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Bundesliga im stern-Check: Dortmund spielt furios – doch ein anderer Punkt muss den FC Bayern noch mehr sorgen

Der FC Bayern patzt - und gleich mehrere Teams nutzen das aus. Allen voran Borussia Dortmund, das den Rekordmeister in dieser Saison so ärgern könnte, wie lange nicht mehr. Was nicht nur an der berauschenden Spielweise liegt. Der Bundesliga-Spieltag im stern-Check.

bundesliga - spieltag 6

Jetzt bloß nicht abheben: Lucien Favres Dortmunder zeigten zuletzt zwei begeisternde Spiele. Dass man den so erreichten Sprung an die Tabellenspitze jedoch ganz bodenständig bewertet, könnte den Verein für den FC Bayern gefährlicher machen, als es dem Rekordmeister lieb ist.

DPA

So liefen die Spiele

Alle Ergebnisse des 1. Spieltages, die Tabelle und Highlights zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltages

Einen wirklichen Aufreger gab es nicht. Dafür aber eine verdammt aufregende Partie zwischen Leverkusen und Dortmund, die Fans beider Seiten als Wechselbad der Gefühle erlebt haben dürften - mit positivem Ende für die Borussia-Anhänger. Sah es für die Schwarz-Gelben lange Zeit nach der ersten Ligapleite unter Trainer Lucien Favre aus, fand dessen Team nach dem 0:2-Rückstand zur Pause spektakulär zurück in die Spur. Mit vier Treffern in den letzten 30 Minuten drehten die Dortmunder wie berauscht die Partie und übernahmen so gleich auch die Tabellenführung. Mehr Spannung und Spektakel in einem Spiel: geht eigentlich nicht. 

Dieses Tor sollten Sie (noch mal) sehen

Normalerweise macht es Spieler stolz, wenn sie sich mit einem besonderen Treffer in den Geschichtsbüchern verewigen. Bei Ron-Robert Zieler hingegen war von Freude - verständlicherweise - nichts zu spüren. Warum? Stuttgarts Keeper wird künftig wohl sein Leben lang mit einem der kuriosesten Eigentore der Bundesliga in Verbindung gebracht werden. Was war passiert? Gegen Bremen lag der VfB im eigenen Stadion 1:0 vorn, als Linksverteidiger Borna Sosa in der eigenen Hälfte zum Einwurf ansetzte -  und Zieler damit völlig kalt erwischte. Sosa nämlich spielte den Ball nicht nach vorn, sondern warf in Richtung eigenes Tor. Zieler war zu dem Zeitpunkt jedoch mit seinen Stutzen beschäftigt und entsprechend nicht mit voller Aufmerksamkeit dabei. Der Ball kam immer näher, die Zuschauer schrien den da noch immer nach unten guckenden Zieler lautstark an. Vergebens. Der 29-Jährige reagierte zwar, dennoch sprang der Ball über seinen Fuß und kullerte ins Tor. Bitter für Zieler: Hätte er gar nichts gemacht und eine Berührung vermieden - Bremen hätte laut Regelwerk nur einen Eckball bekommen. So aber zählte der Treffer.

Immerhin: Die ungewollte Slapstick-Einlage blieb aus Stuttgarter Sicht am Ende ohne Folgen. Sieben Minuten nach dem unglücklichen Ausgleich für Bremen (68. Minute) erzielte der eingewechselte Gonzalo Castro den 2:1-Siegtreffer für die Schwaben.

Gewinner des Spieltages ...

... sind nach diesem Wochenende die Bundesliga-Fans im Allgemeinen und Borussia Dortmund im Speziellen. Erstere dürfen sich nach Spieltag sechs nämlich Hoffnungen machen, dass die Meisterschaft in dieser Saison nach Jahren der Bayern-Dominanz wirklich mal wieder (länger) spannend bleibt. Anders als in vorherigen Spielzeiten gelingt es aktuell gleich mehreren Teams, aus Patzern der Münchner durch parallele Siege Kapital zu schlagen. Ergebnis: Den aktuellen Sechsten Leipzig und Tabellenfüher Dortmund trennen derzeit gerade einmal drei Punkte. Dies tut der Bundesliga gut und kann gern so bleiben.

Dass Dortmund zu den Gewinnern gehört, liegt nicht nur am spektakulären 4:2 gegen Leverkusen und dem Sprung an die Tabellenspitze. Sondern auch daran, dass der Verein aus den Erfahrungen der letzten Spielzeit seine Lehren gezogen zu haben scheint. Damals führte der BVB die Tabelle bis zum neunten Spieltag an - am Saisonende hatte er 29 Zähler Rückstand. Auch deshalb hängten die Verantwortlichen die aktuelle Situation nicht zu hoch. "Nichts Besonderes" sei die Tabellenführung, sagte Trainer Favre. Und Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, erklärte: "Wir nehmen das gerne mit. Aber für Kampfansagen ist es zu früh."

Den FC Bayern nicht zu provozieren und stattdessen den Ball - trotz beeindruckender Vorstellungen - (vorerst) flach zu halten, könnte langfristig betrachtet ein Schlüssel zum Erfolg sein. Denn wie hatte Vereinsboss Hans-Joachim Watzke erst kürzlich noch gewarnt: "Wenn du es schon vorher beschreist, haben die Bayern alle Warnsysteme hochgefahren."

Verlierer des Spieltages

Gerade mal eine Woche ist es her, dass Schalke-Manager Christian Heidel mutmaßte, der FC Bayern werde in dieser Saison nicht eine einzige Partie verlieren. Zwei Spieltage später ist das Prädikat "unschlagbar" jedoch dahin. Kam der Rekordmeister schon am Dienstag gegen Augsburg völlig überraschend nicht über ein 1:1 hinaus, setzte es am Freitag gegen Hertha BSC Berlin die erste Saisonniederlage. 2:0 hieß es am Ende für die Hauptstädter - erstmals seit mehr als einem Jahr schaffte der Ligaprimus damit auswärts kein Tor. Und auch die Tabellenführung ist erstmal futsch. "Vor einer Woche hatte man noch den Eindruck, wir sind unbesiegbar. Jetzt hat uns ein bisschen die Realität eingeholt", ordnete Thomas Müller die ungewohnte Situation später ein. 

Nun stellt sich diese zwar bei weitem nicht so dramatisch dar, wie zum selben Zeitpunkt der Vorsaison - damals waren die Dortmunder nach Spieltag sieben gar um fünf Punkte entrückt -, dennoch sollte man an der Säbener Straße gewarnt sein. Die Konkurrenz zumindest weiß, dass die Bayern zu knacken sind und dürften entsprechend selbstbewusster in die Spiele gegen sie gehen.

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