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Thesen zur BVB-Krise: Klopp macht nicht viel falsch - doch ein Fehler wiegt schwer

Die Niederlagenserie des BVB hat sich längst zum Teufelskreis entwickelt. Auch Jürgen Klopp hat Anteil an der Krise. Der Trainer muss die richtigen Schlüsse ziehen. Wege aus der BVB-Krise.

Wieder eine Niederlage, wieder war's knapp, wieder war der BVB über weite Phasen des Spiels ebenbürtig. Das Dortmunder 1:2 in München war bereits die fünfte Liga-Niederlage nacheinander. So schlecht startete die Borussia noch nie in ihrer Bundesliga-Geschichte. Das Team steckt in einem Strudel des Misserfolgs. Der stern stellt vier Thesen auf und sagt, was sich ändern muss - und was sich auf keinen Fall ändern darf, damit die Dortmunder zurück in die Spur finden.

Das muss sich ändern:

Klopps Fehler
Der normale Impuls im Fußballgeschäft lautet: Wenn es nicht läuft, ist der Trainer schuld. Die Krise allein an Klopp festzumachen, griffe zwar zu kurz. Doch auch Jürgen Klopp macht Fehler. Einem Team, das in der Krise steckt, helfen häufig klare Strukturen. Klopp aber wechselt seit Wochen Personal und Formation durch. Für die Personalwechsel kann er nur bedingt etwas, schließlich fallen immer wieder wichtige Spieler aus und müssen ersetzt werden. Doch die Wechsel in der Formation wiegen schwerer. Die Borussia spielt mal im 4-4-2, dann im 4-1-4-1. Auf die Erfolgstaktik der vergangenen Jahre (4-2-3-1) verzichtet Klopp immer häufiger. Eine klare Struktur täte den verunsicherten Spielern gut.

Das Kopfproblem
Die Borussia läuft den eigenen Ansprüchen meilenweit hinterher. Das wird zum psychologischen Problem: Man trauert nichtverwandelten Torchancen und liegengebliebenen Punkten nach, denkt permanent: Hätten wir doch, dann würden wir jetzt… Weil der BVB weiß, dass er eigentlich viel stärker ist, folgt zudem das nächste Kopfproblem. Schnell denkt man dann nicht nur an das nächste Spiel, sondern schon an die nächsten Wochen - es hilft ja nur eine Sieges-Serie gegen die miserable Situation. In Dortmund arbeitet Klopp seit Jahren mit dem Bochumer Psychologen Dr. Heiner Langenkamp zusammen. Klopp sagte mal: "Wenn die Jungs möchten, können sie mit ihm sprechen - wenn nicht, auch gut. Das Ganze ist sehr locker und unkompliziert." In der Krise sollte jeder das Psychologen-Gespräch suchen. Nur so weiß auch Klopp sicher, dass alle konzentriert weiter arbeiten und keiner die Lage auf die lockere Schulter nimmt.

Das darf sich nicht ändern:

Der BVB-Powerfußball muss bleiben
Unter Jürgen Klopp ist die Borussia dafür bekannt, mehr zu laufen als der Gegner. Mit 120,5 Kilometern im Schnitt führt der BVB die Liga in dieser Statistik an. Klopps Motto lautet: Im Fußball geht nichts ohne Tempo. Dieser Spielstil hat Dortmund unter die besten Teams Europas gebracht. Doch die Borussia kassierte in dieser Saison schon 17 Gegentore in den letzten 30 Minuten. Hat der BVB also ein Fitnessproblem? Muss ein anderer Spielstil her?

Klare Antwort: Der BVB sollte an seinem Stil festhalten. Die Mannschaft hat kein Fitnessproblem sondern ein Kopfproblem: Das Team belohnt sich nicht für seinen Aufwand. In der Vorwoche gegen Hannover ließen Hummels und Co. zahlreiche Chancen aus und kassierten dann per Freistoß den entscheidenden Gegentreffer. Dann kroch der Schock in die Köpfe - und auch die Power war weg. Dortmund muss weiter Vollgas geben, Ruhe bewahren und an seine (Spiel-)Stärke glauben.

Klopp sollte sich nicht ändern
Jürgen Klopp wirkt derzeit ratlos. "Es ist eine verrückte Situation", sagte er nach dem Bayern-Spiel. Doch für Klopp gilt dasselbe wie für den Spielstil des BVB. Der Trainer darf sich nicht grundsätzlich ändern. Er muss seine fordernde, motivierende Art beibehalten. Es gäbe keinen Grund, Spieler öffentlich zu kritisieren oder der Mannschaft Vorwürfe zu machen. Klopp muss dafür sorgen, dass das alte Vertrauen zurückkommt. Das geht nur, wenn er selbst von seinem Kurs überzeugt ist. Es wäre fatal, wenn Klopp öffentlich Zweifel äußern würde. Das würde die psychischen Probleme des Teams fördern statt sie zu bekämpfen.

Felix Haas

Wissenscommunity