Bundesliga-Kommentar "Größter anzunehmender Seuchenfall"


14 Pflichtspiele ohne Sieg, Platz 17 in der Liga: Beim HSV gehen langsam aber sicher die Lichter aus. Und dennoch sitzt Trainer Thomas Doll weiter fest im Sattel - richtig so!
Von Klaus Bellstedt

Das stand der Klub-Boss nun wie ein begossener Pudel in den Katakomben der AOL-Arena und diktierte den Journalisten Durchhalteparolen und Treuschwüre in die Blöcke. Jedes Wochenende macht Bernd Hoffmann das. Gut möglich, dass der HSV-Präsident an diesem Dienstag nach dem schweren Champions-League-Auswärtsspiel beim FC Porto das wieder macht. Denn nichts deutet bei den Hamburgern nach dem 1:2 gegen Schalke und dem 14. sieglosen Pflichtspiel in Folge auch nur ansatzweise auf eine Wende hin.

"Es war der größte anzunehmende Seuchenfall in Tateinheit mit Dummheit", sagte Hoffmann. Stürmer Sanogo durfte sich zu Recht angesprochen fühlen. Er war es, der den Elfmeter kläglich versemmelte. Oder Raphael Wicky, der mir seinem stümperhaften Einsteigen die Schalker Führung verbockte. Ganz bestimmt auch David Jarolim, der mit Gelb-Rot vom Platz flog - als siebter Hamburger in dieser Saison! Richtig ist: Für die Dummheit der Spieler kann der Präsident nichts. Für die dramatische Gesamtsituation um die mittlerweile auf Platz 17 abgerutschten "Rothosen" aber sehr wohl.

Das Präsidenten-Dilemma

Hoffmann war es, der sich - aber vor allem dem Bundesliga-Dino - ins eigene Fleisch schnitt, als er mit Van Buyten und Boulahrouz die eingespielte Innenverteidigung verscherbelte, der Führungsspieler wie Barbarez und Beinlich ziehen ließ. Neue gleichwertige Spieler wurden dafür zwar an die Elbe geholt. Das natürlich zusammengewachsene Mannschaftsgefüge aber zerstört. Thomas Doll kann dafür nichts. Und wenn der Trainer nicht von sich aus das Handtuch schmeißt, dann darf er auch die nächsten zehn Spiele verlieren. Doll ist einer der wenigen, der mit Liebe, Leidenschaft und Überzeugung die HSV-Farben vertritt. Schon deshalb gilt er als unkündbar.

Der Präsident befindet sich in einem Dilemma: Mit jeder weiteren Niederlage wird ihn sein schlechtes Gewissen für eine völlig verfehlte Personalplanung mehr plagen. Hoffmann wird versuchen, die Sache auszusitzen. Er wird nicht von sich aus den Hut nehmen, sondern vielmehr beten, dass sich beim HSV so schnell wie möglich wieder der Erfolg einstellt. Das hieße, dass auch der Klub-Boss weiter im Amt bliebe. Ob das dem Gesamtwohl des Traditionsvereins allerdings zuträglich wäre, darf nicht erst seit heute bezweifelt werden.


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