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Bundesliga-Rechte: DFL eröffnet TV-Poker

Mit der Vergabe der begehrtesten Sportrechte in Deutschland, will die DFL einen Rekorderlös erzielen. Experten rechnen mit einer Summe in Höhe von 400 Millionen Euro.

Der größte Fernseh-Poker um die Bundesliga- Rechte ist eröffnet. Die Deutsche Fußball Liga (DFL) schrieb am Dienstag insgesamt 233 Rechte-Pakete für maximal drei Spielzeiten mit Beginn der Saison 2006/07 aus. Insgesamt 35 Nachfrager, darunter acht TV-Sender und 16 Agenturen, haben sich laut DFL-Geschäftsführer Christian Seifert registrieren lassen. Die Bewerber können ihre Angebote bis zum 1. Dezember, 12.00 Uhr, abgeben. "Die Rechtevergabe kann bereits vor Weihnachten abgeschlossen sein", sagte Liga-Chef Werner Hackmann.

"Die audiovisuellen Rechte sind für unsere Vereine die wichtigste Refinanzierungs-Quelle, um in Europa wettbewerbsfähig zu sein", unterstrich Hackmann die Bedeutung der anstehenden Verhandlungen. Zahlen über den angestrebten Gesamterlös nannten weder er noch Verhandlungsführer Seifert. Bisher erhielt die DFL 302 Millionen Euro pro Jahr aus den bestehenden TV-Verträgen mit ARD/ZDF, DSF und Premiere. Sie laufen im kommenden Sommer aus. TV-Experten erwarten rund 400 Millionen Euro aus der neuen Ausschreibung, die wegen der EU-Vorschriften äußerst komplex und kompliziert ist.

Aufstockung auf 20 Mannschaften kein Thema

Kernpunkt des Vergabeverfahrens sind drei Regelspielpläne mit jeweils zwei unterschiedlichen Verwertungsszenarien. Beim Spielplan A bleibt die bisherige Aufteilung der Bundesliga-Partien auf Samstag (7 Spiele) und Sonntag (2) bestehen. Die Free-TV-Zusammenfassung der Sonntag-Spiele soll aber erst nach 22.00 Uhr erfolgen. Bei anderen Modellen sind als Neuerung ein Freitag-Spiel um 20.30 Uhr und eine Samstags-Partie um 18.30 als "Match of the Day" ausgeschrieben. Beide Begegnungen können sowohl von Free-TV-Sendern als auch von Pay TV- Anbietern für Live-Übertragungen erworben werden.

"Das höchste Gebot erhält nicht automatisch den Zuschlag. Andere Vergabe-Kriterien sind die redaktionelle Kompetenz, die Zuschauer- Reichweite, die Bonität des Bieters und die Akzeptanz der Fans", betonte Seifert. Die DFL-Führung, die zuvor die Manager der 36 Proficlubs über die Ausschreibung informiert hatte, hält in allen Rechte-Paketen grundsätzlich am Kernspieltag Samstag (15.30) fest. "Die Aufstockung der Bundesliga auf 20 Mannschaften ist für uns derzeit kein Thema. Es wird auch keine Relegationsspiele geben", sagte Hackmann.

Zweite Ausschreibungsrunde möglich

Bei allen Verwertungsszenarien soll die Position des Pay TV gestärkt werden. Der Abo-Sender Premiere, der bisher 180 Millionen Euro pro Saison zahlt, ist bereit, für mehr Exklusivität mehr Geld auf den Tisch zu legen. Neben Premiere soll auch Kabel Deutschland um die Pay-TV-Rechte bieten. Aber auch für frei empfangbare Sender wie ARD, ZDF, RTL oder DSF ergeben sich neue Möglichkeiten. "Alle Bundesliga-Spiele sind live im Free-TV oder Pay TV ausgeschrieben", sagte Seifert.

Die DFL will das Vergabeverfahren, dem eine umfassende Situations- Analyse vorausging, auch in den kommenden Wochen "offen und transparent" darstellen. Nicht zuletzt, weil sich unter den 35 Bietern acht börsennotierte Unternehmen befinden. Im Angebot befinden sich auch zwei Internet-Pakete und drei Ausschreibungen für die Auslandsrechte. "Wir möchten ein optimales Ergebnis im Geflecht zwischen Fans, Clubs und Nachfragern erzielen", sagte Seifert. Alles ist möglich, sogar eine zweite Ausschreibungsrunde, falls der TV- Poker beim ersten Anlauf nicht zum gewünschten Erfolg führt.

DPA

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