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Tabellenführer Borussia Dortmund: Meisterflatter? Reine Einbildung!

Die Bundesliga bleibt auch 2011 das, was sie schon in der zweiten Hälfte 2010 war: eine große, einsame, fantastische BVB-Show.

Von Klaus Bellstedt

Was waren das für mutige Kampfansagen aus Leverkusen und München vor dem Start in die Bundesliga-Rückrunde. Zusammengefasst klang das aus dem Lager der Verfolger so: Der Druck, der auf dem enteilten Dortmunder "Wintermeister-Team" laste, würde im Westfalenland irgendwann zu kalten Füßen führen. Meisterflatter, so lautete das Zauberwort der Hoffenden. Nach der schwarz-gelben Machtdemonstration beim eindrucksvollen 3:1-Sieg in Leverkusen hat sich die Tonalität der Jäger dramatisch verändert. "Die Dortmund-Frage müssen wir uns nicht mehr stellen, sagte Arjen Robben, der sich mit seinen Bayern am 18. Spieltag mit einem müden 1:1 beim VfL Wolfsburg zufrieden geben musste. Der Niederländer sprach stellvertretend für alle Vereine aus dem ersten Drittel der Fußball-Bundesliga - abgesehen natürlich von der Borussia. Die Liga hat kapituliert. Die angekündigte Jagd auf den BVB ist zu Ende, ehe sie richtig begonnen hat.

Immer wieder neue Maßstäbe

Mit sage und schreibe 12 Zählern führt das Team der Superlative die Tabelle vor Hannover und Mainz an, Titelverteidiger München liegt gar 16 Punkte zurück. Die Verwunderung über diese Abstände hält sich bei Manndecker Neven Subotic übrigens in überschaubaren Grenzen. "Wir wussten aus der Hinrunde, dass wir neue Maßstäbe setzen können." Unaufgeregt selbstbewusst, auf und neben dem Platz. Auch das ist der BVB.

Allein die Auswärtsbilanz der Dortmunder ist atemberaubend. Wer neun von zehn Spielen in der Fremde gewinnt, dürfte auf dem Weg zum Titel kaum noch zu stoppen sein. Selbst den Ausfall des für den Asien Cup abgestellten Mittelfeldspielers Shinji Kagawa meisterte das Team von Trainer Jürgen Klopp ohne Probleme. In die Rolle des Japaners schlüpfte der erst 18 Jahre alte Jungnationalspieler Mario Götze, der auch in der für ihn neuen Rolle im Zentrum viele kreative Momente hatte und sogar noch ein Tor erzielte. "Es gab eine gute Nachricht: Wir sind wieder da - und spielen genauso gut wie in der Hinrunde." Wie Recht Jürgen Klopp doch hat. Die Bundesliga bleibt auch 2011 das, was sie schon in der zweiten Hälfte 2010 war: eine große, einsame, fantastische BVB-Show.

Dortmunder Tabellenführer-Logik

Der Auftritt von Leverkusen war für die Konkurrenz auch deshalb so frustrierend, weil der Dortmunder Spielstil schon wieder verdächtig an jenen aus der Hinrunde erinnerte. Pressing vom Feinsten, dazu eine ausgeprägte Laufbereitschaft, die nur Mannschaften an den Tag legen, die richtig hungrig auf Erfolge sind. Wie gehabt: Dortmund beißt die Gegner weg. Allen Prognosen zum Trotz, nach denen eine solch junge Mannschaft dem immensen Druck nicht standhalten kann und dem eigenen kräftezehrenden Spielstil zum Opfer fallen wird, stürmt die Borussia einfach weiter von Sieg zu Sieg. "Ich wüsste nicht, warum wir einen Einbruch erleben sollten", sagt Taktgeber Nuri Sahin.

Die Gefahr, dass die Mannschaft angesichts der komfortablen Tabellenführung nun abheben könnte, hält Michael Zorc für gering - und erklärt dies mit typischer Dortmunder Tabellenführer-Logik: "Dieses Team muss man nicht auf dem Boden halten, das Umfeld können wir nicht auf dem Boden halten - also machen wir einfach so weiter wie bisher", so der Sportdirektor, der mit seiner coolen Abgeklärtheit in diesen Tagen sinnbildlich für den gesamten BVB steht. Selbst den krassen Vorsprung auf die Clubs, die inzwischen ihren Verfolger-Status leugnen, interpretiert Zorc so unaufgeregt wie ein Steuerberater seine Zahlenkolonnen. "Es macht keinen Unterschied, ob wir 10, 12 oder 13 Punkte vorne liegen." Genau, weil den BVB sowieso niemand mehr einholt.

mit DPA

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