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Bundesliga im Check: Eintracht Frankfurt: Der Fluch des Mittelmaßes

Nach der WM ist vor der Bundesliga: stern.de analysiert die 18 Erstliga-Klubs. Wir starten mit dem Traditionsklub Eintracht Frankfurt. Dort klaffen die Ansprüche bei Fans und Verantwortlichen weit auseinander. Die Neuzugänge machen wenig Hoffnung - die gute Frühform schon.

Von Daniel Barthold

Was ist neu?
Die Eintracht hat sich auf griechische Art verstärkt. Theofanis Gekas kommt für eine Million Euro Ablöse von Ligakonkurrent Bayer Leverkusen. In der vergangenen Saison war Gekas an Absteiger Hertha BSC Berlin ausgeliehen und dort einer der stärksten Akteure - was allerdings nicht allzu schwer war. Immerhin traf er in 17 Spielen sechs Mal. Bei der WM 2010 konnte er mit Griechenland allerdings überhaupt nicht überzeugen.

Als Ersatz für Kapitän Christoph Spycher, der zurück in die Schweiz zu Young Boys Bern wechselt, verpflichteten die Hessen Giorgos Tzavelas von Panionios Athen. Der linke Außenverteidiger kostete 1,2 Millionen Euro. Neben Spycher verlässt auch Nikos Liberopoulos die Eintracht gen Heimat. Liberopoulos heuert bei AEK Athen an. Auch der langjährige Keeper Markus Pröll verlässt Frankfurt - mit unbekanntem Ziel.

Was ist gut?
Die Eintracht spielt solide - um es positiv auszudrücken. Zwischenzeitlich klopfte die Elf von Michael Skibbe sogar an die internationalen Plätze. Vorteil des Teams: es ist eine Einheit. Spielt die Eintracht defensiv, beißen sich auch starke Gegner die Zähne aus, was Siege gegen Clubs wie Bayern und Werder zeigen. Maik Franz, Patrick Ochs und Benjamin Köhler sind defensiv stark, setzen aber auch immer wieder vorne Akzente. Alexander Meier war nie so torgefährlich wie in der vergangenen Saison, und auch von Halil Altintop ist einiges zu erwarten. Somit ist Frankfurt auch gegen große Klubs für eine Überraschung gut. Zudem sind die Frankfurter in guter Frühform, was der Sieg im Freundschaftsspiel gegen den FC Chelsea am Sonntag (2:1) verdeutlicht.

Die Verantwortlichen setzen zudem auf Planungssicherheit. Keine großen finanziellen Sprünge, sondern ein kontinuierliches Verbessern ist das Ziel - ohne rote Zahlen zu schreiben. So hat sich die Eintracht zumindest in der vergangenen Saison vom Abstiegskampf distanziert. Davon träumen sie in Nürnberg, Köln oder Hannover schon länger. Auch positiv: Die Fans der Eintracht gehören zu den Lautstärksten der Liga. Trotz hoher Ansprüche sind die Zuschauerzahlen stabil.

Was ist schlecht?
Die Eintracht spielt recht langweilig - um es negativ auszudrücken. Zu langweilig jedenfalls für das Umfeld in Frankfurt, das seit jeher Großes erwartet und lieber die alte "Diva" wiedersehen will. Viele Fans wünschen sich eine Glamour-Offensiv-Ära wie die von Anthony Yeboah, Jay-Jay Okocha und Maurizio Gaudino in den 90ern zurück. Dies ist für die Eintracht, die 2005 noch in der Zweiten Liga spielte, jedoch schwer realisierbar. Das weiß auch Manager Heribert Bruchhagen, der oftmals auf die Euphoriebremse tritt. Coach Skibbe hat schon in der letzten Saison mehr Investitionen in Spieler gefordert. Dies stieß bei Bruchhagen auf wenig Verständnis. Sollte es in dieser Saison mal nicht laufen, könnte es wieder zu Spannungen zwischen Skibbe und Bruchhagen kommen. Eine Garantie, nicht in den Abstiegskampf reinzurutschen, haben die Frankfurter nicht.

Großes Manko: bei den Neuzugängen ist kein Hochkaräter dabei. Somit tritt die Eintracht etwas auf der Stelle. Mahnendes Beispiel: Hertha BSC, das nach katastrophaler Transferpolitik in der vergangenen Saison abstieg. Zudem ist die Mannschaft zu inkonstant, kann vermeintlich schwächeren Teams aufgrund spielerischer Limitiertheit nicht ihren Stempel aufdrücken. Siegen gegen die Großen wie Bayern München, Werder Bremen und Bayer Leverkusen folgten in der vergangenen Saison Pleiten gegen Hannover, Gladbach oder Köln.

Was ist möglich?
Die Mannschaft ist stark genug, sechs oder sieben Teams hinter sich zu lassen, mehr als Platz acht oder neun ist aber unrealistisch. Viele Frankfurter erwarten jedoch endlich einen Sprung nach vorne. Dafür ist aber nicht genug investiert worden, und so kann es zu Missstimmungen kommen. Dann läuft die Eintracht Gefahr, in die Abstiegszone zu rutschen. Die Stimmung innerhalb der Mannschaft muss stimmen und die Heimspiele in der Commerzbank-Arena müssen zum Großteil gewonnen werden, dann kann Frankfurt die gute Saison aus dem Vorjahr wiederholen - aber nur dann. Es könnte ein heikles Jahr für die Eintracht werden.

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