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Borussia Dortmund in der Krise Der BVB vermisst Lewandowski - mehr als Mario Götze


Borussia Dortmund steckt vor dem DFB-Pokal-Spiel gegen St. Pauli in der Krise. Was Klopp und Co. nur ungern zugeben: Der BVB vermisst Robert Lewandowski. Nicht nur wegen seiner Torquote.
Von Felix Haas

Als BVB-Fan könnte man die aktuelle Krise ja auch positiv sehen. Dortmund auf Platz 15, das heißt auch: Dortmund ist nicht der FC Bayern. Und das heißt: Der BVB ist nicht perfekt. Klopps Mannschaft ist keine Maschine. Und sind Erfolge nicht ohnehin viel schöner, wenn man auch mal verliert?!

Das würde natürlich kein BVB-Anhänger wirklich behaupten. Dazu ist die Enttäuschung viel zu groß. Die Enttäuschung darüber, dass es in der Liga einfach nicht läuft. Dass zu einem bisschen Unvermögen scheinbar so viel Pech dazukommt. Jürgen Klopp musste sich am Wochenende sogar Kritik von Lothar Matthäus anhören. Kann es schlimmer kommen? Klopp ist natürlich klug genug, auf solche Einwürfe nicht zu reagieren. Doch fest steht: Zum ersten Mal seit seinem Antritt 2008 laufen Klopp und sein Team den eigenen Ansprüchen weit hinterher. Gründe für die Krise gibt es viele. Drei Punkte stechen heraus. Und auch Klopp trägt eine Mitschuld.

1. Der Lewandowski-Abgang

Man muss sich nur Werder Bremen anschauen, um zu sehen, was passiert, wenn jahrelang die besten Spieler den Verein verlassen und adäquater Ersatz wegen zu hoher Erwartungen oder unterschiedlicher Spielweise nicht wie gewünscht einschlägt. Der BVB kennt dieses Problem schon. Doch in diesem Jahr hapert es zum ersten Mal richtig - nämlich bei der Suche nach Ersatz für Robert Lewandowski.

Der Pole war für den BVB mehr als ein Torjäger. Er machte vorne Bälle fest, verteilte Pässe in die Tiefe oder auf die nachrückenden Außenstürmer. Lewandowski war für die Borussia Konterstürmer und Strafraumstürmer zugleich. Er war ein absoluter Fixpunkt in der Mannschaft, mehr noch als Mario Götze vor seinem Wechsel zum FC Bayern. Sportdirektor Michael Zorc und Jürgen Klopp mögen Lewandowskis Nachfolge clever auf mehrere Schultern verteilt haben, aber für das Spiel der Dortmunder ist genau das das Problem. Egal ob Ciro Immobile, Adrian Ramos oder Pierre-Emerick Aubameyang. Unterschiedliche Spielertypen fordern ein unterschiedliches Spielsystem. Vorne fehlt die Konstante - vor allem die konstante Anspielstation für die Mittelfeldspieler.

2. Das Kagawa-Problem

Shinji Kagawa mag am dritten Spieltag gegen Freiburg einen starken Einstand in Dortmund gefeiert haben. Doch die Folgespiele haben gezeigt, dass Kagawa noch die Bindung zum BVB-Spiel fehlt. Häufig spielt er verschnörkelt, er experimentiert viel. Den klaren, einfach Pass sieht man (zu) selten. Kagawa schafft es kaum, den "tödlichen Pass" auf die Sturmkollegen zu spielen. Schon in Manchester scheiterte der Japaner daran, dass er zu viel von seiner Spielkunst zeigen wollte und dabei die einfachen Pässe vernachlässigte. Es wäre Klopps Aufgabe, Kagawa darauf hinzuweisen.

3. Die Spielweise

Mit Gegenpressing, schnellem Umschaltspiel und flinken Kontern ist der BVB in die europäische Spitzenklasse vorgedrungen. In der vergangenen Saison sagte Bayerns Trainer Pep Guardiola: "Borussia Dortmund ist eine der konterstärksten Mannschaften der Welt." In der Champions League geht das Rezept weiter auf, dort wollen die Mannschaften mitspielen und geben dem BVB Raum für seine Spielweise.

In der Bundesliga ist das anders. Viele Teams überlassen den Dortmunder den Ball - die kommen weniger ins Pressing, nach Ballverlusten weniger ins Gegenpressing, weil die Raumaufteilung nicht immer auf Ballbesitz ausgelegt ist. Und schon geht Klopps Spielweise nicht mehr auf. Die Borussia merkt - auch wegen der Lewandowski-Lücke - wie schwierig es ist, wenn man als Kontermannschaft das Spiel machen muss. Auch andere europäische Kontermannschaften haben das Problem. Real Madrid beispielsweise hatte in dieser Saison mehr Schwierigkeiten mit San Sebastian als mit dem FC Barcelona.

Klopps Herausforderungen

"Unsere Aufgabe ist es nun, ein positives Selbstbild zu bewahren", sagt Jürgen Klopp vor dem DFB-Pokal-Spiel gegen St. Pauli. Klopp steht vor dem Problem, seiner Mannschaft wieder ein festes Konzept zu geben - und personell für Konstanz zu sorgen, vor allem im Angriff. Nur so wissen die herausragenden Spieler im offensiven Mittelfeld, mit welchem Stürmertyp sie es - sowohl im Offensiv-, wie auch im Defensivverhalten, zu tun haben. Konstanz im Sturm könnte sich auf die gesamte Mannschaft niederschlagen. Dann fallen auch wieder die gegen Hannover so schmerzlich vermissten Tore.


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