HOME

Bundesliga-Teamcheck: VfL Wolfsburg: Das Ende der Protzerei

Wolfsburger Unsympathen. Das war einmal. Dank Dieter Hecking und Klaus Allofs präsentiert sich der VfL neuerdings ziemlich lässig und bescheiden. Europa, sie kommen. Falls der Superstar nicht zickt.

Von Klaus Bellstedt

Geht es Ihnen auch so? Denkt man an den VfL Wolfsburg, denkt man (immer noch) an Felix Magath, Größenwahn und 100 Spieler, deren Namen sich nicht mal die Fans der Wölfe merken wollen und können. Der Club, von der Konkurrenz rein Imagemäßig immer ein bisschen belächelt und nie so ganz ernst genommen, kann einem fast leidtun. Er wird den Schatten vom großen Felix einfach nicht los. Dabei hat sich viel getan. Ein frischer Wind weht durch den Verein. Vielleicht wird es ja in der neuen Saison endlich was mit dem Neustart.

Was ist neu?

Es ist diese wohlige Stimmung, die beim VfL neu ist. Unter Trainer Dieter Hecking und Manager Klaus Allofs geht es bei den Wolfsburgern viel besonnener und bescheidender zu als früher. Das Duo hat es geschafft, im Umfeld eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Rund um die Volkswagen-Arena herrscht gedämpfter Optimismus. Die Zeit der protzigen Mega-Einkaufstouren ist vorbei. Das ist schon bemerkenswert - vor allem auch deshalb, weil das Geld des Club-Eigners ja da wäre. Aber: Man vertraut dem vorhandenen Personal. Namhafte Neuzugänge gibt es - mit Ausnahme der beiden Defensivkräfte Timm Klose und Daniel Caligiuri - nicht. Es sei denn, es wird noch was mit Bayerns Luiz Gustavo. Den würde VW-Boss Martin Winterkorn schon gerne im grünen Trikot sehen.

Was ist gut?

Hecking und Allofs haben den Kader stark ausgedünnt. Die beiden haben beim Verscherbeln der Magathschen Altlasten wirklich ganze Arbeit geleistet. Von der Qualität hat das Team nämlich dennoch nichts eingebüßt. Auch die Vorbereitung lief glatt, die Vorstellungen des Trainers wurden phasenweise schon gut umgesetzt. Wolfsburgs einziger Star Diego scheint auch wieder Lust zu haben. Wobei man bei ihm nie sicher sein kann. Diegos Laune und seine Transfer-Absichten wechseln fast täglich. Vorerst herrscht aber Ruhe. Was umso wichtiger ist, weil der Brasilianer immer noch der beste Spieler des VfL Wolfsburg ist.

Gut ist auch, dass mit Maximilian Arnold (19) und Robin Knoche (21) zwei Toptalente gehalten werden konnten. Mit Arnold wurde jüngst bis 2017 verlängert. Eigengewächs und Innenverteidiger Knoche steht kurz vor der Vertragsverlängerung. Beide haben in der vergangenen Saison mit starken Leistungen in der Bundesliga auf sich aufmerksam gemacht.

Was ist schlecht?

Den Wolfsburgern fehlt auch weiterhin ein technisch starker Angreifer. Weder Bas Dost, noch Ivica Olic oder Patrick Helmes sind komplette Stürmer. Aber weil im 4-2-3-1-System des VfL der einzigen Spitze eine zentrale Bedeutung zukommt, ist das nicht unproblematisch. Da kann die Dreierkette dahinter mit Perisic, Diego und Vierinha noch so gut bestückt sein. Sorgen bereitet auch der Zustand von Abwehrboss Naldo. Der Diego-Kumpel ist meilenweit von seiner Bremer Glanzform entfernt. Aber gut, noch ist Zeit.

Was ist möglich?


Alles ist ruhig beim VfL. Alles sind entspannt. Bleibt das so und wird möglicherweise auf ein, zwei Positionen noch nachgebessert, dann ist eines klar: Gegen den Abstieg werden die Wölfe auf keinen Fall wieder spielen. Sie wollen, das ist die offizielle Zielvorgabe, die Nummer eins im Norden werden und Werder, Hannover, den HSV und Braunschweig hinter sich lassen. Das ist locker möglich. So wie die Europa League.

Wissenscommunity