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Bester Saisonstart: Elf Siege, elf aufgedrehte Stars - darum ist der BVB unter Tuchel so stark

Schon jetzt hat der BVB so viele Punkte und Tore gesammelt wie in der gesamten letzten Hinrunde. Der historische Traumstart unter Thomas Tuchel hat Gründe - und die lassen sich am besten am Formhoch der Startelf analysieren.

Von Finn Rütten

Henrikh Mkhitaryan (l) und Shinji Kagawa vom BVB freuen sich über das 2:0 gegen Leverkusen

Zwei Sinnbilder für die neue Spielfreude unter Thomas Tuchel beim BVB: Henrikh Mkhitaryan (l)und Shinji Kagawa

Borussia Dortmund hat den besten Saisonstart der Bundesliga-Geschichte hingelegt. Zwar gewannen auch andere Teams ihre ersten fünf Ligaspiele (u.a. der BVB selbst 2013/2014), aber nicht mit der starken Tordifferenz von 18:3. Bereits jetzt hat der BVB genauso viele Punkte und Tore wie in der gesamten Hinrunde der vergangenen Saison gesammelt. Trainer Thomas Tuchel hat seit seiner Ankunft in Dortmund jedes Pflichtspiel in Liga, Europa League(-Quali) und DFB-Pokal gewonnen. In 11 Pflichtspielen gewann der BVB elfmal. Das ist Vereinsrekord. Unter Tuchel läuft es - auch weil der neue Coach viele Spieler wieder zur Weltklasse-Form verhilft. Eine Kurz-Analyse der aufgedrehten BVB-Startelf.


Roman Bürki: Thomas Tuchel traft die wichtige Entscheidung, ihn zur neuen Nummer Eins zu machen. Keine leichte Entscheidung, denn sie fiel gegen den langjährigen Keeper Roman Weidenfeller. Bürki zahlt das Vertrauen zurück: Egal ob bei hohen Bällen, im Eins-gegen-Eins oder im Spielaufbau - der Schweizer strahlt wesentlich mehr Sicherheit aus, als Weidenfeller, der in der vergangenen Saison viele Leichtsinns-Fehler beging.

Matthias Ginter: Der Nationalspieler ist dieses Jahr kaum wiederzuerkennen. Als Fehleinkauf verschrien, kaum Spiele unter Jürgen Klopp, blüht der Ex-Freiburger endlich auf - auch hier hat Thomas Tuchel ein glückliches Händchen. Ginter spielt nun Rechtsverteidiger, und das erledigt er, als hätte er nie eine andere Position gespielt. Ein Tor und fünf Assists in vier Bundesliga-Partien, dazu ein Treffer und eine Vorlage in einem Euro-League-Spiel - eine ganz starke Bilanz.

Sokratis Papastathopoulos: "Papa", wie der Grieche in Dortmund genannt wird, spiele "Männerfußball", sagt Tuchel über seinen Verteidiger. Nachdem Klopp zum Ende der vergangenen Saison weniger auf ihn setzte, zeigt Sokratis unter Tuchel wieder, warum Dortmund ihn braucht. Er geht mit voller Wucht in jeden Zweikampf, erobert viele Bälle und spielt notfalls auch verletzt weiter. Man hat bei ihm stets das Gefühl, dass er auch mit 299 Freunden die Thermopylen gegen die Armee des persischen Reiches verteidigen könnte.

Mats Hummels: An ihm sieht man die neue Sicherheit im BVB-Spiel besonders deutlich. Der Kapitän verteilt klug die Bälle im Aufbauspiel und schaltet sich immer wieder sinnvoll in die Offensive ein. Auch optisch hat er sich unter Tuchel verändert, mehre Kilo abgespeckt. Er ist wieder schnell und athletisch. Ein Hummels in WM-2014-Form.

Marcel Schmelzer: Er habe in der Vorbereitung vermehrt Flanken geübt, sagte der Linksfuß kürzlich. Und das merkt man ihm durchaus an. Nach einer Saison voller ängstlicher Kurzpässe, hat "Schmelle" seine Courage wiedergefunden, geht oft bis zur Grundlinie runter und flankt gefährlich in den Strafraum. Drei Assists sind dabei schon rausgesprungen.


Ilkay Gündogan: Eigentlich war der deutsche Nationalspieler bereits weg, sein Abschied beschlossene Sache. Doch Tuchel konnte ihn überzeugen beim BVB zu bleiben - rückblickend nicht die schlechteste Entscheidung. Gündogan ist das Herz des Dortmunder Spiels, baut die Angriffe auf und findet die Lücken. Seine lange Leidenszeit, 13 Monate Verletzungspause, alles vergessen – Gündogan ist aktuell besser denn je.

Julian Weigl: Der Goldgriff schlechthin. 19 Jahre jung und von 1860 München geholt, um mal ein bisschen reinzuschnuppern und langsam aufgebaut zu werden - so dachte man. Nichts da. Der Youngster ist unter Tuchel gesetzt, spielt überragende Matches auf der Sechs neben Gündogan. Ein Kämpfer, der Mann für die einfachen Pässe und dabei herausragend.

Shinji Kagawa: Nachdem er bei Manchester United nicht glücklich wurde, ging es zurück zur großen Liebe BVB. Doch unter Klopp wollte der kleine Japaner nicht mehr so richtig funktionieren. Man dachte schon Shinjis Karriere zum Weltklasse-Offensivspieler habe ein Ende genommen. Doch seit dem Saisonstart präsentiert er sich in Topverfassung. Neun Torbeteiligungen in neuen Spielen sprechen eine eindeutige Sprache. Das Selbstvertrauen ist zurück, Kagawa ist zurück auf Weltlasse-Niveau.

Henrikh Mhikitaryan: Apropos Selbstvertrauen. Der Armenier wirkt wie ausgewechselt, ist quasi ein Neuzugang für die Borussia. Nach einem Seuchenjahr, in dem er jede noch so große Torchance gezielt zunichte machte, hat Tuchel bei ihm wohl die richtigen Knöpfe gedrückt. "Mhiki" trifft wie er will, hat bereits neun Tore erzielt und acht weitere vorbereitet, und das nach elf Spielen - eine Wahnsinnsbilanz. Das verlorengegangene Selbstvertrauen ist mehr als nur zurück - er spielt besser denn je.

Marco Reus: Unter Klopp war er zuletzt nicht mehr der Alte. Viele Verletzungen machten ihm zu schaffen, darunter litt sogar kurzzeitig sein selbstverständliches und spielfreudiges Auftreten in der Offensive. Unter Tuchel hingegen dreht der verletzungsgeplagte Nationalspieler wieder auf, hat bereits sieben Torbeteiligungen in sieben Spielen gesammelt - davon sechs Treffer. Auch die Umstellung, ihn öfter mal im Sturmzentrum spielen zu lassen, zahlt sich aus. Nur verletzt war er jetzt doch wieder. Aber eine alte Fußball-Weisheit lautet schließlich: Wenn's im Team läuft, kommen auch die Verletzten schneller wieder rein.

Pierre-Emerick Aubameyang: Der stets gut gelaunte Sprinter aus Gabun - auf den ersten 30 Metern so schnell wie Usain Bolt - trifft in jedem Wettbewerb nach Belieben. Bereits zehn Mal hat er eingenetzt, dazu drei Assists geliefert. Das neue Selbstvertrauen gipfelte in einer Wette mit Trainer Tuchel, dass er mindestens 20 Treffer diese Saison erzielen werde.

Ersatzspieler: Thomas Tuchel schafft es perfekt, die Ersatzspieler mit ins BVB-Konzept einzubinden. Jonas Hofmann, Adnan Januzaj und Park Jo-Hoo ergänzen das Team perfekt, sind als Ergänzungsspieler stark integriert. Gonzalo Castro hatte einen schweren Start nach seinem Wechsel aus Leverkusen, doch auch er scheint seine Reservistenrolle sportlich zu nehmen und muckt nicht auf, wenn er wie gegen seinen Ex-Club nur fünf Minuten spielen darf. Wenn Neven Subotic, Erik Durm und Nuri Sahin wieder in Topform sind, hat Tuchel sogar noch mehr Auswahl.

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