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Felix Magath in Wolfsburg VW ruft den "Quälix" zurück


Das war Felix Magaths Woche: Rauswurf auf Schalke, hässliche Vorwürfe von Schalke, Wiedereinstieg beim VW-Klub VfL Wolfsburg. Bloß, was will er bei seinem alten Verein? Und kann er das noch: Abstiegskampf?
Von Klaus Bellstedt

Nichts scheint in der Fußball-Bundesliga in diesen Tagen unmöglich. Sinnbildlich hierfür steht die Person Felix Magath. Vor 48 Stunden wurde er auf Schalke als Trainer entlassen. Am Freitag um 9.13 Uhr bestätigte der VfL Wolfsburg die Verpflichtung von Felix Magath. Und jetzt denkt man sich: Wie kam das zustande? Aber vor allem: Auf was lässt sich Magath da ein?

Die erste Frage lässt sich leicht beantworten. Seit seinem ersten von Erfolg gekrönten Engagement beim VfL von 2007 bis 2009 verbindet Magath mit VW-Chef Martin Winterkorn ein exzellentes Verhältnis. Als sich Winterkorn und Volkswagen-Aufsichtsratsboss Francisco Javier Garcia Sanz jetzt, wo sich der VfL in akuter Abstiegsgefahr befindet, dazu entschlossen hatten, Magath als Retter zurückzuholen, rannten sie beim freundschaftlich-verbundenen Ex-Coach offene Türen ein. Logisch, auch das liebe Geld wird bei der Rückholaktion eine große Rolle gespielt haben. Aber da hat man bei VW ja gewiss einen größeren Spielraum als beim hochverschuldeten FC Schalke 04.

Bleibt die Frage, wie groß das Risiko ist, auf das sich Felix Magath beim aktuellen Tabellensiebzehnten einlässt. Und an dieser Stelle wird es knifflig. Als er 2007 Wolfsburg zum ersten Mal als Coach übernahm, hatte er zwei Monate Zeit, nicht nur um die Mannschaft richtig zusammenzustellen, sondern auch körperlich in jenen Zustand zu bringen, für die Magath-Teams so gefürchtet sind. Die Ergebnisse sind bekannt: In seiner ersten Saison führte er die Wölfe nach dem Fastabstieg auf einen guten fünften Platz. In der Spielzeit darauf wurde Magath mit Wolfsburg überraschend Deutscher Meister.

Ein Aspekt sollte Magath Mut machen: die Fans

Nun sind die Vorzeichen aber anders. Magath findet bei den Niedersachsen ein Chaos vor. Die Mannschaft wirkt nicht fit. Sie ist vom mittlerweile entlassenen Ex-Manager Dieter Hoeneß darüber hinaus falsch zusammengestellt worden. Unter ihm hat sich der VfL sportlich dramatisch verschlechtert. Ein Spielsystem ist nach zwei Dritteln der Saison noch immer nicht erkennbar. Aber Magath ist vor allem auch als Psychologe gefragt. Woche für Woche beweisen Benaglio, Schäfer, Diego und Co., dass sie Abstiegskampf nicht können. Gelingt es Magath, so wie Thomas Schaaf bei Werder zuletzt, eine Ansammlung von teilweise zerstrittenen Einzelspielern zu einer verschworenen Einheit zu formen, die auch nervlich der Situation im Tabellenkeller gewachsen ist? Zweifel bleiben - eben weil er keinen Vorlauf hatte.

Felix Magath übernimmt beim VfL Wolfsburg eine Art Himmelfahrtskommando. Nüchtern betrachtet gibt es nur einen Aspekt, der dem 57-Jährigen Mut machen kann: Die Fans in Wolfsburg sind ausgesprochen leiser Natur - eine gut organisierte Opposition ist daher kaum zu erwarten. Das war auf Schalke wahrlich anders.


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