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Champions League: Lissabon zum Durchpusten: So können die Duelle mit Benfica dem BVB gut tun

Mal was anderes sehen, auf andere Gedanken kommen, dem Trott entfliehen: Borussia Dortmund konnte nichts Besseres passieren, als jetzt in der Champions League auswärts anzutreten. Das Gerede von den Schicksalsspielen für Thomas Tuchel nimmt man aber mit.

Thomas Tuchel lacht während der Pk vor dem Spiel des BVB bei Benfica Lissabon in der Champions League

Mal weg von zuhause: BVB-Coach Thomas Tuchel lächelt während der Pk vor dem Champions-League-Spiel der Dortmunder bei Benfica Lissabon

Was sich derzeit bei Borussia Dortmund abspielt, ist nur mit übersteigerter Erwartungshaltung zu erklären. Platz 4 in der Bundesliga, nur ein Punkt hinter dem als Ziel ausgegebenen festen Champions-League-Platz, Viertelfinale im DFB-Pokal erreicht, und nun im Achtelfinale der Champions League bei Benfica Lissabon zu Gast - was gibt es da zu meckern? Eigentlich nichts, und doch hängt beim BVB der Haussegen schief. Dazu passt, dass die "gelbe Wand" beim nächsten Bundesligaspiel grau bleiben wird - viele Fans müssen leider draußen bleiben. Nicht nur dieses Problem scheint hausgemacht.

Wenn's zuhause Knatsch gibt, wirkt so ein kleiner Auslandsaufenthalt oft Wunder. Auch Borussia Dortmund kann die Chance nutzen, den Kopf wieder frei zu kriegen. Motto: Neuer Wettbewerb, neues Glück. Denn bei Licht betrachtet ist die Situation der Schwarz-Gelben alles andere als kritisch.

Champions League - das Ding des BVB

Und deshalb kann die Borussia trotz der Darmstadt-Blamage in der Bundesliga (1:2) mit allem Optimismus in die Duelle mit Benfica Lissabon gehen. Ungeschlagen in der Gruppenphase, satte 21 Tore; ganz klar: Die CL war bisher das Ding des BVB in dieser Saison. Warum sollte sich das jetzt ändern?! Zumal sich die Dortmunder gegen die großen Gegner, wie zuletzt beim 1:0 gegen Leipzig, stets auf der Höhe zeigten. Benfica kommt da gerade recht. Ein Klub mit großer Tradition, trotzdem sportlich normalerweise machbar, eine Möglichkeit, sich wieder frei zu spielen. Dass die etatmäßigen Außenverteidiger Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer wieder dabei sind, trifft sich da gut.

Realismus und Optimismus

"Es ist eine große Aufgabe für uns, gegen diesen großen, stolzen Klub zu spielen. Es fühlt sich großartig an, in diesem Stadion, in dieser Atmosphäre gegen Benfica anzutreten. Wir trauen uns zu, Lösungen zu finden, um hier zu gewinnen. Wir haben in dieser Champions-League-Saison bewiesen, zu was wir in der Lage sind." So optimistisch äußerte sich Thomas Tuchel vor dem Achtelfinale. Wo holt er das her angesichts der verdienten Niederlage gegen den Letzten der Bundesliga? Er weiß eben, dass das Team sich in der Champions League schon mehrfach bewiesen hat. Und dass eine Blamage wie in Darmstadt sehr wohl anstachelt zu einer deutlichen Leistungssteigerung. Schließlich muss man nicht BVB-Coach, um zu wissen, dass Reus, Aubayemang und Co. stärker spielen können als zuletzt.

Sinnlose Tuchel-Skepsis

Schon eher scheint Trainer-Kenntnis nötig, um zu begreifen, dass solche Einbrüche wie bei der Darmstadt-Blamage in dieser Umbruch-Saison beim BVB nunmal durchaus passieren können - zumal gegen die Lilien neben den abgegebenen Topstars Hummels, Gündogan und Mhkytarian auch noch Piszczek und Schmelzer fehlten. Eine solche Achse zu verlieren, steckt auch Borussia Dortmund nicht ohne weiteres weg. Was der BVB aber kann, ist mit viel Geld für entwicklungsfähige Toptalente die Leistungsdelle abzufedern. Genau das passiert derzeit. Dass es zwischendurch gewaltig ruckeln kann, mag man bei Borussia Dortmund offenbar nicht recht akzeptieren. Mit der spürbaren, wachsenden Skepsis gegenüber Tuchel macht es sich der BVB aber vor allem selber schwer.

Trotzdem birgt der Trip ins Ausland auch Gefahren. Eine krachende Niederlage in Lissabon würde die reinigende Wirkung natürlich zunichte machen. Dann könnte das Rückspiel in Dortmund - ob nun berechtigt oder nicht - tatsächlich zum Schicksalsspiel für Thomas Tuchel werden. In diesem Fall bräuchte der BVB wohl eine weitere legendäre Europacup-Nacht. Wie zum Beispiel beim 5:0 am 4. Dezember 1963 im Cup der Landesmeister, dem "Jahrhundertspiel". Der Gegner damals wie heute: Benfica Lissabon.

dho/mit DPA

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