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Bundesliga im stern-Check: Verdammter Videobeweis: Wie die "kalibrierte Abseitslinie" den Geist des Fußballs zerstört

Der Videobeweis sieht jetzt schon Dinge, die man selbst mit allen Zeitlupen im Fernsehen nicht erkennen kann. Zum Beispiel Schuhspitzen, die im Abseits stehen. Wie sinnvoll ist das?

Bundesliga Adam Zrelak

Adam Zrelak erzielt das Führungstor für Nürnberg. Denkt er zumindest. Und jeder andere auch. Nur die kalibrierte Linie hat was dagegen.

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So liefen die Spiele in der Fußball-Bundesliga

Alle Ergebnisse des 19.Spieltags, die Tabelle und Statistiken zum Nachlesen finden Sie hier im stern-Ticker.

Aufreger des Spieltags

Jahrelang galt bei der Abseitsregel: Im Zweifel für den Stürmer. Weil manche Situationen eben zu knapp sind, um sie eindeutig aufzulösen und weil die Zuschauer - im Zweifel - lieber Tore sehen wollen als Abseitspfiffe. Doch dieser Grundsatz gilt spätestens seit diesem Spieltag nicht mehr.

Den Beweis lieferten zwei vermeintliche Tore in Mainz und Wolfsburg. In Mainz versenkte der Nürnberger Stürmer Adam Zrelak den Ball nach weiter Flanke von der Seite im Tor. Die Nürnberger jubelten, die Mainzer holten den Ball aus dem Tor. Niemand bezweifelte die Rechtmäßigkeit des Treffers. Als alle Mann sich wieder zum Anstoß bereitgestellt hatten, um das Spiel fortzusetzen, meldete sich der Videoassistent, um das Tor doch noch wegen Abseits abzuerkennen.

Ähnliche Szene in Wolfsburg, wo Yunus Malli nach seiner feinen Vorlage für den vermeintlichen Anschlusstreffer gegen Leverkusen zurückgepfiffen wurde - auch hier erst nach ausführlichem Jubel und ohne Proteste der Gegenseite.

Mit bloßem Auge zu erkennen waren beide Abseitssituationen nicht, weder im Stadion noch im Fernsehen, auch nicht nach Ansicht mehrerer Wiederholungen. Doch die sogenannte "kalibrierte Abseitslinie", die seit dieser Saison dem Videoschiedsrichter zur Verfügung steht, hatte erkannt, dass die großen Zehen von Zrelak und Malli um Millimeter im Abseits standen.

Früher hätte man gesagt: gleiche Höhe, im Zweifel für den Stürmer. Doch die kalibrierte Linie kennt keine Zweifel. Zumindest vordergründig, denn ob die Computerlinie im richtigen Sekundenbruchteil des Abspiels angelegt wird, lässt sich eindeutig immer noch nicht beweisen. Wolfsburger und Nürnberger, die ihre Spiele jeweils verloren, zweifelten hinterher jedenfalls heftig an der Gerechtigkeit des kalibrierten Videobeweisfußballs.

 

Gewinner des Spieltags

Borussia Mönchengladbach hat durch den 2:0-Sieg gegen den FC Augsburg nicht nur den dritten Tabellenplatz gefestigt und seine Chancen auf einen Champions-League-Einzug verbessert. Durch den zwölften Heimsieg in Folge stellte das Team von Trainer Dieter Hecking auch den historischen Heimspiel-Rekord der Fohlen ein. Eine derartige Siegesserie war bisher nur Trainerlegende Jupp Heynckes 1983/1984 gelungen. Im nächsten Heimspiel gegen Hertha BSC kann das Hecking-Team dann sogar an den Heynckes-Fohlen vorbeiziehen.

Verlierer des Spieltags

Dass ein Bundesliga-Trainer nach acht Spielen ohne Sieg seinen Hut nehmen muss, ist nicht ungewöhnlich. Doch die Art und Weise wie es für André Breitenreiter bei Hannover 96 zu Ende ging, dürfte dem gebürtigen Hannoveraner noch eine Weile nachhängen. Schon in die Winterpause ging der einstige Aufstiegs- und Erfolgstrainer der Niedersachsen schwer angeschlagen. Nach der Auftaktniederlage gegen Bremen verweigerte ihm die Vereinsführung so demonstrativ die Rückendeckung, dass Breitenreiter öffentlich eine "klare Ansage" einforderte. Stattdessen schickte man den verdienten Trainer schweigend in das Himmelfahrtskommando zum Tabellenführer Dortmund, wo er fast folgerichtig mit 1:5 verlor. Dass man nur einen Tag später mit Thomas Doll schon den Nachfolger präsentierte, zeigt, dass Breitenreiters Aus intern schon längst beschlossen war.

Dieses Tor sollten Sie (nochmal) sehen

Dem Bremer Maxi Eggestein gelang gegen Frankfurt eine perfekte Mischung aus Stolper- und Zaubertor. Er sprintete auf das Tor zu, schien sich kurzzeitig in den gegnerischen Abwehrbeinen zu verheddern, um sich dann mit einem akrobatischen Hackentrick aus dem Knäuel zu winden und den Ball ins Tor zu schieben. So was kennt man sonst nur von einem Thomas Müller in Bestform.

Bild des Spieltags

"Gemeinsam für Erinnerung & Vielfalt": Spieler und Fans in Mainz erinnern an die Opfer der Nationalsozialisten. Auch in zahlreichen anderen Stadien gab es ähnliche Aktionen mit Bannern und Spruchbändern zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

"Gemeinsam für Erinnerung & Vielfalt": Spieler und Fans in Mainz erinnern an die Opfer der Nationalsozialisten. Auch in zahlreichen anderen Stadien gab es ähnliche Aktionen mit Bannern und Spruchbändern zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust.

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