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Bundesliga-Kommentar: "Viva Colonia"

Es war das Wochenende der verpassten Möglichkeiten, aber nur für das Führungsquartett. Im Tabellenkeller herrscht dagegen Hochspannung. Vor allem der 1. FC Köln wehrt sich mit Macht gegen den Abstieg - dank Lukas Podolski.

Von Klaus Bellstedt

So richtig als Verlierer musste sich keiner der großen Vier fühlen. Auf dem Weg zum Meistertitel ließen die Münchener beim 2:2 in Mainz zwar zwei Punkte liegen, bauten ihren Vorsprung auf den ärgsten Verfolger, den HSV, aber trotzdem aus. Das lag an den hanseatischen "Rothosen", die durch die 0:2-Heimpleite gegen starke Leverkusener, ihre sowieso nur noch marginal existierende Meisterschaftschance leichtfertig verspielten.

Trostpflaster für verpasste Träume

Richtig weh tat das der Doll-Truppe aber auch nicht, wofür wiederum der drittplatzierte Nordrivale Werder Bremen verantwortlich war. Die Grün-Weißen trennten sich im Spitzenspiel von Schalke 04 0:0-Unentschieden, aufgrund dessen der HSV wohl bis zum Saisonende nicht mehr von einem Champions-League-Platz zu verdrängen wäre.

Zum Heulen zumute war den Bremern nach dem Remis auch nicht. Immerhin hatten sie es geschafft, ihren einzigen Konkurrenten im Kampf um den begehrten dritten Platz, der die Teilnahme an zwei Qualifikationsspielen zur Königklasse bedeutet, auf Distanz zu halten. Schalke hatte dieses Ziel schon in der Vorwoche ad acta gelegt. Es gibt Wichtigeres dieser Tage bei den Königsblauen: Am Donnerstag spielt die Mannschaft von Trainer Mirko Slomka beim FC Sevilla um den Einzug ins Uefa-Cup-Finale - eine Art Trostpflaster für verpasste Champions-League-Träume.

Zittern im Keller

Echte Spannung zieht die Bundesliga - realistisch betrachtet - schon länger nicht mehr aus dem Kampf um die Meisterschaft. Dass uns deshalb aber nach dem viertletzten Spieltag noch lange nicht langweilig werden muss, liegt am Abstiegskampf. Nicht an der Spitze, im Tabellenkeller geht's heiß her. Allein der MSV Duisburg muss sich schon wie ein Absteiger fühlen. Köln und Kaiserslautern dürfen nach ihren Siegen vom Wochenende wieder hoffen, Mainz, Wolfsburg und Frankfurt zittern weiter. Halleluja, wird das ein Saisonfinale!

Besondere Erwähnung hat sich nach dem 31. Spieltag der eigentlich schon totgesagte 1. FC Köln verdient - in Person von Lukas Podolski. Der Aufschwung der "Geißböcke" trägt seinen Namen: Nur weil er wieder in Topform ist, hat der FC noch eine Minichance auf den Klassenerhalt. Beim 3:1 gegen Duisburg lieferte Poldi eine Gala ab. Zwei Tore aufgelegt, das dritte schoss der Kapitän selbst. Erst der Klassenerhalt, dann der Abschied zum FC Bayern . Es wäre ein märchenhaftes Happy End für den "Prinzen" - und eine persönliche Genugtuung.

"Haben den Abstieg nicht verdient"

Lukas Podolski, der sich unlängst noch von den eigenen Fans auspfeifen lassen musste, hat sich gegen alle Widrigkeiten aus dem persönlichen Tief gekämpft. Er hat sich wieder zum Leader seines Teams aufgeschwungen und nähert sich (Achtung: angenehmer Nebeneffekt) seiner WM-Form.

Am kommenden Dienstag geht die furiose Aufholjagd der Kölner weiter. Dann muss der HSV in der vielleicht stimmungsvollsten Arena der Bundesliga antreten. "Wir haben den Abstieg nicht verdient", sagt Lukas Podolski. Worte, die derzeit wie eine ernstzunehmende Drohung klingen.

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