allen Ebenen des Clubs erscheint der aktuelle Rang 13 sogar fast schon das Soll darzustellen. Wie aber geht es weiter an der Alster?

Größte Enttäuschung

Viele waren vor der Saison skeptisch, was die Eignung Michael Oennings als Bundesligatrainer angeht. Problem: Sein erstes Spiel gegen Köln hatte er überzeugend gewonnen, kurz darauf wurde er zum Cheftrainer ausgerufen. Als die neue Saison dann vor der Tür stand, sah sich der Coach schon einem gewissen Misstrauen ausgesetzt. Als der Start dann desolat ausfiel, hatte Oenning seinen verbleibenden Kredit schnell verspielt.

Gemessen an der Einschätzung der Fachwelt vor der Spielzeit war Oennings Scheitern vielleicht keine Riesensensation. Da er aber mit expliziter Rückendeckung von Sportdirektor Frank Arnesen und des Vorstands zum Cheftrainer eines Bundesligisten gemacht wurde, muss Oenning als größte Enttäuschung der Hamburger Hinrunde gelten. Als er ging, wurde fast alles besser.

Hoffnungsträger

Verzeihen Sie bitte die Auswahl der offensichtlichsten Kandidaten in den Kategorien "Enttäuschung" und "Hoffnungsträger". Aber natürlich dreht sich alles um Thorsten Fink, der nach fünf Niederlagen in sechs Oenning-Spielen ungeschlagen durch seine ersten acht Punktspiele steuerte. Wirklich toll sieht das Spiel der Hamburger dabei nicht immer aus, aber dass eine Mannschaft punktet, ohne dabei zu überzeugen, ist eine Qualität, die im Abstiegskampf nicht gerade gegen die Rothosen spricht.

Dazu verkörpert Fink kraft seiner Vergangenheit als Bayern-Profi, Champions League-Sieger und Meistertrainer die Erfolgsorientierung, die sich die HSV-Fans ersehnen, warten sie doch schon länger auf einen Titel als die 12 deutschen Clubs, die seit 1987 Titel geholt haben: Leverkusen, Bayern, Dortmund, Mönchengladbach, Frankfurt, Kaiserslautern, Nürnberg, Hannover, Schalke, Stuttgart, Wolfsburg und Bremen.

Moment mal, Titel? Ist das nicht etwas vorschnell? Nicht, wenn es nach den HSV-Fans geht. Sicher, aktuell wäre ein Mittelfeldplatz am Ende der Saison ganz erfreulich, aber auf Dauer denkt der Hamburger nicht: "Wäre schön, wenn wir uns dauerhaft in der Bundesliga etablieren könnten". Denn dauerhaft in der Bundesliga etabliert ist nach HSV-Lesart ja nur der HSV.

Prognose

Der Aufwärtstrend ist nicht von der Hand zu weisen, aber sicher gerettet sind die Hamburger bei drei Punkten Vorsprung auf Platz 16 natürlich nicht. Sollte das Umfeld bei einem etwaigen schlechten Rückrundenstart (immerhin mit Auftaktheimspielen gegen Dortmund und Bayern) die Nerven verlieren, ist in Hamburg immer alles möglich, aber es spricht wenig dafür, dass Fink, Arnesen und Jarchow die Nerven verlieren. So gesehen sehen wir die Mannschaft am Saisonende sogar noch etwas höher platziert als aktuell.

sportal.de/sportal

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