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Trotz 3:1-Sieg: "Solche A...löcher!" Gladbach-Manager Eberl wütet gegen eigene Fans

3:1-Sieg und trotzdem Pfiffe gegen die eigene Mannschaft - da rastet Gladbach-Manager Max Eberl regelmäßig aus. Nach dem Spiel gegen den HSV wütete er gegen die eigenen Fans. Im Kabinengang soll er sehr ausfällig geworden sein.

Gladbach-Manager Max Eberl wütet gegen eigene Fans

"Das geht mir so auf den Sack": Gladbach-Manager Max Eberl hat kein Verständnis für Pfiffe gegen die eigene Mannschaft.

ließ mächtig Dampf ab. "Wir reißen uns acht Jahre den Arsch auf, damit wir mal gegen Barcelona spielen dürfen und dann wird hier gepfiffen, wenn wir mit zwei 18-Jährigen spielen und der Ball mal nach hinten gespielt wird", sagte Borussia Mönchengladbachs Sportdirektor nach dem 3:1 (1:0)-Erfolg gegen den Hamburger SV.

Dabei hatte sein Team ein kompliziertes Spiel am Ende durch die Treffer von (9.) und Raffaels Doppelpack (74./79.) letztlich verdient gewonnen und vorerst wieder den vierten Tabellenplatz erobert. "28 Punkte sind eine sehr gute Ausbeute, aber diese übertriebene Erwartungshaltung ist nicht förderlich", befand Eberl.


Max Eberl: "Das geht mir so auf den Sack"

In den Katakomben des Borussia-Parks soll Eberl gleich nach dem Spiel mächtig laut geworden sein. "Solche Arschlöcher! Diese Fans - so ein Scheißdreck", will zumindest die "Bild-Zeitung" aus dem Mund von Eberl vernommen haben. Doch auch in der etwas gefassteren Version vor Journalisten äußerte sich der Architekt der erfolgreichen jüngsten Borussia-Jahre deutlich: "Ich finde es eine bodenlose Frechheit, wenn man unsere Mannschaft, die ein hervorragendes Heimspiel macht, bei Rückpässen auspfeift. Das geht mir so auf den Sack. Dann sollen sie zu Bayern München oder PSG gehen", wetterte Eberl enttäuscht.

Von einem "hervorragenden Heimspiel" wollten etliche Fans Mitte der zweiten Halbzeit aber eher nichts wissen. Nach hervorragendem Start hatten die Fohlen das Spiel scheinbar ohne Not aus der Hand gegeben. Zeitweise fühlten sich die Zuschauer an den eher blutarmen Auftritt beim 0:1 in Freiburg erinnert. Gut für die Atmosphäre: Unmittelbar nach den fielen die Tore durch Raffael. Und tatsächlich kippte die Stimmung sofort.

"Nicht mehr Gladbach, wie ich es kenne"

"Hier wird ehrlich Fußball gespielt und mit jungen Spielern gearbeitet", konnte sich der 44-Jährige dennoch nicht beruhigen. "Mit so etwas kann ich nicht leben, wenn wir bei guten Spielen ausgepfiffen werden." Und dann wird Eberl, der eine lukrative Offerte des FC Bayern zugunsten seines "Herzensclubs" Gladbach abgelehnt hat, sehr grundsätzlich: "Das ist nicht mehr Borussia Mönchengladbach, wie ich es kenne. Ich rede nicht von der Nordkurve. Ich rede von den Zuschauern, die ab und an mal Fußball gucken wollen. Das ist pervers", nährt der Gladbach-Manager Befürchtungen, dass ihn solche Vorfälle doch einmal von der Borussia vertreiben könnten.

Zuspruch erhielt Eberl allerdings von einigen Spielern. "Die Leute, die pfeifen, das sind keine Fans", sagte Nationalspieler Matthias Ginter. Auch der Torschütze zum 1:0, Thorgan Hazard, zeigte sich enttäuscht: "Schade, dass die Fans uns nicht helfen. Wir hatten heute zwei 18-Jährige im Mittelfeld, da muss man auch mal Geduld haben".

"Können gerne wieder böse Briefe schreiben"

Max Eberls Geduldsfaden ist jedenfalls zum Reißen gespannt. Er fühlt zu wenig Anerkennung für die Arbeit im Club, der sich vom permanenten Abstiegs- und zum nachhaltigen Champions-League-Kandidaten gemausert hat. Schon einmal hat Eberl mit einer Wutrede gegen die eigenen Fans Schlagzeilen gemacht. Vor gut einem Jahr galten die Pfiffe dem damaligen André Schubert. Er hatte während des Champions-League-Spiels gegen Manchester City (1:1) nach Ansicht vieler Fans die "falschen" Spieler ausgewechselt. "Das sind dumme Menschen!", hatte Eberl damals gewettert. "Die kommen hierher und erwarten, dass Manchester City aus dem Stadion fegt. Die sollen nach München fahren!" Damals hat Eberl sich später entschuldigt.

Und diesmal? "Für die Wortwahl sage ich sorry, aber in der Sache rudere ich nicht einen Millimeter zurück", sagt Eberl am Tag danach der "Bild"-Zeitung. Die "Ab-und-an-Fans" seien in der zweiten Liga sicher noch nicht in den Borussia-Park gekommen. "So eine Erwartungshaltung, wie sie von diesen Leuten aufgebaut wird, die kann einen Traditionsverein erschlagen - genau das ist anderswo schon passiert. Aber genau dagegen werde ich mich mit Händen, Füßen und Worten wehren", so der Manager weiter. "Jetzt können die mir gerne alle böse Briefe schreiben - aber unsere Jungs sollen sie in Ruhe Fußball spielen lassen."


dho mit / DPA

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