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Relegation Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC: Fair wäre nur ein Wiederholungsspiel

Wird die Relegationspartie zwischen Düsseldorf und Berlin wiederholt? Der DFB wäre gut beraten, die Partie neu anzusetzen. Denn alles andere wäre unfair und würde ein fatales Signal senden.

Ein Kommentar von Niels Kruse

Als die erfolgstrunkenen Düsseldorfer in der 96. Minute das Spielfeld stürmten, hatten sie Fakten geschaffen: Zwar standen in der Relegationspartie gegen Hertha BSC Berlin noch rund 90 Sekunden aus - doch die Anhänger der Fortuna konnten sich auf Schiedsrichter Wolfgang Stark verlassen. Der hatte, trotz mehrmaliger und anderslautender Drohung, die Begegnung auch dann nicht abgebrochen, als wieder mal Bengalische Feuer und andere Böller gezündet wurden. Als dann nach rund 20 Minuten die letzten feierwütigen Fans vom Platz gekehrt waren, pfiff Stark das Spiel wieder an. Und anderthalb Minuten später wieder ab. Am Ergebnis hatte sich nichts geändert, es blieb beim 2:2, Düsseldorf war in die Bundesliga auf- und Berlin in die Zweite Bundesliga abgestiegen.

Vermutlich hat Wolfgang Stark richtig entschieden, die Partie bis zum bitteren Ende durchzuziehen. Denn die Stimmung unter den Zuschauern war, gelinde gesagt, am Brodeln. Die Hertha hatte ihre letzte Chance auf den Ligaerhalt verspielt, während die Düsseldorfer nach 15 Jahren wieder im Oberhaus des deutschen Fußballs angekommen waren. Ein Abbruch hätte das Ergebnis automatisch annuliert und man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass in diesem Fall die Anhänger auf beiden Seiten vollends die Nerven verloren hätten.

Soll das Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC wiederholt werden?

Wenn jetzt das DFB-Sportgericht über den Protest der Hertha-Führung entscheidet, und der Ausgang des Spieles am grünen Tisch gefällt werden muss, dann werden die Verantwortlichen wie so oft in der Vergangenheit, der Tatsachenentscheidung des Schiedsrichters großes Gewicht beimessen. Zumal sich Stark vor seiner Entscheidung telefonisch Rückendeckung von den Funktionären aus Frankfurt geholt hatte. So gesehen deutet vieles darauf hin, dass weder am Spiel noch am Ergebnis gerüttelt wird.

Falsches Signal an die Fans

Und doch: Dieser rein sportrechtlich vielleicht konsequente Richterspruch wäre falsch. Denn in der Partie ist einfach zuviel vorgefallen, als dass man alles wie immer handhaben könnte. Die Bengalo-Attacke in der 60. Minute, wegen der das Spiel für rund fünf Minuten unterbrochen werden musste, war nur der Anfang. Der Sturm der Fortuna-Anhänger kurz vor Schluss der unrühmliche Höhepunkt, wenn auch nur einem vorzeitigen Fanfreudeerguss geschuldet. Doch dazu kommen die Ausfälle einiger Profis: Fünf Spieler sind angeblich auf Wolfgang Stark losgegangen, haben ihn beschimpft und beleidigt. Einer von ihnen, Herthas Levan Kobiaschwili, soll den Schiri sogar in den Nacken geschlagen haben. Weswegen der nun, einmalig in der Bundesliga, Anzeige wegen Körperverletzung erstattet hat. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob die Berliner in allerletzter Sekunde noch den entscheidenden Treffer zum 3:2 erzielt hätten, sicher ist: Die Bedingungen, unter denen zumindest die zweite Halbzeit stattgefunden hat, waren irregulär.

Allein schon deshalb wären die Fußballfunktionäre gut beraten, das Spiel neu anzusetzen. Außerdem dürfte ihnen das davon ausgehende Signal nicht gefallen: Mit der Anerkennung des Status Quo würde der DFB nämlich dummen wie böswilligen Fans indirekt erlauben, Fakten und Ergebnisse zu schaffen - indem sie die Stimmung derartig eskalieren lassen, dass es kein vernünftiger Schiedsrichter noch wagen wird, ein Spiel abzubrechen. Das kann keiner wollen.

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