HOME

Bundestrainersuche: Klinsmann zum DFB?

Vor kurzem hatte Jürgen Klinsmann die DFB-Führung noch scharf kritisiert, jetzt ist er im Gespräch für einen Posten im Umfeld der Nationalmannschaft. In welcher Rolle ist noch unklar.

Wie DFB-Pressesprecher Harald Stenger am Mittwoch mitteilte, haben DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder und DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt am Dienstag in New York Gespräche mit dem 108-fachen Nationalspieler und Mitglied der Weltmeister-Mannschaft von 1990 geführt. Offen ist, welche Rolle Klinsmann spielen soll. Denkbar ist ist die Übernahme einer Manager- Position oder sogar des Bundestrainer-Postens. Der Welt- und Europameister hatte 2000 zusammen mit Matthias Sammer und anderen "verdienten Nationalspielern" die Prüfung als Fußball-Lehrer erfolgreich abgelegt.

Am Mittwoch war die vierköpfige Trainerfindungs-Kommission des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit Mayer-Vorfelder, Schmidt, Franz Beckenbauer und DFL-Chef Werner Hackmann zum dritten Mal in Frankfurt/Main zusammengetroffen. Einzelheiten über die Verabredungen und die Position, die Klinsmann bei der Bildung der Nationalmannschaft für eine erfolgreiche WM 2006 in Deutschland zugedacht ist, wurden vom DFB zunächst nicht bekannt gegeben.

Man wolle "die Verhandlungen zur Nachfolge von Teamchef Rudi Völler und Bundestrainer Michael Skibbe zügig zu einem Ende bringen", ließ Stenger lediglich verlauten. Doch allein die Tatsache, dass der DFB das Treffen in New York öffentlich machte, weist auf ein mögliches Engagement Klinsmanns hin. Bis zu diesem Mittwoch galten nach den Absagen von Ottmar Hitzfeld und Otto Rehhagel die beiden Ausländer Guus Hiddink (Niederlande) und Morten Olsen (Dänemark) als aussichtsreichste Trainer-Kandidaten.

"Das Bild, das der DFB abgibt, ist einfach jämmerlich"

Sollte Klinsmann den Cheftrainer-Posten bekommen, wäre dies eine Parallele zu Rudi Völler. Der populäre Ex-Nationalspieler und Torjäger wurde 2000 als damalige Verlegenheitslösung zum Verantwortlichen der Nationalelf berufen und gewann Anerkennung und Profil.

Der in Los Angeles lebende Klinsmann hatte sich nach dem Scheitern der deutschen Nationalmannschaft bei der EM in Portugal und Völlers Rücktritt als heftigster Kritiker des DFB hervorgetan. "Das Bild, das der DFB abgibt, ist einfach jämmerlich", hatte der 39-Jährige geäußert und die Schaffung eines Manager-Postens gefordert. "Im Prinzip muss man den ganzen Laden auseinander nehmen."

Angesprochen auf seine eigenen Ambitionen, hatte Klinsmann ausweichend geantwortet. "Der ein oder andere Querdenker von außen, DFB-Verantwortliche und die besten Leute der Liga sollten sich an einen Tisch setzen und die Dinge knallhart durchdiskutieren." Erst danach "baut man die Strukturen, für die man sich die passenden Leute sucht." Dieser Aufforderung ist die DFB-Spitze nun offenbar nachgekommen.

Seit 1998 weit weg vom deutschen Fußball

Für ein Engagement Klinsmanns spricht auch, dass er als Adidas-Repräsentant tätig ist. Der Sportartikel-Hersteller aus Herzogenaurach ist seit Jahrzehnten erster Sponsor der Nationalmannschaft. Seit Ende seiner Karriere 1998 lebt der gebürtige Schwabe mit seiner Familie in Los Angeles und hatte sich seitdem vom deutschen Fußball weit entfernt. Er kümmerte sich in einer von ihm 1995 gegründeten Stiftung für benachteiligte Kinder und Jugendliche.

Höhepunkt seiner Laufbahn waren die Titelgewinne bei der WM 1990 in Italien und bei der EM 1996 in England, wo er das Team als Kapitän anführte. In der Bundesliga spielte er für den VfB Stuttgart (1984- 89) und Bayern München (1995-97). Im Ausland war der polyglotte Schwabe für Inter Mailand (1998-92), AS Monaco (1992-94), Tottenham Hotspurs (1994-95, 1998) und Sampdoria Genua (1997) aktiv.

Claas Hennig/DPA / DPA

Wissenscommunity