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Bundesliga im Check: Hannover 96: Neue Hoffnung nach dem Horror

Hannover 96 will nach einer problematischen Saison die Aufbruchstimmung des furiosen Finales nutzen. An Neuzugängen wurde diesmal gespart - dafür sollen sich spektakuläre Einkäufe der Vergangenheit endlich bezahlt machen.

Von Daniel Barthold und Dirk Benninghoff

Was ist neu?
Viel Spielraum bei Transferns war finanziell nicht da - und vielleicht ist das nach diversen teuren Fehlschlägen der Vergangenheit ganz gut so. Moritz Stoppelkamp war in der vergangenen Saison einer der torgefährlichsten Mittelfeldspieler - allerdings nur in der Zweiten Liga. Er kommt von Rot-Weiß Oberhausen. Zweitklassig kickte auch der Österreicher Emanuel Pogatetz, der in der ersten Elf bei 96 bereits gesetzt ist. Er hat in England bei Middlesborough gespielt, und wer von der Insel kommt, genießt in Deutschalnd zunächst einmal Respekt. So sagen Mannschaftskollegen über den Neu-Hannoveraner: "Der könnte auch Türsteher sein." Mit Markus Miller holten die 96er auch einen neuen Torhüter. Der ehemalige Karlsruher ist zwar nur als Nummer zwei hinter Florian Fromlowitz geplant, könnte diesem aber durchaus gefährlich werden. Für das Mittelfeld kommt der Portugiese Carlitos vom FC Basel, der beidfüßig stark ist.

Einige prominente Namen haben Hannover verlassen: Das größte Talent, Jan Rosenthal, wechselt nach desaströser Saison zu Ligakonkurrent SC Freiburg, Publikumsliebling Jiri Stajner lässt seine Karriere in der tschechischen Heimat ausklingen und Eckpfeiler Arnold Bruggink, ganz stark im Saisonfinale, verlässt den Verein ohne Ziel. Hanno Ballitsch geht nach Leverkusen zurück.

Was ist gut?
In Hannover herrscht nach dem starken Saisonfinale Aufbruchstimmung. Der Tod von Robert Enke belastet nicht mehr so stark wie über weite Strecken der vergangenen Saison. Das Trainingslager in Österreich lief gut - und einige Hoffnungsträger zeigen sich in bester Frühform: Torwart Florian Fromlowitz, den der Freitod von Enke besonders mitgenommen hatte, tut die neue Konkurrenz gut. Er kommuniziert mehr, wirkt selbstbewusster. Stürmer Jan Schlaudraff ist jetzt schon die positive Überraschung der Vorbereitung.

Auch der bislang ebenfalls maßlos enttäuschende Mikael Forssell darf sich wieder Hoffnungen auf Einsätze machen. Die großen Fehleinkäufe der vergangenen Jahre - Schlaudraff und Forssell - könnten 96 also in diesem Jahr nach vorne bringen. Wie auch Steven Cherundolo. Der ist jetzt Kapitän, hat Bruggink ersetzt. Der US-Amerikaner überzeugte bei der WM 2010 - und will den Schwung aus Südafrika mit in die neue Saison nehmen.

Was ist schlecht?
In Hannover war zuletzt vieles schlecht. Doch am schlimmsten stand es um die Abwehr - auch mit Robert Enke im Tor. 96 kassierte mit 67 Gegentoren die meisten aller Bundesliga-Klubs – und das zum zweiten Mal in Folge. Auch im jüngsten Testspiel gegen den FC Valencia (1:2) kassierten die Niedersachsen wieder vermeidbare Tore. Hier ruhen die Hoffnungen jetzt auf Pogatetz und Fromlowitz. Dem in der vergangenen Saison geradezu desaströs agierenden Mario Eggimann wird man als 96-Fan keinen Stammplatz wünschen, auch Karim Haggui wird kein Klassemann mehr.

Über eine kompakte Defensive wird man sich in Hannover wohl weiter nicht freuen können, wozu allerdings auch das Mittelfeld beiträgt. Pinto spielt zwar Sechser, setzt seine Glanzpunkte aber zumeist im Offensivspiel. Youngster Manuel Schmiedebach ist noch nicht konstant genug.

Zudem gilt das Verhältnis zwischen Manager Schmadtke und Coach Slomka als gestört. Vor dem Spiel gegen Valencia appellierte 96-Präsident Martin Kind bereits an beide Seiten, die Kommunikation zu verbessern. Bei Misserfolg könnte dies für Unruhe sorgen. Das schlechte Klima hat in Hannover schon häufiger die Mannschaft gebremst.

Was ist möglich?
Der Klassenerhalt ist drin. Wiegt man Zu- und Abgängen gegeneinander ab, so ist das Ergebnis zwar eher negativ. Aber bei einigen Spielern aus dem alten Kader ist noch viel Potenzial da. So macht Schlaudraff Hoffnung.

Die Spieler wissen jetzt, wie hart der Abstiegskampf ist und haben nervlich im vergangenen Jahr viel durchgemacht. Das stählt. 96 wird diesmal nicht so kalt erwischt werden, wenn man unten reinrutscht. Eine derart schlimme Serie, wie zwischen Oktober 2009 und März 2010, sollte sich nicht wiederholen. Die Niedersachsen bleiben souveräner in der Liga als in der vergangenen Saison - ohne große Ambitionen anzudeuten.

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