Bundesliga-Kommentar Es menschelt in der Liga


Roy Makaay versiebte im bayerisch-fränkischen Derby eine tausendprozentige Torchance - irgendwie sympathisch der Kerl. Genauso wie Patrick Owomoyela, dem Hauptdarsteller im "Pisser"-Zoff bei Werder Bremen.
Von Klaus Bellstedt

Es war die Szene des dritten Spieltages. Vielleicht war es sogar die Szene der Saison. 60.000 Bayern-Fans in der Münchener Arena und Millionen Fernsehzuschauern stockte der Atem, als Roy Makaay in der 48. Minute des bayerisch-fränkischen Derbys den Ball aus kaum drei Metern vorbei am verwaisten "Club"-Tor nur ans Außennetz gurkte. Genauer gesagt stockte er ihnen erst beim zweiten Mal hinsehen. Im Stadion jubelten sie zunächst. Auch weil der DJ den Zillertaler Hochzeitsmarsch, Bayerns-Tormusik, bereits angespielt hatte.

Nach wenigen Takten verstummte die schöne Rummtata-Musi aber abrupt. Und jetzt war allen klar, dass sich dort unten auf dem saftigen Grün gerade ein fußballerischer Alptraum abgespielt haben musste. Roy Makaay, der arme Tropf, erstarrte nach dem Schlappschuss des Jahres zur Salzsäure. Der Holländer schlug die Hände vors Gesicht und stammelte hinterher in die Mikrofone, dass er es nicht fassen konnte, dass der Ball daneben ging.

"Kein Pisser fasst mit an"

Zum Glück gehört der Bayern-Stürmer zu jener Gattung Mensch, die über ein gewisses Maß an Humor verfügt. Das lässt den vom Boulevard kurzerhand zu "Roy Vorbaay" umgetauften Chancentod die Sache sicher schneller verarbeiten, als manch anderen aus seiner Berufsgruppe. Zu wünschen wäre es dem sympathischen Gemütsmenschen. Allein schon deshalb, weil sich Millionen Amateur-Kicker in diesem Land nach der Szene des Jahres eigentlich ganz doll getröstet fühlen müssten...

Apropos Gemütsmensch: Werders Patrick Owomoyela ist eigentlich auch so einer. Am Wochenende ist dem Nationalspieler nun der Geduldsfaden gerissen. Als er nach dem 0:2 auf Schalke von Manager zum Kisten-Schleppen aufgefordert wurde ("Du fasst die Kisten da jetzt sofort mit an!"), motzte "Owo": "Da sind noch 20 andere in der Kabine. Aber kein Pisser fasst mit an!" Die "Pisser" sind für Owomoyela vor allem "ein paar jüngere Herren", die schon lange Zeit nicht mehr mit anpacken".

Menschelnde Profis

Die verbale Entgleisung des sonst stets freundlichen und hoch veranlagten Außenverteidigers mit der Knuddel-Frisur hat - Sie ahnen es sicher auch schon - selbstverständlich andere Gründe. Nämlich diese: Erst das bittere WM-Aus auf der Zielgeraden. Jetzt den Stammplatz an Neuzugang Clemens Fritz verloren. Null Minuten Einsatz in dieser Saison. Der geplatzte Kragen als logische Konsequenz aus anhaltender Unzufriedenheit. Kann man verstehen, oder? Roy Makaay und Patrick Owomoyela: Der eine versagt kläglich vor dem Tor, der andere vergisst für einen Moment die gute Kinderstube. "Owo" und "Roy Vorbaay": Zwei millionenschwere Fußballprofis - und doch nur zwei aus dem wahren Leben.


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