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Champions League top, Bundesliga flop Darum fährt der BVB Achterbahn


Borussia Dortmund steckt in einer kuriosen Situation: In der Champions League läuft's, in der Bundesliga klappt gar nichts. Drei Gründe für die Diskrepanz.
Von Felix Haas

Es ist der außergewöhnlichste Gegensatz in der Vereinsgeschichte: Vor dem Heimspiel gegen Galatasaray Istanbul (ab 20.45 im stern-Liveticker) steht Borussia Dortmund in der Champions League unangefochten an der Gruppenspitze, sammelte in drei Spielen neun Punkte und kassierte noch kein einziges Gegentor. In der Bundesliga dagegen läuft's überhaupt nicht. Der BVB steht auf einem Abstiegsrang, schoss in zehn Spielen erst elf eigene Tore und musste schon 17 Gegentore hinnehmen - der BVB kassierte zudem in jedem Bundesliga-Spiel mindestens ein Tor.

Verantwortliche und Fans treibt eine Frage um: Warum ist die Diskrepanz zwischen den Wettbewerben so groß ist? Drei Erklärungsversuche.

Die Konter-Problematik

In der Champions League fühlen sich Dortmunds Gegner ebenbürtig. Egal ob Arsenal, Anderlecht oder Istanbul: Alle wollten Dortmund schlagen, spielten selbst nach vorne. Dortmund hat in der Königsklasse spielübergreifend lediglich 46 Prozent Ballbesitz. Der Mut der Gegner ermöglicht dem BVB mehr Räume - und die nutzen die schnellen Aubameyang, Reus oder Mkhitaryan hervorragend. Bayern-Trainer Pep Guardiola bezeichnete den BVB bereits als "beste Kontermannschaft der Welt". Tempofußball, Konterspiel - das liegt dem BVB.

In der Bundesliga überlassen viele Mannschaften dem Favoriten Dortmund den Ball und lauern selbst auf Konter. Hannover und Hamburg entführten so die Punkte aus Dortmund. Der BVB kommt mit längerem Ballbesitz deutlich schlechter zurecht als mit Konterfußball. Die Mittelfeldspieler können ihre Geschwindigkeit zu selten ausspielen.

Die Bürde der Favoriten-Rolle

Neben der taktischen Dimension hat die Rollenverteilung der Teams auch eine psychologische Ebene. In der Champions League haben die schnellen Konter der Borussia einen demotivierende Wirkung für den Gegner. Der hat sich viel vorgenommen, gerät durch die permanenten Nadelstiche in Rückstand und ist enttäuscht.

In der Bundesliga ist es genau andersherum. Für viele Bundesliga-Teams ist die Begegnung gegen Dortmund - neben der Partie mit dem FC Bayern - das Spiel des Jahres. Die Gegner wollen sich beweisen, stecken nie auf. Dort besteht der psychologische Nachteil für den BVB - erst recht wenn Dortmunds Gegner in Führung geht. Gegen Hannover erspielten sich Reus und Co. zunächst zahlreiche Chancen. Doch nach dem Rückstand gelang kaum noch etwas - die Enttäuschung war den BVB-Spielern anzusehen.

Frühe Tore helfen dem BVB

Anderlecht am 1. Oktober, 3. Spielminute: Kagawa lupft, Immobile trifft. 1:0 Dortmund. Istanbul, 22. Oktober, 6. Spielminute: Reus passt, Aubameyang schiebt ein. 1:0 Dortmund. In den vergangenen zwei Champions-League-Spielen war der BVB gnadenlos effektiv. Erster Konter, erstes Tor - so lautete jeweils die Grundlage für den deutlichen Sieg.

In der Bundesliga muss der BVB in der Regel deutlich länger anrennen, um einen Treffer zu erzielen. Erst zweimal traf die Borussia in der Anfangsviertelstunde - beide Tore fielen beim Sieg gegen Augsburg. Frühe Tore würden der Borussia wohl auch in der Bundesliga gut tun.

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