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Bundesliga

Corona-Maßnahmen Volles Stadion in Köln: Die Aufregung um die Fans ist heuchlerisch

Fans des 1. FC Köln im Rheinenergiestadion beim Derby gegen Borussia Mönchengladbach
Beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach galt auch am Platz Maskenpflicht
© Dean Mouhtaropoulos / Getty Images
Angesichts der prekären Corona-Lage sorgten die Bilder aus dem ausverkauften Fußballstadion in Köln bei vielen für Kopfschütteln. Die Fans für mangelnden Infektionsschutz verantwortlich zu machen, wäre aber vor allem eines: Heuchelei.

Die Infektionszahlen schießen in die Höhe, eine noch unvorhersehbar gefährliche Virus-Mutation breitet sich aus, die Diskussionen um den nächsten Lockdown und / oder eine Impfpflicht nehmen an Fahrt auf.

Angesichts all dessen stießen die Bilder am Samstag aus Köln – oh Wunder – vielen sauer auf. 50.000 Menschen drängten sich zum rheinischen Derby zwischen dem 1. FC Köln und dessen Erzrivalen Borussia Mönchengladbach ins ausverkauften Rheinenergiestadion. Ein gefundenes Fressen für die moralisch Überlegenen, die den Fans postwendend Verantwortungslosigkeit auf Champions-League-Niveau vorwarfen. Doch trifft hier die Anhänger – wenn überhaupt – die geringste Schuld. Das Gesundheitsamt hatte dem Verein den Ausverkauf – unter 2G-Auflagen – schließlich gestattet.

Erst am Spieltag fiel den verantwortungsbewussten Beamten dann auf: "Huch, was haben wir denn da erlaubt?" Kurzerhand wurden den allesamt geimpften und genesenen Fußballjecken eine Maskenpflicht am Platz auferlegt – der jämmerliche Versuch den vorprogrammierten Shitstorm im Keim zu ersticken. Denn natürlich ist es bei Stadionbier und Derbystimmung mit Infektionsschutz nicht weit her – die meisten Fans ließen ihre Masken mit den Hemmungen fallen.

Infektionsschutz ist nicht Aufgabe der Fans

Den Fans Egoismus vorzuwerfen, wäre schlichtweg heuchlerisch. Die tanzen schließlich nicht bunt nackt auf einem illegalen Corona-Rave, sondern besuchen eine behördlich genehmigte Veranstaltung. Doch sind wir nach mehr als zwei Jahren Pandemie süchtig nach Schuldzuweisungen. Die Stadt Köln prüft nun, ob sie dem Verein wegen Verletzung des Infektionsschutzes Bußgelder auferlegt. Wer sich ernsthaft darüber wundert, dass sich endorphingeflutete Effzehler beim höchsten Derbysieg seit 1996 johlend in die Arme springen, hat ein Stadion wohl noch nie von innen gesehen.

Natürlich ist es lobenswert, wenn Fans angesichts der prekären Lage zähneknirschend auf den Stadionbesuch verzichten. Aber niemand sollte einem glühenden (und geimpften!) Arenabesucher den moralischen Zeigefinger vorhalten. Infektionsschutz ist Aufgabe des Gesundheitsamtes und des Veranstalters, nicht der Fans. Eigenverantwortung ist nun einmal nicht Hauptbestandteil der 2G-Regeln.

Das schlimmste an der ganzen Misere: Die ermüdende, und vor allem aussichtslose Debatte um die fragwürdige Sonderstellung des Profifußballs (inklusive dieses Textes) ließe sich künftig mit einer Maßnahme vermeiden: der Impfpflicht. Doch, bis wir uns dazu durchringen, wird der FC Köln Meister – vor ausverkauften Stadionrängen, versteht sich.

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