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Bundesliga: Renaissance des Nord-Süd-Gipfels

Kaum vorstellbar, aber wahr: Der sechsmalige Meister aus dem Norden und der 19-fache Champion aus dem Süden stehen sich noch einmal als die zwei besten Teams der Liga gegenüber. Und: Ballack wird von Anfang an mit von der Partie sein.

"Ein Spiel wie dieses hat es seit Jahren in Hamburg nicht gegeben", sagte Vorstandschef Bernd Hoffmann vom Hamburger SV am Tag vor dem Spitzenspiel an diesem Samstag zwischen dem Tabellen-Zweiten und dem gejagten deutschen Meister Bayern München. Ihre Bilanz von 16 Pflichtspielen ohne Niederlage wollen die Hanseaten ausbauen und damit der neuen Rekord-Marke des Rekord- Champions ein Ende setzen: 15 Mal haben die Münchner in der deutschen Eliteliga nacheinander gewonnen.

HSV ganz cool

"Ich sehe keinen Grund, warum es in Hamburg passieren sollte", gab sich Bayern-Coach Felix Magath vor der Rückkehr an die alte Wirkungsstätte mit Blick auf eine mögliche Niederlage cool. Er kann wieder auf Nationalspieler Michael Ballack bauen. "Michael wird von Anfang an dabei sein", kündigte er am Freitag vor dem Abschlusstraining des Tabellenführers in München an.

Die Münchner heimsten in gewohnter Manier Titel ein, Liga- Gründungsmitglied HSV döste vor sich hin. Seit der Amtsübernahme von Trainer Thomas Doll im Herbst vergangenen Jahres ist der Bundesliga- Dino aber aufgewacht.

Auf Augenhöhe mit den Bayern?

"Wir spielen gegen die überragende Mannschaft der Bundesliga", sagte Doll. "Für solche Spiele lebt ein Fußballer, dafür nimmt er viele Strapazen in Kauf." In den vergangenen Jahren lohnte sich die Mühe für die Hanseaten zu Hause nie: Seit dem 2:1 am 11. Februar 1996 gewann der HSV keines von neun Heimspielen gegen die Bayern mehr. Nur beim packenden 1:1 im Meisterschaftsfinale des Jahres 2001 gelang den Gastgebern durch Sergej Barbarez überhaupt ein Tor.

In dieser Saison scheint alles anders. Seit Wochen überschütten die Münchner den Nord-Rivalen mit Lobeshymnen, stempelten ihn zum Titelkonkurrenten und sorgten damit in Hamburg für "ein Gefühl der Demut sowie der stillen Zufriedenheit und nicht des Durchdrehens", sagte Hoffmann. Denn auf Augenhöhe mit den Bayern sind die Hanseaten bei weitem noch nicht. "Wir haben fast paradiesische Zustände", beschrieb deren Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge in der "Bild"-Zeitung.

Daumendrücken für den Norden

Fast die ganze Liga drückt den Norddeutschen die Daumen. "Jeder hofft natürlich, dass die Bundesliga etwas interessanter wird. Aber dafür sind wir nicht da. Wir machen unser eigenes Ding", betonte Doll, der auf die verletzten Spieler Mehdi Mahdavikia, Raphael Wicky und Collin Benjamin verzichten muss. Bei den Münchnern plagt sich Claudio Pizarro mit einer Oberschenkelprellung. Dagegen könnten Owen Hargreaves und Roque Santa Cruz in den Kader von Magath zurückkehren, für den der HSV der "wichtigste Club meiner Fußballer-Laufbahn" war.

Eine ganz besondere Freude wartet auf die HSV-Fans bei einem Erfolg ihrer Elf: 10.000 Liter Freibier lobte die Bitburger Brauerei als Siegprämie aus. Das Angebot der Brauerei steigt mit jedem Spieltag, an dem die Bayern nicht bezwungen werden, um weitere 1000 Liter. "Die Zeit ist da, die Bayern zu schlagen", versprach David Jarolim eine feucht-fröhliche Feier.

Christian Kunz/DPA / DPA

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