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Bundesliga im Check: 1. FC Kaiserslautern: Flucht nach hinten

Aufsteiger Kaiserslautern geht mit einem arg durcheinander gewirbelten Kader in die neue Saison. Verbessert haben sich die Pfälzer nicht unbedingt. Jetzt kommt alles auf ihre Defensive an.

Von Daniel Barthold

Was ist neu?
Neue Liga, neues Logo, neuer Kader: Kaiserslautern geht stark verändert in die Bundesliga-Saison. Zum einen verziert das neue Vereinswappen im Retro-Stil die Trikots der Pfälzer. Und dann - weit gravierender - gibt es 13 Zugänge und 15 Abgänge beim Aufsteiger. Bitter: Unter den Abgängen befinden sich drei Leistungsträger des souveränen Aufstiegsjahres. Die torgefährlichen Erik Jendrisek, wechselte zu Schalke, und Sidney Sam, nun in Leverkusen, reißen ein großes Loch in das Spiel nach vorne. Auch Mittelfeldmann Georges Mandjeck, der zu Stade Rennes ging, war eine Stammkraft.

Christian Tiffert, der vom MSV Duisburg kam und einen hochmotivierten Eindruck hinterlässt, soll die Lücke schließen, genauso wie Chadli Amri, Neuzugang aus Mainz. In der Abwehr ist der Tscheche Jan Simunek vom VfL Wolfsburg mit 900 000 Euro Ablöse der teuerste Neuzugang. Mittelfeldmann Stiven Rivic, der aus Cottbus kam, soll ebenfalls der neuen Startelf angehören. Der 23-jährige Stürmer Erwin Hoffer gilt als Talent und spielt in der österreichischen Nationalmannschaft.

Was ist gut?
Die Abwehr. Das Defensivspiel der Lauterer, inklusive Torwart Tobias Sippel, war Hauptgrund für den Aufstieg. Martin Amedick, Florian Dick, Rodnei und Alexander Bugera sorgten dafür, dass der FCK nur 28 Gegentore in der vergangenen Spielzeit kassierte – das ist Spitze im deutschen Profi-Fussball. Rodnei und Amedick fehlten dabei keine einzige Sekunde. Können die Lauterer ihre Stärken in der Abwehr auch in der Bundesliga umsetzen, was ungleich schwieriger wird als in Liga Zwei, wird der ein oder andere Favorit straucheln. Zumal es am Betzenberg eine ganz besondere Atmosphäre gibt. Viele große Klubs hatten dort schon weiche Knie – die Bayern beispielsweise in Serie. Das treue Publikum in Kaiserslautern kann am Ende ein entscheidender Faktor für den oder anderen Heimsieg sein - und somit auch für das große Ziel: der Klassenerhalt.

Zudem stimmt das Umfeld in der Pfalz wieder. Nach den Chaos-Jahren unter den Präsidenten "Atze" Friedrich und René C. Jäggi sind mit Trainer Marco Kurz und Vorstandschef Stefan Kuntz glaubhafte Personen am Werk, die besonnen agieren und anerkannt sind. FCK-Idol Kuntz ist ist der richtige Mann, um den Verein wirtschaftlich und sportlich zu konsolidieren. So ruhig wie im vergangenen Jahr war es beim FCK lange nicht mehr.

Was ist schlecht?
Die Offensive. Jendrisek und Sam sind weg, Tiffert und Amri sind kein adäquater Ersatz. Ob im Sturm Srdjan Lakic und Adam Nemec den Verlust kompensieren können, bleibt äußerst fraglich. Viele junge Spieler im Kader müssen erst beweisen, ob sie bundesligatauglich sind. So wichtig eine starke Defensive auch ist, sollte der FCK vorne nichts bewegen, wird es schwierig, die 40-Punkte-Marke zu erreichen.

Dass der Kader derart durcheinander gewirbelt wurde und es so viele Abgänge gab, ist nach einem Aufstieg ungewöhnlich und könnte vor allem beim Start für Probleme sorgen. Neuzugänge wie Stiven Rivic, Jan Simunek oder Christian Tiffert haben schon in der Bundesliga gespielt - aber mit höchst unterschiedlichem Erfolg. Simunek, 2008/09 als Stammspieler mit Wolfsburg noch Meister, hat ein schlimmes Jahr hinter sich. Wenn er überhaupt spielte, dann meist schwach. Rivic erwies sich in zwei Bundesligajahren als harmlos, trumpfte gegen Ende der vergangenen Zweitligasaison in Cottbus aber immerhin groß auf. Tiffert war in den vergangenen beiden Jahren ein solider Zweitligaspieler - mehr nicht. Fazit: Beim Saldo aus Zu- und Abgängen schneidet Lautern schlecht ab.

Was ist möglich?
Für den Aufsteiger gibt es nur ein Ziel: den Klassenerhalt. Dort kommt es auf Kleinigkeiten an. Schlagen die Neuzugänge besser ein als zu erwarten ist, dann ist Platz 15 drin. Findet das neue Team nicht zueinander, wird es dagegen schwierig. Die Mannschaft geht mit dem positiven Erlebnis Aufstieg in die neue Saison – das ist gut. Qualitativ sind Teams wie Mainz, Hannover und auch St. Pauli etwas besser besetzt – das ist schlecht. Extrem wichtig für den FCK: Das Trio Sippel/Rodnei/Amedick muss den Laden hinten dicht und den Betzenburg so zu einer Festung machen. Klappt das nicht, wird Lautern absteigen. Es wird also ganz eng.

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