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Pyro-Anschlag in Düsseldorf: Bengalos - Spiel mit dem Feuer

Verboten, aber heißgeliebt - Bengalos sind Alltag in deutschen Stadien. Die Gefahr, die von den Fackeln ausgeht, wird von Fans oft unterschätzt.

Das Chaos in Düsseldorf begann in der 60. Minute: Nachdem die Fortuna das 2:1 gegen Hertha BSC erzielt hatte, warfen Berliner Fans Dutzende von Bengalischen Feuern, kurz Bengalos, auf das Spielfeld. Dort brannten und qualmten sie vor sich hin, selbst eine Werbebande geriet in Mitleidenschaft. Minutenlang musste die Partie deshalb unterbrochen werden. Die Handflammen-Attacke ist nur der neueste Höhepunkt einer ganzen Reihe von Bengalo-Vorfällen, wie zuletzt in Dresden, Dortmund und Karlsruhe. Mittleweile gehören Bengalos zum Fußballalltag, dabei sind sie nicht nur verboten, sondern auch gefährlich.

Höchste Verbrennungsgefahr

Bengalische Feuer werden normalerweise mit kleinen Handfackeln abgebrannt und leuchten nicht nur grell, sondern entwickeln vor allem viel, viel Rauch. Im Inneren werden die Fackeln extrem heiß: Im Kern entstehen Temperaturen von bis zu 2.500 Grad Celsius. Diese enorme Hitze kommt in der Regel jedoch nur dann zustande, wenn als Brennstoff Magnesium verwendet wird. Wolf-Ingo Hummig von der Pyrotechniker-Schule in Peißenberg: "Wenn Bengalos in der Nähe des Kopfes gezündet werden, kann man ein Knalltrauma bekommen."

Zudem dürften Bengalos, die offiziell "Schwarzpulver-Böller Klasse Zwei" genannt werden, eigentlich nur Silverster gezündet werden, wobei ein Mindestabstand von acht Metern zur nächsten Person eingehalten werden sollte, so der Feuerwerksexperte. Nicht nur wegen des gesundheitsschädlichen Rauchs, sondern vor allem wegen der Verbrennungsgefahr. Denn das Löschen ist während der Abbrennzeit nicht möglich. Selbst wenn die Handfackel scheinbar abgebrannt ist, besteht wegen der inneren Glut weiterhin ein hohes Verletzungsrisiko. Leider wird die Gefahr von Fans oft unterschätzt oder gar nicht erst erkannt. So wurden nach einer Bengalo-Aktion in Nürnberg 2010 drei Fans schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert. Sie alle trugen Verbrennungen davon, unter ihnen auch ein 13-jähriger Junge.

Chaoten treten Pryo-Verbot mit Füßen

Den Europäischen (Uefa)- sowie den Weltfußballverband (Fifa) stören Bengalos schon länger. Aber erst im vergangenen Jahr reagierte der Deutsche Fußballbund (DFB) auf die vielen massiven Fan-Ausschreitungen und untersagte jegliche Art von Pyrotechnik in deutschen Stadien. Das drohende bundesweite Stadionverbot bei Missbrauch dieser Regel schreckt dabei aber nur die wenigsten Chaoten ab. Unzureichende Sicherheitsmaßnahmen, nachlässige Einlasskontrollen sowie auch eine mangelnde Konsequenz bei der Strafverfolgung führen bislang dazu, dass Bengalos immer wieder den Weg auf die Fußballbühne finden.

"Pyrotechnik legalisieren, Emotionen respektieren" - so lautet der Slogan einer Organisation, die sich für den Gebrauch von Bengalos im Stadion einsetzt. Außer Bengalo-Chaoten gibt es auch friedliche Gruppierungen, die mit Feuerwerkskörpern einem Spiel ihre eigene Note verleihen wollen. Gemeinsam mit DFB und der Deutschen Fussball-Liga (DFL) hätte man sich im vergangenen Jahr auch fast auf konkrete Regeln für einen möglichen Umgang mit Bengalos geeinigt. Doch am Ende verwarf die DFL die Pläne.

Mit dem Bengalo den Abend ausklingen lassen

In Düsseldorf hätten die umstrittenen Feuerstäbe fast zu einem Spielabbruch geführt. Dass es auch anders geht, bewiesen die Düsseldorfer Spieler: Nach dem Abpfiff stürmten zahlreiche Anhänger die Spielfläche und stellten mitunter auch die Feuerfackeln friedlich zur Schau. Übrigens auch Fortuna-Spieler Andreas Lambertz. Der DFB will deshalb jetzt ein Verfahren gegen den Düsseldorfer Kapitän einleiten.

Ein Fortuna-Sprecher sagte, Lambertz habe das Bengalo einem Fan abnehmen und löschen wollen. "Lambertz verabscheut Pyrotechnik, er identifiziert sich nicht damit", sagte der Sprecher. Die Bilder sprechen eine andere Sprache.

csa

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