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Bundesliga: Siegloser Sonntag

Nach einem Gladbacher Doppelschlag konnte Hertha nach 70 Minuten Powerplay noch das Schlimmste verhindern. Auch Stuttgart und Frankfurt trennten sich Unentschieden.

Mit einer Energieleistung hat Hertha BSC den Absturz in der Fußball-Bundesliga verhindert. Nach einem 0:2- Rückstand schafften die Berliner gegen Borussia Mönchengladbach in einem dramatischen Spiel noch ein hochverdientes 2:2 (0:2). Yildiray Bastürk (68.) und Niko Kovac (76.) krönten mit ihren Treffern ein fast 70-minütiges Powerplay. Der Brasilianer Kahé (6.) brachte mit seinem ersten Bundesliga-Tor die Gäste in Führung. Den zweiten Gladbacher Treffer steuerte Berlins Nationalspieler Arne Friedrich (12.) mit seinem ersten Bundesliga-Eigentor bei.

"Ab der 13. Minuten haben wir so gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben. Leider stand es da schon 0:2", meinte Hertha- Trainer Falko Götz. "Wir hätten das Spiel sogar noch drehen können. Doch unser größtes Manko war die schlechte Chancenverwertung", analysierte er. Einen Tag vor der Mitgliederversammlung der Hertha sorgte das Remis aber immerhin für ein wenig Ruhe im Verein und verhinderte, dass neben der finanziellen auch noch eine sportliche Krise droht. Die Berliner (22 Punkte) rückten auf Rang fünf.

Sprung verpasst

Dagegen verpassten die Gladbacher (21) den Sprung auf den fünften Platz und rangieren weiter an siebter Stelle. "Insgesamt waren in der zweiten Halbzeit zu passiv gewesen und haben nicht mehr so gute Konter gefahren", ärgerte sich Borussia-Trainer Horst Köppel.

Sein Kollege Götz hatte auf die desolate Leistung seiner Mannschaft am Donnerstag im UEFA-Pokal gegen den RC Lens reagiert. Im Angriff setzte er auf zwei Spitzen und beorderte Marko Pantelic neben Nando Rafael in den Sturm. In der Abwehr wechselte Götz von einer Vier- auf eine Dreierkette.

Hertha optisch überlegen

Doch gerade diese Maßnahme ging vor 38 843 Zuschauern nach hinten los: Schon nach sechs Minuten konterten die Gladbacher die Berliner aus. Nach schönem Zuspiel von Oliver Neuville traf Kahé volley aus 12 Metern. Sechs Minuten später überwanden die Gäste die Hertha-Deckung ein zweites Mal. Der Norweger Hassan El Fakiri setzte sich auf der rechten Seite durch. Seinen von Dick van Burik abgefälschten Schuss aus zehn Metern ließ Hertha-Keeper Jens Fiedler abklatschen. Der Ball prallte Friedrich gegen das Bein und von dort ins Tor.

Hertha blieb zwar optisch überlegen, benötigte aber einige Zeit, um sich von dem Doppelschlag zu erholen. Ein 18-m-Schuss von Pantelic (23.) auf die Latte des Gladbacher Tores wirkte dann wie ein Weckruf. Die Gastgeber erspielten sich gegen die nur noch defensiv agierenden Borussen zahlreiche Möglichkeiten. Doch fehlten Kovac (31.), Bastürk (34.), Rafael (37.) und erneut Pantelic (45.+1) die letzte Konsequenz, um zum Torerfolg zu kommen.

Auch nach der Pause setzte Hertha voll auf Angriff. Die Gladbacher stellten ihre Offensivbemühungen fast ein und setzten auf Defensive. Erst nach 68 Minuten gelang es Bastürk mit einem 17-m-Schuss, das Borussia-Bollwerk zu überwinden. Berlin setzte weiter nach, hatte aber Glück, dass Hertha-Schlussmann Fiedler einen Schuss von Eugen Polanski (73.) prächtig parierte. Den Lohn für die Hertha-Bemühungen gab es am Ende durch Kovac (76.) per Kopf nach Marcelinho-Freistoß.

Die Schwaben weiter ohne Sieg

UEFA-Pokal-Held Danijel Ljuboja hat den einmal mehr enttäuschenden VfB Stuttgart vor der ersten Auswärtsniederlage der Saison in der Bundesliga bewahrt. Drei Tage nach seinem Doppelpack auf der europäischen Fußball-Bühne sorgte der 27 Jahre alte Stürmer am Sonntag mit seinem Tor in der 63. Minute für das 1:1 (0:1) bei Aufsteiger Eintracht Frankfurt und bescherte den Schwaben das neunte Unentschieden. Im 125. Duell der beiden Traditionsclubs erzielte Ioannis Amanatidis (19.) vor 41 500 Zuschauern zunächst die Führung für die Hessen. Während die Schwaben als Tabellen-Achter in den Südgipfel gegen Spitzenreiter Bayern München gehen, vergab die auf Rang 13 liegende Eintracht vor dem Duell beim Schlusslicht 1. FC Kaiserslautern eine gute Chance, sich ins gesicherte Mittelfeld abzusetzen.

Erstmals in dieser Saison verzichtete Stuttgarts Trainer Giovanni Trapattoni auf seine geliebte Rotation. Der Italiener vertraute jener Elf, die am Donnerstag bei PAOK Saloniki in letzter Minute mit 2:1 siegte. Und beinahe hätte sich dies ausgezahlt. Nach einer Viertelstunde hätte Jon Dahl Tomasson nach einem haarsträubenden Fehler des Schweizer Nationalspielers Benjamin Huggel beinahe die Führung für die Gäste erzielt. Doch nur vier Minuten später gab es die kalte Dusche in der Commerzbank-Arena: Nach einem Freistoß von Francisco Copado köpfte Amanatidis den Ball aus vier Metern ins Tor.

Ljuboa beinahe Liga-Held

Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel hatte elf Tag nach dem Fußball- Skandal beim Länderspiel zwischen der Türkei und der Schweiz sein Sorgenkind Huggel wieder aufgestellt. Der Schweizer, gegen den es Morddrohungen gab und gegen den ein FIFA-Verfahren läuft, machte seine Sache nach anfänglichen Schwierigkeiten ordentlich.

Nach der Pause brachte Trapattoni Mario Carevic, doch die Eintracht wehrte sich mit aller Macht gegen die mit dem Mute der Verzweiflung anrennenden Schwaben. Vor allem Ex-Nationalspieler Marko Rehmer verlieh der Abwehr der Hausherren in seinem 200. Bundesligaspiel großen Halt und schaltete Stuttgarts Starstürmer Tomasson aus. Doch dann kam Ljuboja. Der Stürmer aus Serbien und Montenegro nutzte einen klugen Pass von Nationalspieler Thomas Hitzlsperger. Beinahe wäre Ljuboja auch zum Bundesliga-Helden geworden, doch seinen Schuss (81.) parierte Frankfurts Torhüter Oka Nikolov mit einem glänzend Reflex.

DPA / DPA

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